Design und Konstruktion
Die Estero 36 ist um einen massiven GFK-Rumpf mit einem balzfreien Deck herum gebaut – ein Konstruktionsansatz, der auf Langlebigkeit ausgelegt ist. Alle Borddurchlässe sind aus Bronze und mit den Flanschseeventilen durchgebolzt. Der Propeller und das Ruder-Skeg sind durch eine lange Skeg-Schiene geschützt, die vom Kiel bis zum Skeg verläuft. Unter dem Bodenbrett befinden sich GFK-Wasserspeicher und Fäkalientanks, während der 60-Gallonen-Kraftstofftank aus schwerem Marine-Aluminium besteht. Mit 7.300 Pfund Ballast bei einer Verdrängung von 18.800 Pfund weist das Boot ein konservatives Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 40 Prozent und ein Längen-Breiten-Verhältnis von 2,95 auf, das zu Johnsons früheren Werften passt. Das Komfort-Ratio von 31 bringt es nahe an die größere Island Packet 370 heran, und das Kenterungsverhältnis von 1,86 spiegelt ein stabiles Profil für den Hochseeeinsatz wider. (1)
Rigg und Handhabung
Sowohl die Fock als auch das Großsegel der Estero sind selbstwendend, sodass das Aufkreuzen genauso einfach ist wie das Drehen des Steuerrads. Ein Mastfurlungssystem Sparcraft und ein selbstwendender Hoyt-Baum ermöglichen es der Crew, beide Segel aus der Plicht zu setzen, zu reffen und einzufahren. Die Fallen von Großsegel und Fock laufen zu speziellen Lewmar Ocean Series 16C-Zweigangwinschen am Mast. Unter Segeln im Praxis-Test segelte das Boot bei einer halben Brise im Mittel etwa 5,5 Knoten bei 9 Knoten scheinbarem Wind und hielt 6,3 Knoten bei einem scheinbaren Wind von fast 10 Knoten auf 110 Grad, wobei die Wende durch 100 Grad inklusive Abdrift erfolgte. Unter einem Yanmar-Diesel mit 40 PS, der einen 17-Zoll-Dreiflügelpropeller dreht, erreichte sie 6,6 Knoten bei 2.400 U/min und 7,3 Knoten bei völlig geöffnetem Gas; die Lärmpegel im unteren Salon lagen bei 79 Dezibel, während sie in der Plicht mit offenem Niedergang leise 74 Dezibel aufwiesen. (1)
Unterbringung
Die Estero geht einen sehr radikalen Schritt, indem sie den Hauptwohnbereich vor den Mast verlegt, und dieser vordere Salon dient gleichzeitig als Schlafkabine. Eine U-förmige Pantry befindet sich direkt achterlich des Mastes an Backbord nahe dem Längsachsendurchmesser des Bootes und ist mit flachen Spülen ausgestattet, die 6 Zoll tief sind – was Tester für Island Packet ungewöhnlich fanden. Die Eignerkabine achtern und an Backbord bietet eine Stehhöhe von 6 Fuß 4 Zoll, während ihr gegenüber der Navigationstisch über einen klappbaren Kartentisch und eine geräumige Wachkoje verfügt. Die 7 Fuß langen Cockpitsitze bieten reichlich Platz zum Entspannen, und die doppelten 2-Zoll-Plichtspritzen mit einer hohen Handgriffbrücke helfen beim Aufsteigen in die Wellen. Die Gesamthöhe unter Deck beträgt 6 Fuß 4 Zoll. (1)
Bekannte Schwachstellen
Die Prüfung durch Practical Sailor wies die Spülen der Pantry als echtes Schwachpunkt aus: Mit nur 15 cm Tiefe sind sie ungewöhnlich flach für die Marke und begrenzen das praktische Abwaschen und Aufräumen in der nach vorn gerichteten Konfiguration. Die Aufteilung des Vorschiffs-Salons ist zwar innovativ, konzentriert aber den Hauptlebensraum im Bug, wo die Bewegungen am größten sind – ein Kompromiss zugunsten des privaten Achterkabinen-Layouts und kein Mangel an Materialien. (1)
Refits und Unterhalt
Die solide Edson CD-I-Rack-and-Pinion-Schaltung ist bestens für einen Autopiloten unter Deck geeignet, und die Notpinne hat ihren festen Platz im Backskist an Steuerbord. Die Mastfurlung und die Selbstwendefock reduzieren den Verschleiß des Riggs durch das Handling der Crew, dennoch sollte jeder Käufer ein Budget für regelmäßige Wartungsarbeiten am Rollfockantrieb einplanen. Mit 450 Litern Wasser (120 Gallonen) und 225 Litern Diesel (60 Gallonen) ist das Boot für ausgedehnte Törns ohne sofortige Tank-Upgrades ausgestattet. (1)
Das Fazit
Die Estero 36 ist eine durchdachte, unkonventionelle Island Packet, die etwas traditionelle Raumaufteilung gegen Freiheit bei geringem Tiefgang und mühelose Handhabung mit kleiner Crew eintauscht. Johnsons Handschrift ist in den Ballast-Verdrängungs-Verhältnissen und den Komfortwerten deutlich zu spüren, und die Details der Bauweise – Bronze-Borddurchlässe, Aluminium-Kraftstofftank, geschützte Bewegungsteile – zeugen vom Qualitätsanspruch der Werft.
Vorteile
- Der geringe Tiefgang von nur vier Fuß öffnet flache Reviere, die für tiefere Schwesterschiffe unerreichbar sind
- Die Selbstwendefock und das Großsegel mit Cockpit-Rollanlage vereinfachen das Segeln am Wind
- Solider GFK-Rumpf, baalsfreies Deck, durchgehende Bronze-Borddurchlässe
- Leises Dieselbetrieb beim Fahrtensegeln (74 dB in der Plicht)
Nachteile
- Flache 15-cm-Spülen in der Pantry begrenzen die praktische Sauberkeit
- Der vordere Hauptsalon platziert den Hauptwohnbereich im lebhaftesten Bereich des Bugs





