Design und Konstruktion
Die 30/90 ist eine robuste, schwere Yacht für ihre Länge mit einem massiven GFK-Rumpf und einem Bleikiel. Sie wurde mit verschiedenen Kielvarianten angeboten, beide als Flossenkiel ausgeführt; eine Flosse hat je nach Beladung einen Tiefgang von etwa 1,50 bis 1,60 m, während eine zweite, etwas flachere Flosse ca. 1,38 bis 1,46 m tief ist, sodass das Boot selbst in sehr flachen Marinas anlegen kann. Mit einer Verdrängung, die sie aufgrund des Verdrängungs-Längen-Verhältnisses (DL) zu den schweren Fahrtenyachten zählt, und einem Ballastanteil von über 69 % vergleichbarer Konstruktionen trägt sie ihr Blei tief und kraftvoll. Das Kenterungsverhältnis von 1,80 bedeutete, dass sie allein nach diesem Formel bereits für Hochsee-Regatten zugelassen werden konnte, und ihr Komfort-Ratio von 28,9 stellt sie komfortabler da als 79 % vergleichbarer Segelboot-Konstruktionen. (1)
Rigg und Handhabung
Als Masttoppslup verfügt die 30/90 über einen solide ausgelegten Segelplan, wobei die Schotangaben überall auf eine Leinenstärke von 12 mm hinweisen – etwa 30 Fuß für die Fock- und Genuaschoten, 75 Fuß für die Großschot und 66 Fuß für die Spinnakerschot. Eigner und Werftbeschreibungen charakterisieren sie als steifes, trockenes Boot, das bei mäßigem bis starkem Wind und einer gewissen Welle gut mitspielt. Die früheren, mit Pinne gesteuerten Hurleys waren bekannt für eine ausgeprägte Luvgierigkeit, während die spätere Anderson 30-Entwicklung – die Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre in Dartmouth von Ians eigener Firma Western Approaches Ltd produziert wurde – serienmäßig eine Whitlock-Radschaltung einführte, was diese starke Luvgierigkeit verringerte. Die Anderson 30 wechselte zudem zu einem Innenliegenden Propeller, was unter Motor ein besseres Handling als das versetzte Getriebe des früheren Bootes ermöglicht. (2)
Unterbringung
Unter Deck ist die 30/90 mit sechs Kojen, einer Pantry, einer Nasszelle und überdurchschnittlicher Stehhöhe ausgestattet. Der Innenraum gleicht kaum einem anderen Boot aus GFK, und eine Rezension der Yachtdatenbank weist darauf hin, dass ihr Längen-Breiten-Verhältnis sie geräumiger macht als 54 % aller anderen Entwürfe. Die Wasserkapazität beträgt 100 Liter, und das Verdrängungsverhältnis von etwa 815 Pfund pro Zoll zeugt von einem soliden Rumpf, der sich bei vollem Stau nicht so leicht absenkt.
Motor und Antrieb
Die 30/90 wurde mit verschiedenen Motoralternativen ausgestattet, sowohl Einbaudiesel mit Wellenantrieb als auch andere Optionen. Ein Yanmar mit 14 PS liefert eine Höchstgeschwindigkeit von 6,0 Knoten, während ein Volvo Penta 2002 mit 18 PS auf etwa 4,9 Knoten geschätzt wird; die theoretische maximale Geschwindigkeit des Rumpfes selbst liegt bei 6,6 Knoten. Die Kraftstoffkapazität beträgt laut Herstellervorgabe 12 Gallonen, was zu einem Boot passt, das eher für autarke Segelreisen als für eine große Reichweite unter Motor gebaut wurde.
Entwicklung und Nachwirkung
Die Anderson 30 ist eine direkte Weiterentwicklung des Hurley 30-Entwurfs, mit Modifikationen am Rumpf zwischen Flossenkiel und Skeg sowie einem neu gestalteten Innenraum. Nur etwa 23 dieser Ableitungsjachten wurden gebaut, angeboten als werftseitig fertig oder als Bausatz, Deluxe oder Standard, wobei die Deluxe-Version mit einem Teakdeck ausgestattet war. Die begrenzte Produktion sowohl der 30/90 als auch ihres Anderson-Nachfolgers unterstreicht, wie sehr diese schwere Hurley-Linie im Nischenmarkt blieb.
Das Fazit
Die Hurley 30/90 ist eine seltene, robust gebaute britische Fahrtenyacht mit echten Hochsee-Kennzahlen und einem trockenen, steifen Verhalten bei Wind. Sie ist keine Leichtwind-Rakete, und ihre bescheidenen Kraftstoffoptionen sowie der eher geringe Tiefgang der Flossenruder positionieren sie in erster Linie als Boot für Segler. Für Käufer, die einen soliden GFK-Rumpf, Bleiballast und ein markantes Interieur schätzen, lohnt sich die Suche nach einer solchen Yacht.
Vorteile
- Größtes und schwerstes Hurley-Entwurf mit Bleikiel und hohem Ballastanteil
- Steif und trocken bei mäßigem bis starkem Wind nach Eigner- und Werftberichten
- Kenterungsverhältnis und Komfort-Ratio deuten auf einen hochseetauglichen, komfortablen Rumpf hin
- In Flossenkiel-Tiefen erhältlich, die den Hafen-Zugang erleichtern
Nachteile
- Weniger als 100 gebaut; selten auf dem Markt
- Bescheidene Kraftstoffkapazität und Dieselleistung im Verhältnis zur Verdrängung
- Frühere Pinnen-Versionen zeigten eine ausgeprägte Luvgierigkeit bei schwerem Wetter









