Design und Konstruktion
Die Mohnhaupt 320 zeichnet einen breiten, geräumigen Rumpf: Mit einem Verhältnis von Länge zu Breite von 2,93 bietet sie im Innenraum mehr Platz als 73 Prozent vergleichbarer Entwürfe, und das Magazin Yachting Monthly fand das Innenraumvolumen großzügig für eine 10-Meter-Fahrtenyacht. Rumpf und Deck sind im Sandwichverfahren aus handaufgelegtem GFK gefertigt, was angeblich das Klima unter Deck verbessert. Sowohl der Flossenkiel als auch der optionale Flachkiel bestehen aus Eisen. Die meisten Sportlines waren mit einem tiefen gusseisernen Flossenkiel ausgestattet, wenige wurden mit einem Flachkiel mit Flügeln gebaut, der für ein ruhigeres Seeverhalten unter Segeln und einen optimalen Tiefgang sorgen soll. Ein relativ tiefer Vorfuß hebt sie von späteren Modellen ab, da sie so weniger zum Einsetzen (Slamming) in kurzem Seegang neigt. Ihr gut ausbalanciertes Ruder und der Kiel halten die Luvgierigkeit gering, wenn das Boot nicht übermäßig viel Segelfläche trägt. (1)
Rigg und Seeverhalten
Die 320 ist mit einem 7/8-Rigg ausgestattet und für ihre Größe deutlich übertakelt – sie trägt mehr Rigg als 79 Prozent ähnlicher Segelboote. Mit dem ISO-Referenzsegel beträgt ihr SA/D-Verhältnis 16,4, was bei einer 135-prozentigen Genua auf 19,0 ansteigt. Dieser Wert macht sie bei leichtem Wind schneller als die Hälfte vergleichbarer Konstruktionen. Auf dem Wasser stellten Tester in der Zeitschrift Yachting Monthly fest, dass sie selbst bei leichtem Wind gut Höhe laufen kann und am schnellsten etwa 45 Grad vom scheinbaren Wind entfernt segelt. Bei starkem Wind wird sie nicht enger als 50 Grad kreuzen, weist jedoch nur etwa 5 Grad Abdrift auf. Sie benötigt ein erstes Reff ab 18 Knoten Wind mit vier Rollen in der Genua und ein zweites ab 22–23 Knoten. Eine frühere Genuareduzierung hält das Boot gut ausgewogen. Vor dem Wind braucht sie Wind, um unter Großsegel und Genua Fahrt zu machen; daher setzen viele Eigner bei leichtem Wind einen Spinnaker oder eine Cruising-Jolle ein. Auf raumen Kursen ist sie einfacher zu steuern als viele vergleichbare Boote. Ihre Manövrierfähigkeit im Hafen gehört zu ihren Stärken: Sie dreht in ihrer eigenen Länge und fährt rückwärts genauso leicht wie vorwärts. (2)
Unterbringung
Unter Deck ist der warme Mahagoni-Innenraum schlicht und überraschend gut aufgeteilt. Sie verfügt über zwei relativ geräumige Doppelkabinen und zwei lange Sofakojen, die mit Leesegeln zu Seebetten umgebaut werden können, sodass sechs Personen schlafen können, aber für längere Törns sind vier Personen bequemer untergebracht. Der Salon bietet Platz für sechs Personen beim Drink oder vier beim Abendessen, und die Pantry – nicht riesig, aber gut ausgestattet – versorgt vier Personen für ein langes Wochenende und eignet sich hervorragend für eine Familie oder ein Paar auf Langzeitreisen. Einige mögen den Mahagoni-Finish etwas dunkel finden, aber die Aufteilung bringt alles dort unter, wo man es erwartet.
Leistungspotenzial
Mit einem Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 169 gehört sie zu den „leichten Regattayachten“. Dennoch ist sie mit einer Komfort-Ratio von 18,1 komfortabler als nur 18 Prozent ähnlicher Konstruktionen. Ein Kenterungsverhältnis von 2,15 würde sie jedoch von Hochseeregatten ausschließen. Die theoretische Rumpfgeschwindigkeit liegt bei 7,1 Knoten, die Motorleistung bei 7,5 Knoten, wobei das Immersionsverhältnis bei etwa 187 kg/cm und die benetzte Fläche bei rund 31 m² liegt. Das Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) liegt bei 38 Prozent, was höher ist als der Wert von 34 Prozent bei vielen Konkurrenzbooten – eine Zahl, die Sportline durch seine schwerere Bauweise auf 46 Prozent erhöht.
Bekannte Schwachstellen und Eigenschaften
Das Testboot von Yachting Monthly erwies sich als seetüchtiges Boot mit kaum ernsthaften Mängeln. Die Kraftstoffkapazität ist begrenzt: Der 50-Liter-Tank der Sportline bietet nur etwa 150 Seemeilen Reichweite unter Motor, was für längere Törns eine echte Einschränkung darstellt. Alle Segelverstärkungen an dem getesteten Boot wurden nach achtern zum Steuerstand geführt und sind leicht bedienbar; da die Instrumente direkt griffbereit liegen, ist das Boot ein Kinderspiel zu segeln und reagiert gut, wenn es rau wird. Sie eignet sich hervorragend als komfortable und sichere Familien-Fahrtenyacht oder als kleineres Boot für Segler, die oft allein unterwegs sind.
Das Fazit
Die Bavaria 320 ist eine breite, übertakelte Fahrtenyacht aus den späten Achtzigern, deren Sportline-Bauweise Gewicht und Steifigkeit verleiht, die späteren Modellen jedoch fehlen. Sie lässt sich leicht mit kleiner Crew segeln, läuft raumschots sehr komfortabel und bietet einen geräumigen, wenn auch dunklen Mahagoni-Innenraum – doch die begrenzte Reichweite beim Tanken und die Trägheit vor dem Wind bei leichtem Wind sind realistische Kompromisse.
Vorteile
- Steifer, robuster Sportline-Rumpf mit hohem Ballastanteil
- Einfach von einer oder zwei Personen zu handhaben; hervorragende Manövrierbarkeit im Hafen
- Geräumiger, übersichtlicher Innenraum mit guten Seekojen
- Gleichmäßiges Rudergefühl mit leichter Luvgierigkeit, sofern nicht überzügig gesegelt wird
Nachteile
- Eingeschränkte Reichweite unter Motor aufgrund geringer Kraftstoffkapazität
- Mehr als 79 % der Konkurrenzmodelle sind besser überriggt; erfordert sorgfältiges Reffen
- Leichtes Segelverhalten vor dem Wind nur unter Großsegel und Genua
- Kenterungsverhältnisse schließen eine Teilnahme an Hochseeregatten aus










