Design und Konstruktion
Sowohl Rumpf als auch Deck bestehen aus massivem GFK, der Kiel ist aus Blei. Das Boot weist ein Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 58 Prozent bei einer Verdrängung von 4.740 Pfund auf, wobei 2.778 Pfund dieses Bleis tief im Rumpf liegen. Das Verhältnis von Länge zu Breite liegt bei 4,17 bei einer Länge über alles von 28 Fuß 1 Zoll und einer Breite von 6 Fuß 9 Zoll. Die Produktionsgeschichte erschwert pauschale Aussagen zur Bauqualität: Tollare Bruk baute die RJ 85, aber der Entwurf wurde auch auf anderen Werften produziert und zum Selbstzubau verkauft. Dies bedeutet, dass sich die Qualität jedes einzelnen Bootes unterscheiden kann und nicht immer dem Standard einer einzigen Werft entspricht. Ein Käufer oder Gutachter darf keine einheitliche strukturelle Ausführung in der gesamten Klasse annehmen. (1)
Rigg und Segelplan
Die RJ 85 ist mit einem 7/8-Rigg und einer Segelfläche von 222 Quadratfuß auf dem ISO-Referenzsegel ausgestattet, was ein Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 14,4 ergibt; mit einer 135-prozentigen Genua steigt dieser Wert auf 16,6. Nach den Zahlen trägt sie mehr Rigg als 46 Prozent ähnlicher Segelboote, was sie im Vergleich zu ihren Altersgenossen etwas untertakelt macht. Das stehende und laufende Gut folgen der Konvention eines klassischen 7/8-Slups: Die drei Fallen – Großsegel, Fock/Genua und Spinnaker – sind jeweils 24,3 Meter lang und haben einen Durchmesser von 8 mm, während die Schoten von 8,6 Metern für Fock- und Genuaschoten mit 10 mm bis hin zu einer 21,4 Meter langen Großschot und einer 18,8 Meter langen Spinnakerschot mit ebenfalls 10 mm reichen, ergänzt durch eine 3,1 Meter lange Cunningham und eine 6,2 Meter lange Kicking-Strap sowie eine Unterliekstrecker-Schlinge in 8 mm.
Leistungsprofil
Der Entwurf liegt in einer interessanten Mittelposition. Sein Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 211 ordnet ihn zu den „moderaten Regattayachten“ ein, und die theoretische Rumpfgeschwindigkeit für einen Verdrängerrumpf dieser Wasserlinie beträgt 6,3 Knoten. Die Komfort-Ratio liegt zwischen 24,7 und 26,4, und das Kenterungsverhältnis (Capsize Screening Ratio) ist mit 1,55 so hoch, dass das Boot allein nach dieser Formel für Offshore-Regatten zugelassen wäre. Der relative Geschwindigkeitsindex liegt bei 31. Mit einem Tiefgang, der je nach Beladung zwischen 1,26 m (4,13 Fuß) und 1,35 m (4,43 Fuß) schwankt, kann sich die RJ 85 problemlos in flachen Marinas manövrieren, und ihr Befüllungsgrad von etwa 233 kg pro Zoll beschreibt, wie schwer das Boot belastet wird, wenn Ausrüstung und Crew an Bord sind.
Bekannte Schwachstellen
Das Hauptproblem ist nicht ein struktureller Mangel, sondern die Herkunft. Da die RJ 85 zum Selbstzubau verkauft wurde und auch auf Werften außerhalb von Tollare Bruk gebaut wurde, kann die Ausführung eines bestimmten Rumpfes – Laminatqualität, Kiel-Rumpf-Verbindung, Abdichtung der Decksbeschläge – von einem Boot aus der Serienproduktion abweichen. Ein selbst fertiggestellter Rumpf aus der späten sechziger-Jahre-Serie sollte nach seinen eigenen Qualitäten beurteilt werden, anstatt davon auszugehen, dass er den Werftstandard entspricht.
Refits und Eignerschaft
Die Eignerschaft einer RJ 85 bedeutet, mit einem Entwurf umzugehen, dessen benetzte Fläche etwa 182 Quadratfuß beträgt und dessen Rigg-Längen bekannt sind, was ein neues Rigg vereinfacht. Der ungetakelte Segelplan lädt zu einem Upgrade auf eine Genua für bessere Leistung bei leichtem Wind ein, und der flachgehende Langkiel begünstigt das Herumtollen im Watt eher als Regatten in tiefem Wasser. Die gemischte Bauhistorie der Klasse ist die entscheidende Überlegung für Eigner: Die Dokumentation darüber, wie ein bestimmter Rumpf fertiggestellt wurde, ist wichtiger als die Durchschnittswerte des Modells.
Das Fazit
Die RJ 85 ist eine kompakte, mit Blei gekielte 7/8-Slup aus dem späten schwedischen Entwurfsbüro von Rolf Jacobssen. Sie ist moderat regattageprägt, aber für den Küstenbereich komfortabel ausgelegt und ungewöhnlich gut für flache Gewässer geeignet. Ihre Schwäche ist eine Folge ihres eigenen Erfolgs als Bausatz und als Modell für verschiedene Werften: Uneinheitliche Bauqualität in der Gesamtflotte. Boot für Boot betrachtet, ist ein gut ausgeführtes Exemplar eine vernünftige kleine Regatta-/Fahrtenyacht; eine schlecht abgeschlossene Selbstbauversion ist ein ganz anderes Boot.
Vorteile
- Langer Bleikiel mit lastabhängigem Tiefgang von 4,13–4,43 Fuß für flache Marinas
- Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 58 Prozent und eine Verdrängung von 4.740 lb sorgen für ein stabiles, berechenbares Seeverhalten
- Bekannte Rigg-Längen vereinfachen das Aufriggen und die Planung von Ersatzteilen
Nachteile
- Selbstgebaut und aus mehreren Werften stammend – die Qualität variiert von Rumpf zu Rumpf
- Im Vergleich zu Konkurrenzmodellen etwas untertakelt, benötigt bei leichtem Wind die Kraft einer Genua







