Design und Konstruktion
Ficketts 5.5 ist ein GFK-Einrumpfboot mit Holzverzierungen, das eine geneigte Vorsteven und einen negativen Spiegel aufweist, was ihm das niedrige Profil verleiht, das für die Mini Ton Regattabooten der späten 1970er Jahre typisch ist. Das prägende Merkmal des Rumpfes ist ein ausziehbarer Schwenkkiel, der zum Segeln auf einen maximalen Tiefgang von 5,33 Fuß abgesenkt und für flache Gewässer, Anlanden am Strand oder den Transport hinter einem Familienauto auf 1,33 Fuß angehoben werden kann. Die Steuerung erfolgt über ein am Spiegel aufgehängtes, klappbares Ruder an einer Pinne. Diese Konstruktion hält die Bewegungsorgane frei von dem Rumpf, was das Auskranen erleichtert und die benetzte Fläche verringert, wenn der Kiel hochgezogen ist. Mit einem Gewicht von 1.200 Pfund und einem eisernen Ballast von 320 Pfund gehört das Boot eindeutig in die Klasse der trailerbaren Regattaboote und nicht in die Welt der Pocket-Cruiser. (1)
Rigg und Handhabung
Die 5.5 ist serienmäßig mit einem Bermuda-Masttoppslup-Rigg mit inneren Fallen ausgestattet. Die Segeldaten zeigen ein vielseitiges Set von einer 6,4 m² großen Arbeitsfock über eine 15,5 m² große Genua bis hin zu einem 31 m² großen Spinnaker für raume Kurse. Testsegler der damaligen Zeit fanden ihren Schwenkkiel einfacher zu handhaben als die Hubkiele der Hotfoot 20 und Holder 20 – ein wertvolles Argument in einer Klasse, in der das Auflaufen und das Trailern entscheiden, ob ein Boot nutzbar bleibt oder nur im Hangar steht. Unter Segeln bietet sie eine agile Handhabung mit einem Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von fast 27. Ihr PHRF-Regatta-Handicap von 240 ordnet sie zu den schnelleren 20-Fuß-Booten ihrer Ära ein. Laut Sailboat Data beträgt die Rumpfgeschwindigkeit 5,58 Knoten, was zu dem feinen Vorschiffseintritt und der moderaten Verdrängung passt. (1)
Unterbringung
Unter Deck ist die 5.5 ein spartanischer Camp-Cruiser. Vier Personen finden Schlafplätze: eine Doppel-V-Koje im Bugkajüte und zwei gerade Sofakojen im Salon. Die Pantry befindet sich an Steuerbord direkt achterlich der Bugkabine mit einer Spüle. Tester stellten fest, dass die Kabine mehr Bewegungsfreiheit bot als erwartet, obwohl die Stehhöhe nur drei Fuß beträgt – akzeptabel für ein Boot, dessen wahre Aufgabe das Regattasegeln und nicht das Wohnen an Bord ist. Es gibt keine Vorrichtungen für eine Nasszelle, und der Innenraum ist eher als Ort zum Ausruhen zwischen den Regatten denn als Zuhause auf Zeit zu verstehen.
Ausrüstung und Beschläge
Das Boot wird standardmäßig mit Baumniederholer, 3:1 Unterliekstrecker, Cunningham, Jiffy-Reffsystem und einem perforierten Fußreling ausgeliefert – regatta-taugliche Bedienelemente, mit denen eine kleine Crew das Rigg effizient trimmen kann. Die Decksbeschläge von Harken, Barient und North wurden von zeitgenössischen Rezensenten als erstklassig beschrieben, was zeigt, dass die Werft das Boot nach soliden Standards für den Amateurrennsport ausstattete und keine Kompromisse bei der Hardware einging.
Bekannte Schwachstellen
Das Hauptproblem bei starkem Wind ist die Tendenz zum Durchsacken (Rankheit). Dieser bekannte Nachteil aus den technischen Datenblättern zeigt sich auch im Seeverhalten des Bootes, das bei zunehmendem Wind zu nervös wird. Dieses Merkmal ist im Entwurf fest verankert, und jeder Käufer oder Regattasegler sollte diese Grenze respektieren. (2)
Das Fazit
Die Mirage 5.5 ist eine speziell für Regatten gebaute Mini-Ton, die sich lohnt für Segler, die die Geschwindigkeit der IOR-Ära in einem Boot suchen, das am Samstagabend problemlos nach Hause getrailert werden kann. Ihr Schwenkkiel und das Hubrudern machen das Zuwasserlassen und Auflaufen einfach, und ihre serienmäßige Regatta-Ausrüstung ist wirklich gut. Die Kompromisse sind klar: nur 90 cm Stehhöhe, kein Nassbereich und ein weiches Verhalten bei zu viel Wind.
Vorteile
- Regatta-taugliche Rennversion der International Offshore Rule Mini Ton mit PHRF 240 und agiler Handhabung
- Leicht zu handhabender Schwenkkiel für den Trailertransport, das Anlanden und geringen Tiefgang
- Harken-, Barient- und North-Beschläge in Top-Qualität als Standard
- Regatta-fertige Bedienelemente: Baumniederholer, Cunningham, Jiffy-Reffsystem, interne Fallen
Nachteile
- Rank bei starkem Wind
- Kein Nassbereich und nur eine Kabinenhöhe von drei Fuß
- Das spartanische Interieur schränkt jegliche Ambitionen beim Fahrtensegeln ein









