Design und Abstammung
Die Swan 57 trägt die visuelle Sprache, die S&S Swans bekannt machte: ein geneigter Bug, eine moderate Deckssprunglinie, ein niedriges Freibord und breite Decks, abgerundet durch das klassische Raketenboot-Spitzgatt und einen umgekehrten Spiegel. Nautor baute das Boot überwiegend aus Glasfaser mit Holzverzierungen, einem GFK-Rumpf und -Deck anstelle eines Sandwich-Laminats. Sie ist ein Einrumpfboot mit festem Flossenkiel oder optionaler Kielstummel-Konstruktion mit Schwert sowie einem Skeg-aufgehängten Ruder, das über eine Radsteuerung bedient wird. Die 57-Fuß-Yacht wurde 1977 als Regatta-/Fahrtenyacht eingeführt. Mit ihren Maßen – 57,4 Fuß Länge über alles, 45,8 Fuß Wasserlinienlänge, 15,85 Fuß Breite und einer Verdrängung von rund 49.500 Pfund bei 18.900 Pfund Bleiballast – gehört sie fest in die Klasse der ernsthaften Hochsee-Regatta-/Fahrtenyachten.
Die Spaltung zwischen S&S und Nautor
Die Swan 57 war nicht nur ein weiteres Modell; sie war der Mittelpunkt des Zerwürfnisses zwischen Nautor und Sparkman & Stephens. Streitigkeiten über Design und Bauart führten schließlich zur Trennung der beiden Unternehmen, und seit der Einführung im Jahr 1977 hat S&S keinen Swan mehr entworfen. Der Bruch hatte seinen konkreten Auslöser im Boot selbst: Die ersten paar Rümpfe wiesen Probleme mit der Bodengruppe auf, und bei Tests zeigten diese frühen Boote unsachgemäßes Verhalten unter Last. Nautor wandte sich mit Beschwerden an S&S; S&S prüfte die Konstruktion und behauptete, Nautor habe die Spezifikationen falsch interpretiert und die Boote falsch gebaut, während Nautor verärgert darüber war, dass S&S keine Verantwortung übernahm. Trotzdem baute Nautor alle 49 Rümpfe der 57 bis 1984 weiter.
Rigg und Handhabung
Die Swan 57 wurde sowohl als Ketsch als auch als Masttoppslup angeboten, wobei die Ketsch eine Baumspitze für die Besan-Großschot besitzt. Als Ketsch mit Festkiel trägt sie ein PHRF-Handicap von 57, während die Kielschwert-Ketsch zwischen 54 und 60 liegt; die Slup-Version mit Festkiel reicht von 21 bis 63. Eigner berichten, dass eine Swan 57 bei 10 bis 15 Knoten Wind ihre Rumpfgeschwindigkeit erreicht und dass sie am Wind über acht Stunden lang unbesetzt gesegelt werden kann – ein Beweis für ihr ausgewogenes Rudergefühl und ihr berechenbares Verhalten. Das Boot wird manchmal mit der nicht verwandten Swan 57CC Frers von 1990 oder der Swan 57 RS von 1996 verwechselt, aber das sind völlig unterschiedliche Entwürfe aus einer späteren Ära. (1)
Unterbringung
Im Inneren ist die Swan 57 ein unverkennbarer klassischer Regattatyp und kein schwimmendes Wohnmobil: Es gibt keine Doppelkoje auf der Mittellinie im Achterdeck. Das Layout mit drei Kabinen bietet je nach Konfiguration sechs bis neun Schlafplätze. Zur Ausstattung gehören eine Doppel-V-Koje im Bug, eine Gästekabine mittschiffs mit Ober- und Unterkojen sowie eine Eignerkabine mit einer ausziehbaren Doppelkoje an Backbord und einer Einzelkoje an Steuerbord. Der Hauptsalon bietet eine U-förmige und eine gerade Sofakoje sowie einen Esstisch mit erweiterbarem Teakdeck für acht Personen. Die Pantry befindet sich an Backbord quer zur Niedergangstreppe und ist C-förmig mit einem dreiflammigen Herd, einer Kühlbox und einer doppelten Spüle ausgestattet; die Navigationsecke liegt gegenüber an Steuerbord. Zwei Nasszellen dienen dem Plan: eine direkt achterlich der Bugkabine und eine achtern an Backbord.
Bekannte Schwachstellen und Wartungshinweise
Das am häufigsten dokumentierte strukturelle Problem sind die Bodenwrangen bei den frühesten Rümpfen. Hier war die tragende Bodenstruktur nicht korrekt ausgeführt, wodurch die Bodenwrangen nicht richtig dimensioniert oder gebaut wurden. Bei jedem noch existierenden frühen Boot ist dieser Bereich einer genauen Inspektion zu unterziehen. Teakdecks waren beim Neukauf optional, und bei einer Swan 57 muss das Teakdeck ersetzt werden, wenn es nicht bereits erneuert wurde – aufgeschobene Decksarbeiten sind eine erhebliche Kostenfalle für Eigner. Der originale Motor ist ein 73 PS starker Perkins-Diesel; der Standort des Generators ist erwähnenswert, da viele Eigner ihn nach achtern installiert haben, wo er die Achterkabinen einschränkt. (1)
Das Fazit
Die Swan 57 S&S Ketsch ist eine elegante, leistungsfähige Regatta-/Fahrtenyacht, die die Sparkman & Stephens-Ära bei Nautor abschloss. Ihre Linien gehören auch drei Jahrzehnte später noch zu den schönsten im Hafen, und ihr Segelverhalten belohnt souveränes Handling. Die Streitigkeiten um die frühe Rumpfform und der Austausch des Teakdecks sind die wichtigsten Punkte, auf die man achten muss. Doch die Vollendung des Entwurfs und die geringe Stückzahl machen sie zu einem begehrten Exemplar einer Swan-Yacht aus den späten 1970er Jahren.
Vorteile
- Endgültige und definitive von S&S entworfene Swan mit klassischem Raketenboot-Stern und niedrigem Freibord
- Ausgewogenes Ketsch- oder Slup-Rigg mit belegter Fähigkeit zum unbesetzten Segeln am Wind
- Regatta-taugliches Interieur mit drei Kabinen, einer vollwertigen Seeküche und Navigationsecke
- Solide GFK-Konstruktion mit Blei ballastiertem Flossen- oder Schwertkiel
Nachteile
- Früheste Rümpfe wiesen unter Belastung Probleme mit der Bodengruppe auf
- Teakdecks, sofern noch original, erfordern einen kompletten Austausch
- Achterlich platzierte Generatoren an Eignerschiffen verursachen Geräusche in den achteren Kabinen
- Keine Doppelkoje in der mittschiffs gelegenen Achterkabine; das Interieur ist im altmodischen Regatta-Stil gehalten und weniger nach modernem Fahrtenlayout ausgerichtet








