Designkonzept & Ausrichtung
Schöchl Yachtbau hat sich längst den Ruf als „Najad der Alpen“ oder als österreichisches Äquivalent zu Hallberg-Rassy erarbeitet. Dies spiegelt eine Philosophie wider, bei der die Bauqualität niemals zugunsten eines budgetorientierten Preispunkts kompromittiert wird. Das Designkonzept der Sunbeam 34 konzentrierte sich darauf, eine Yacht zu liefern, die sich problemlos einhand oder mit kleiner Crew segeln lässt und gleichzeitig eine unglaublich sichere und komfortable Wohnplattform unter Deck bietet. Um dies zu erreichen, verzichtete die Werft auf die flachbödigen Rumpfformen mit breitem Heck moderner Massenproduktionsboote. Stattdessen entschied man sich für einen Rumpf mit moderater Verdrängung, einem tiefen Vorfuß und U-förmigen Vorschiffssektionen. Diese Geometrie sorgt für ein seegängiges, weiches Verhalten in der Welle und reduziert das harte Einsetzen (Pounding) beim Kreuzen gegen anstehende See drastisch.
Der Innenraum der Sunbeam 34 ist durch traditionelle Handwerkskunst geprägt. Während Großserienhersteller auf dünne, geklammerte Furniere und modulare Innenschalen setzen, verwendete Schöchl handverlesenes, hochwertiges Holz – traditionelles Mahagoni bei älteren Rümpfen und edles Kirschbaum- oder Mahagoniholz bei späteren Modellen. Der Innenausbau zeichnet sich durch massive Umleimer, maserungsabgestimmte Schränke und robuste, bündig schließende Verschlüsse aus, die auch bei Seegang absolut geräuschfrei bleiben. Der Salon bietet ein ergonomisches Layout mit einer Stehhöhe von ca. 1,95 Metern, reichlich Handläufen sowie einer äußerst funktionalen Pantry und Navigationsecke, die für den Betrieb auf See optimiert sind. (1)
Varianten & Konfigurationen
Die Bezeichnung „Sunbeam 34“ umfasst zwei verschiedene Generationen, die jeweils die Designparadigmen ihrer Epoche widerspiegeln.
Die erste Generation, die 1985 eingeführt und von der renommierten deutsch-österreichischen Konstruktionsgemeinschaft Anton de Dood und Miglitsch zusammen mit Manfred Schöchl entworfen wurde, ist eine klassische Masttoppslup. Diese Version weist eine Länge über alles von 34,25 Fuß auf und verfügt über einen traditionellen, tiefen V-Eintritt im Vorschiff. Schöchl produzierte in dieser Ära auch die Sunbeam 34S, die mit einem werksseitigen Heckspoiler bzw. einer integrierten Badeplattform ausgestattet war. Dies verlängerte die Länge über alles auf 37,5 Fuß, während das Unterwasserschiff und die Riggdynamik unverändert blieben.
Die zweite Generation startete im Jahr 2008 mit der Vorstellung der Sunbeam 34.2. Entworfen vom bekannten Yachtkonstrukteur Georg Nissen, modernisierte die 34.2 die Modelllinie, ohne deren strukturelle Philosophie aufzugeben. Diese Version weist eine Länge über alles von 10,60 Metern und eine Breite von 3,35 Metern auf. Sie führte ein moderneres 7/8-Rigg mit einer kurz überlappenden Genua ein, einen etwas breiteren Heckbereich zur Vergrößerung des Kabinenvolumens sowie eine Auswahl an Kieloptionen: einen tiefgehenden Performance-Flossenkiel mit 1,90 Metern Tiefgang oder eine Flachkiel-Option mit Bulbkiel und 1,45 Metern Tiefgang. Die Sunbeam 34.2 war bei ihrer Markteinführung so hoch angesehen, dass sie 2008 die renommierte Auszeichnung „European Yacht of the Year“ gewann. (2)
Segelleistung & Seeverhalten
Das Seeverhalten der Sunbeam 34 auf dem Wasser ist eng mit ihren Konstruktionsdaten verknüpft. Die ursprüngliche, von Miglitsch entworfene Sunbeam 34 hat eine Verdrängung von 5.897 kg (13.000 Pfund). Ihr Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 252,83 ordnet sie fest in die Kategorie der moderaten bis schweren Verdränger ein, während ihr Komfort-Ratio von 26.26 auf ein sehr berechenbares und sanftes Verhalten in rauer See hinweist. Mit einem konservativen Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von 13,65 kann sich diese klassische Version bei leichtem Wind etwas unterproportioniert anfühlen und benötigt eine große, überlappende Genua, um Fahrt aufzubauen. Sobald der Wind jedoch zunimmt, glänzt das Boot, läuft hervorragend Höhe am Wind mit minimaler Abdrift und zeigt eine außergewöhnliche Steifigkeit. (1)
