Design und Konstruktion
Die 12½ begann als karweel beplankter Holz-Einheitsklassenboot, gebaut von der Herreshoff Manufacturing Company, die bis zum Jahr 1943 insgesamt 364 Holzrümpfe herstellte. Die Produktion ging dann an die Quincy Adams Yacht Yard, die mit einer Lizenz von HMC ab 1943 51 Rümpfe baute. Sie verwendeten zwar das Bauplatten-System von Herreshoff, beplankten sie jedoch mit Mahagoni statt des weißen Zedernholzes der Originalboote und verliehen diesen Rümpfen eine leichte, umgekehrte Kimm im vorderen Bereich. Cape Cod Shipbuilding baute später zwischen 1948 und 1950 etwa 35 Holzrümpfe, bevor die Klasse auf GFK umgestellt wurde. Die Klasse umfasst somit drei Holzwerften und eine darauffolgende Formklasse, wobei die Konstruktion über die gesamte Geschichte hinweg sowohl aus Karweel-Holz als auch aus GFK (Glasfaser) dokumentiert ist. Eine separate Reproduktion, die Doughdish, wurde nach den Linien von drei Original-Holzrümpfen gezeichnet. Ihr Schöpfer verzichtete bewusst auf die Gewichtseinsparung durch GFK, damit das Boot dem Original entsprach. Diese Genauigkeit ermöglicht es der Doughdish, bei Vereinsregatten gegen Holz-12½s zu segeln, während die Cape Cod GFK 12½ ausgeschlossen ist. (1)
Rigg und Handhabung
Das Design ist für ein Marconi-Rigg, ein Gaffelrigg oder ein Wishbone-Rigg ausgelegt, alles unter demselben Segelplan von 140 Quadratfuß. Die Gaffel-Konfiguration ist das historisch korrekte Original, während die Optionen mit Marconi-Rigg und Wishbone späteren Anpassungen eines stabilen, schmalen Rumpfes an unterschiedliche Vorlieben beim Segelhandling entsprechen. Mit einem D-PN von 110,9 gehört das Boot zu den leichter einzustufenden kleinen Kielbooten, und der Einheitsklassen-Status bedeutet, dass egal, welches Rigg ein bestimmter Rumpf trägt, er gegen Schwesterschiffe unter einer kontrollierten Handicap-Regatta statt unter offener Messwertregatta segelt. (1)
Abstammung und Einheitsklassen-Kontext
Die 12½ war kein Sackgassen-Entwurf. Herreshoff entwickelte sie direkt weiter zur Bull's Eye, die ebenfalls 1914 erstmals gebaut wurde, und später zur Buzzards Bay 14, deren Entwurf 1940 festgelegt wurde. Diese Abstammung zeigt die 12½ als Wurzel einer Familie kleiner Herreshoff-Kielboote und nicht als isoliertes Experiment. Die Einheitsklassen-Regeln ermöglichten den Austausch nur innerhalb eng begrenzter Grenzen – wie man an der Aufnahme der Doughdish bei Holzboot-Regatten und der Nicht-Aufnahme der Cape Cod 12½ erkennen kann. (1)
Bekannte Schwachstellen
Der wichtigste für Käufer relevante Mangel der Klasse ist der Materialwechsel zwischen den verschiedenen Werften. Die von Quincy Adams gebauten Rümpfe ersetzten den Weißen Zeder durch Mahagoni und wiesen im Vorschiffbereich eine umgekehrte Deckssprunglinie auf. Ein Rumpf mit diesen Merkmalen ist daher kein Original-HMC-Boot, sondern sollte als lizenzfreie Variante eingestuft werden, nicht als verfälschend dargestelltes Original. Die GFK-Boote aus Cape Cod sind zwar kontinuierlich in der Produktionslinie entstanden, dürfen jedoch nicht an Regatten teilnehmen, bei denen nur Originalholzboote zugelassen sind. Dieses Einschränkung betrifft vor allem Regattasegler, zeigt aber, wie strikt die Klasse die Einhaltung der Regeln kontrolliert. (1)
Das Fazit
Die Herreshoff 12½ ist ein kleines Kielboot mit ungewöhnlich langer Lebensdauer und Konstanz. Sie wurde einmal entworfen und über drei Holzwerften sowie einen GFK-Nachfolger gebaut, ohne ihre Einheitsklassen-Identität zu verlieren. Sie belohnt den Eigner, der eine kontrollierte, historische Klasse einer anpassbaren modernen Daysailer-Yacht vorzieht, und die Flexibilität des Riggs sorgt dafür, dass sie über verschiedene Epochen der Segelhandhabung hinweg nutzbar bleibt.
Vorteile
- Kontinuierliche Einheitsklassen-Produktion seit 1914 nach einem einzigen Entwurf von Nathanael Herreshoff
- Drei Rigg-Optionen auf demselben 140 Quadratfuß Plan, alle klassengerecht
- Die für Holzboot-Regatten zugelassene Doughdish-Replik zeigt, dass die Klasse eine getreue Nachbildung toleriert
Nachteile
- Quincy Adams-Rümpfe sind Varianten mit Mahagoni beplankt und umgekehrter Deckssprunglinie, keine Original-HMC-Rümpfe
- Das Cape-Cod-GFK-Modell 12½ ist von den Regatten der Original-Holz-Klasse ausgeschlossen




