Design und Konstruktion
Die VO65 wurde als schnell, kraftvoll und langlebig konzipiert, und die Einheitsklasse sorgte für Chancengleichheit und senkte gleichzeitig die Kosten für Regatta-Camps. Es dauert sieben Monate und 36.000 Arbeitsstunden, um jeden Rumpf zu bauen, zusammenzubauen und zu lackieren, wobei 120 Bootsbauer und 70 Lieferanten am Ausbau beteiligt sind. Die Klasse ist Boot für Boot absolut identisch und relativ einfach in ihren Systemen – was den bahnbrechenden Erfolg der Einheitsklasse in dieser Größenordnung so bemerkenswert macht. Das Team von Farr brachte umfangreiche Erfahrung aus dem Whitbread- und Volvo-Regattadesign ein, und der Geschäftsführer des Unternehmens bewertete die VO65 als enormen Erfolg, da die Boote im Einsatz sehr zuverlässig waren. (2)
Rigg und Handhabung
Auf dem Wasser bewegt sich die VO65 irgendwo zwischen einer VO70 und einem normalen Kielboot, verfügt jedoch über deutlich mehr Beschleunigung und Leistung. Bei Höchstgeschwindigkeit ist das Boot voll belastet und läuft auf dem Wind. Das Ruder liegt selbst im oberen Windbereich überraschend leicht, doch mit beiden Rudern im Wasser ist eine spürbare Luvgierigkeit vorhanden. Bei 20–30 Grad Krängung mit nur einem beteiligten Ruder wird das Steuern leicht und sehr direkt. Der Kiel schwenkt von 40 Grad zur Mittellinie und zurück auf 40 Grad in die andere Richtung. Wenn er nicht rechtzeitig aufsteht, verlieren die Unterwasserprofile an Leistung. Die doppelten, klappbaren, asymmetrischen Steckschwerter erfordern sorgfältigen Trimm, und eine Abdrift ist sofort spürbar, wenn sie falsch eingestellt sind. Die Fock wirkt relativ klein, und eine kleine Fock mit Großsegel ist eine schlechte Kombination. Bei 25 Knoten Wind ist das Boot mit der mittleren Fock stark überproportional besegelt, weshalb ein Reff vorgenommen wird, um das Boot zwischen 20 und 30 Grad Krängung stabil zu halten. Überraschenderweise fühlt sie sich auch nach dem Reffen wegen der Leistung im Topp schneller an. Das Einhandhaben dieser Leistung ist ein Balanceakt, und wenn es außer Kontrolle gerät, muss die Crew die Segelkonfiguration ändern. (2)
Unterbringung und Seeverhalten
Dies ist von Natur aus ein nasses und lautes Boot. Spritzwasser fliegt sofort über das Deck, sobald sie krängt, und unter Deck wird jede Bewegung durch den Anker verstärkt. Selbst am Wind ohne hartes Einsetzen ist es im Inneren unglaublich laut, und das harte Schlagen der Wellen gegen das freiliegende Unterwasserschiff ist ständig präsent. Da ein Crewmitglied nicht sehen kann, wann der Rumpf kurz davor steht, auf einer Welle loszuschlagen, kann eine Person quer über das Boot geschleudert werden. Wasserballast ist das Mittel, um die sonst ruckartige Bewegung zu dämpfen: Die beiden 800-Liter-Achtertanks und der einzelne 1000-Liter-Vortank können gefüllt werden, wobei Wasser achtern für einen hohen Widerstand und Blasenbildung am Spiegel sorgt, während Wasser vorn dafür sorgt, dass sich der Bug tief in die Wellen legt. (2)
Bekannte Schwachstellen
Das dominierende Problem im Laufe der Jahre ist das laute und unruhige Seeverhalten, was eher strukturell zum Konzept gehört als ein Mangel. Probefahrer berichten, dass sich das gesamte Boot beim Segeln stark bewegt und Wellen, die gegen das freiliegende Unterwasserschiff schlagen, zu harten Schlägen führen. Unter Deck bedeutet die verstärkte Bewegung, dass ein Start auf einer Welle ohne sichtbares Warnsignal dazu führen kann, dass man quer durch die Kabine geschleudert wird. Die Sichtweise des Konstrukteurs ist strukturell beruhigend: Alle bisherigen Schäden waren entweder selbstverschuldet oder erklärt, ohne dass es systematische Schwachstellen über die gesamte Flotte hinweg gegeben hätte. (2)
Refits und Eignerschaft
Zwischen den Regatten 2014–2015 und 2017–2018 wurden alle acht VO65 auf denselben Standard gebracht, was Schätzungen zufolge Kosten im siebenstelligen Bereich verursachte. Der Konstrukteur erwartete für die nächste Ausgabe relativ geringe Änderungen, die durch das Budget begrenzt waren, das sowohl bestehende Eigner als auch neue Bauten stemmen konnten. Die Einheitsklassen-Identität der Klasse und identische Systeme machen die Eignerschaft berechenbar, doch das Ausmaß eines Refits bleibt durch diese gemeinsame Spezifikation begrenzt.
Das Fazit
Die Volvo Ocean 65 ist ein speziell für das Hochseeregattasegeln gebauter Rennwagen, der eine widersprüchliche Konstruktionsvorgabe in eine robuste, schnelle und absolut gleichberechtigte Einheitsklasse verwandelt hat. Sie belohnt fachgerechte Handhabung mit leichtem Rudergefühl und enormer Leistung, verlangt jedoch Respekt vor ihrem Seeverhalten und dem Lärmpegel im Boot.
Vorteile
- Bewährte Robustheit und Zuverlässigkeit als Ankertau bei Weltumsegelungen
- Echte Einheitsklassen-Gleichheit mit identischen, relativ einfachen Systemen
- Leichtes, direktes Rudergefühl bei Krängung mit einem eingesetzten Ruderblatt
- Effektiver Wasserballast zur Dämpfung von ruckartigen Bewegungen (3)
Nachteile
- Extrem nass, laut und unruhig unter Deck bei Seegang
- Gefahr, ohne Vorwarnung quer über das Boot geschleudert zu werden
- Keine bekannten schweren Schäden; alle Probleme bislang selbstverschuldet oder nur im Nachhinein erklärbar