Für die Sunbeam 34.2 optimierte Georg Nissen das Leistungspotenzial, ohne den Komfort zu opfern. Bei einer Verdrängung von 6.000 kg und einem 2.000 kg schweren Gusseisen-Bulbkiel weist die 34.2 ein beeindruckendes Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von 33 % auf. Dieser hohe Ballastanteil sorgt in Kombination mit einem Kenterungsverhältnis von 1,83 für ein sehr steifes, stabiles Boot mit hervorragendem aufrichtendem Moment. Die Ruderlage bleibt dank einer hochwertigen Jefa-Radsteuerung mit Edelstahl-Kugellagern außergewöhnlich leichtgängig und feinfühlig, selbst wenn das Boot übertakelt gesegelt wird. Die 34.2 schneidet mühelos durch Kabbelwasser und hält eine agile Reisegeschwindigkeit, was sie zu einem Favoriten für Langstreckentörns macht, bei denen es auf konstante Etappenmale ankommt.
Marktübersicht & Wirtschaftlichkeit
Aufgrund ihrer limitierten Produktionszahlen und der Semi-Custom-Bauweise sind Sunbeam 34 auf dem Gebrauchtbootmarkt relativ selten und erzielen konsistent höhere Preise als Großserienyachten französischer oder deutscher Herkunft desselben Alters. Sie sprechen eine ganz bestimmte Käufergruppe an, die Wert auf Langlebigkeit legt und bereit ist, für überlegene Bauqualität zu bezahlen. (1)
Der ultimative Beweis für die strukturelle Integrität dieser Konstruktion ist die Beschaffung einer Flotte modifizierter Sunbeam 34.2 durch die Deutsche Marine, die als offizielle Ausbildungsschiffe für Offiziersanwärter dienen. Die Marine entschied sich für die Sunbeam aufgrund ihrer CE-Zertifizierung der Kategorie A (Hochsee), der verwindungsfreien Struktur und einer erwarteten aktiven Dienstzeit von 30 Jahren unter den harten Bedingungen des Ausbildungsbetriebs.
Aus wirtschaftlicher Sicht stellt eine gebrauchte Sunbeam 34 eine äußerst wertstabile Investition dar. Der handaufgelegte, einteilige Rumpf aus massivem GFK, verstärkt durch eine einlaminierte Bodengruppe aus Wrangen und Längsträgern, ist praktisch immun gegen die strukturelle Ermüdung, die bei leichteren, verklebten Innenschalen von Serienschiffen auftreten kann. Folglich sind die langfristigen Wartungskosten für strukturelle Reparaturen trotz des höheren Anschaffungspreises in der Regel deutlich geringer. (1)
Bekannte Schwachstellen & Inspektion
Obwohl die Sunbeam 34 strukturell extrem solide gebaut ist, sollten Kaufinteressenten eine sorgfältige Inspektion altersbedingter Verschleißteile durchführen.
Das Teakdeck erfordert eine genaue Begutachtung. Bei späteren Modellen der Sunbeam 34.2 wurde das Teakholz unter Vakuum mit Epoxid verklebt, was Schraubenverbindungen überflüssig machte und das Risiko von Feuchtigkeit im Decksaufbau drastisch reduzierte. Ältere Modelle der ersten Generation (Sunbeam 34 und 34S) aus den 1980er und 1990er Jahren verfügen jedoch häufig über traditionell verschraubtes Teak. Nach Jahrzehnten der UV-Strahlung und Temperaturschwankungen können sich diese Schrauben lockern, wodurch Feuchtigkeit in das Balsaholz-Sandwichdeck eindringen kann. Weiche Stellen im Deck um die Püttinge, Relingstützen oder den Kajütaufbau deuten darauf hin, dass der Kern lokal saniert und neu verklebt werden muss.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Saildrive-Manschette. Die meisten Sunbeam 34 werden von Yanmar- oder Volvo Penta-Dieselmotoren mit Saildrive angetrieben. Die Gummimanschette, die den Saildrive zum Rumpf hin abdichtet, hat eine vom Hersteller empfohlene Lebensdauer von sieben bis zehn Jahren. Ist das Alter dieser Dichtung unklar, sollte sie nach dem Kauf umgehend ausgetauscht werden, um schwerwiegende Wassereinbrüche zu verhindern.
