Design und Konstruktion
X-Yachts baute die X-302 in Dänemark als GFK-Einrumpfboot mit massivem Laminat und einem Flossenkiel mit Bulbkiel. Der Rumpf wurde Mitte der neunziger Jahre von Niels Jeppesen gezeichnet. Die technischen Daten des Bootes erzählen eine Leistungsstory: Bei einer Verdrängung von 7.929 Pfund und 3.303 Pfund Eisenballast liegt das Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) bei 42 % – deutlich höher als bei 58 % vergleichbarer Konstruktionen. Das Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 192 ordnet sie eher zu den moderaten Regattayachten als zu extrem schweren Blei-Minen ein. Ihr Längen-Breiten-Verhältnis (L/B) von 3,03 und eine Breite von 9,8 Fuß verleihen ihr einen geräumigeren Auftriebsbereich als bei 58 % ähnlicher Segelboote. Ein Kenterungsverhältnis von 1,97 und eine Komfort-Ratio von 21,1 – komfortabler als bei 38 % ihrer Altersgenossen – zeichnen einen steifen, leistungsfähigen Rumpf statt eines weichen Fahrtenyachts. Die benetzte Fläche von 29 m² und ein Immersionsgrad von fast 906 Pfund pro Zoll beschreiben einen Rumpf, der schnell auf Trimm reagiert, ohne sich zu träge zu verhalten. (1)
Rigg und Handhabung
Die X-302 ist eine 7/8-Slup. Im Gegensatz zur X-312 verfügt sie über keine Backstagen, was die Handhabung mit kleiner Crew erheblich vereinfacht. Zeitgenössische Berichte beschreiben sie als sehr leistungsstark und steif unter Segeln. Testsegler fanden sie bei allen Wetterbedingungen leicht zu handhaben und wendig. Sie bewies ihre Regatta-Tauglichkeit bei Events wie der Spi Ouest France. Unter Motor beträgt die theoretische Verdrängerrumpfgeschwindigkeit 6,9 Knoten, während die berechnete Höchstgeschwindigkeit unter Motor etwa 4,1 Knoten liegt – Werte, die eher zu einer leichten, effizienten Regatta-/Fahrtenyacht als zu einem reinen Motorsailer passen. (2)
Unterbringung
Unter Deck folgt die X-302 einem klassischen Layout: eine Achterkabine, eine Nasszelle am Fuß der Niedergangstreppe, ein Kartentisch und eine Pantry vor dem Salon sowie eine vordere Doppelkoje. Die Verarbeitung ist perfekt und die Atmosphäre sehr gemütlich, doch das Fehlen von Holzverkleidungen macht die Wartung einfacher als bei vielen zeitgenössischen Modellen mit Mahagoni-Akzenten. Das Innenraumvolumen ist jedoch eher bescheiden als großzügig – es entspricht ungefähr dem, was ein 8,5-Meter-Boot derselben Generation bieten würde –, weshalb Käufer nicht auf den Raumkomfort einer reinen Fahrtenyacht hoffen sollten.
Motor- und Ausrüstungsoptionen
Die X-302 wurde mit zwei Motorisierungsvarianten angeboten, 9 oder 20 PS. Die größere Einheit ist für das Fahrtensegeln und nicht nur für Regatten unerlässlich. Mit 50 Litern Diesel und 120 Litern Wasser ist das Boot eher für Küstenfahrten als für lange, autarke Törns ausgelegt.
Das Fazit
Die X-302 ist eine von Jeppesen entworfene Renn- und Fahrtenyacht, die die Backstagen der X-312 gegen ein einfacheres, zugänglicheres Rigg eintauscht, während sie ein steifes, kraftvolles Segelplan und einen gemütlichen, wartungsarmen Innenraum beibehält. Sie ist ein echtes Seglerboot – schnell, leistungsfähig am Wind und dank reduzierter Crewanforderungen ideal für Einhandsegler –, aber ihr Volumen ist bescheiden und ihre Tankkapazitäten für Langfahrten eher gering.
Vorteile
- Steifes, kraftvolles 7/8-Slup-Rigg ohne Backstagen für einfacheres Handling
- Hohes Ballastverhältnis und moderater Regatta-DL-Index sorgen für eine leistungsfähige, kursstabile Segeleigenschaft
- Gemütlicher Innenraum mit perfekten Verarbeitungen und ohne zu pflegenden Holzpaneele
- Die Motorisierungsoption mit 20 PS macht das Fahrtensegeln praktisch
Nachteile
- Das Innenraumvolumen ist nur mit einem kleineren 8,5-Meter-Boot dieser Ära vergleichbar
- Die geringe Kraftstoff- und Wasserkapazität schränkt die Reichweite auf Langstrecken ein
- Weniger als 200 Einheiten gebaut, sodass die Suche nach einem bestimmten Exemplar Geduld erfordert