Bei Modellen der ersten Generation neigen die originalen Plexiglas-Bullaugen und Lukendichtungen dazu, spröde und undicht zu werden. Werden diese Undichtigkeiten nicht behoben, kann Wasser unbemerkt hinter die Mahagoni-Innenschale wandern, was zu lokaler Fäulnis und unschönen Verfärbungen des edlen Holzes führt.
Modernisierung & Upgrades
Eigner sowohl der klassischen als auch der moderneren Sunbeam-Modelle rüsten ihre Schiffe aktiv für längeres, autarkes Leben an Bord auf.
Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Modernisierung des elektrischen Systems. Aufgrund des hochwertigen Holzinnenausbaus in den Kabinen kann das Verlegen neuer Kabel eine filigrane Aufgabe sein. Erfahrene Eigner ersetzen die standardmäßigen Blei-Säure-Verbraucherbatterien durch Lithium-Eisenphosphat-Systeme (LiFePO4). Diese Umstellung wird häufig mit der Installation hocheffizienter Solaranlagen kombiniert. Dazu werden entweder maßgeschneiderte Edelstahl-Geräteträger über der Plicht montiert oder dünne, begehbare Solarpaneele direkt auf dem Bimini und dem Kajütaufbau angebracht.
Mechanische Upgrades konzentrieren sich meist auf die Optimierung des Antriebs. Während die standardmäßigen Yanmar-Dieselmotoren extrem langlebig sind, werden ältere Dreizylindermotoren manchmal mit Falt- oder Drehflügelpropellern nachgerüstet, beispielsweise mit einem dreiflügeligen Featherstream. Diese Modifikation reduziert den Widerstand unter Segeln erheblich und sorgt gleichzeitig für besseren Schub und hervorragende Kontrolle im Rückwärtsgang bei Hafenmanövern auf engem Raum.
Schließlich ist auch der Austausch veralteter Navigationselektronik gegen moderne, integrierte Netzwerke üblich. Eigner ersetzen in der Regel die ursprünglichen Echolot- und Windinstrumente durch moderne Multifunktionsdisplays an der Steuersäule und integrieren Autopilotensteuerungen, Broadband-Radar und Satellitenkommunikation nach aktuellem Standard.
Fazit
Die Schöchl Sunbeam 34 ist eine seltene, hervorragend konstruierte Fahrtenyacht, die den Vergleich mit den besten skandinavischen Werften nicht scheuen muss. Sie ist ein Boot für Segel-Puristen, die strukturelle Sicherheit, eleganten Holzinnenausbau und ein ausgewogenes, seegängiges Verhalten im Wasser über die riesigen, aber leichten Innenräume von Charter-Serienbooten stellen. Ob man sich für das klassische, schwere Miglitsch-Design oder die preisgekrönte, agile Nissen-Konstruktion 34.2 entscheidet – Käufer investieren in eine Yacht, die dafür gebaut wurde, ein ganzes Segelleben auf See zu bestehen. (1)
Vorteile
- Außergewöhnliche Bauqualität mit handaufgelegten, einteiligen Massiv-GFK-Rümpfen und robusten Bodengruppen.
- Wunderschöner Innenausbau in Möbelqualität, der auch bei schwerem Wetter verwindungssteif und geräuschfrei bleibt.
- Hervorragendes, seegängiges Rumpfdesign mit tiefem Vorfuß, das das Einsetzen in der Welle minimiert.
- Hohe Wertstabilität und große Beliebtheit auf dem Gebrauchtbootmarkt.
- Sehr zuverlässige und gut zugängliche Motorräume, meist mit bewährten Yanmar-Maschinen bestückt. (1)
Nachteile
- Hoher Einstiegspreis auf dem Gebrauchtmarkt im Vergleich zu Serienschiffen ähnlicher Länge.
- Modelle der ersten Generation können sich bei leichtem Wind und Flaute etwas träge anfühlen.
- Der Austausch verschraubter Teakdecks auf älteren, klassischen Modellen kann ein teures und arbeitsintensives Refit bedeuten.
- Begrenztes Innenraumvolumen im Vergleich zu modernen, breiteren Konstruktionen mit flachem Spiegel. (1)







