Design und Konstruktion
Die Zeehond ist eine echte Flushdeck-Yacht – eine Layout-Entscheidung, die ihr viel nutzbaren Decksraum und ein markantes Profil verleiht. Anstatt eine lange Kajütaufbauten für Stehhöhe zu strecken, wurde der Rumpf selbst auf eine Höhe gebracht, die im Innenraum ohne erhöhten Salon Platz zum Stehen bietet. Diese kompakte Form in Kombination mit der großen Fläche an Deck und unter Deck war es, was das ursprüngliche Konzeptkonzept als attraktiv für viele Segler auszeichnete. Der Rumpf ist bei den untersuchten Exemplaren aus Stahl gebaut, obwohl das Design auch in Aluminium und Holz angeboten wurde. Die Stahlversion hat eine Verdrängung von 9,25 Tonnen bei 3,30 Tonnen Ballast, während die Holz- und Aluminiumversionen mit 8,25 Tonnen Ballast von jeweils 3,60 bzw. 3,50 Tonnen leichter sind. Quellen gehen bezüglich einer einzigen, zusammengefassten Verdrängungsangabe unterschiedlich auseinander. E.G. van de Stadt hatte sich um 1976 längst aus seiner Sperrholz-Pionierphase herausgewachsen und war zu Serienyachten aus GFK und Metall übergegangen; die Zeehond spiegelt somit ein ausgereiftes Fahrtenboot-Design statt eines experimentellen wider.
Rigg und Handhabung
Das Boot ist mit einem Masttopprigg ausgestattet, und die Segeldaten zeigen eine Slup- oder Kutter-Konfiguration mit einer Segelfläche von 79 Quadratmetern bzw. 82 Quadratmetern als Ketsch. Im Vergleich zu ähnlichen Segelbooten hat die Zeehond mehr Rigg als nur 31 Prozent ihrer Altersgenossen, was sie für ihre Größe als etwas untertakelt kennzeichnet. Das SA/D-Verhältnis mit dem ISO-Referenzsegel liegt bei 13,4 und steigt auf 16,2 mit einer 135-prozentigen Genua – bescheidene Werte, die zur Kategorie der extrem schweren Fahrtenyachten passen, wie es auch das DL-Verhältnis von 391 nahelegt. Der Flossenkiel weist je nach Beladung einen Tiefgang von etwa 1,90 bis 2,00 Metern auf, was das Boot auf größere Marinas beschränkt. Die theoretische Rumpfgeschwindigkeit als Verdrängerschiff dieser Länge beträgt 7,2 Knoten, und das Komfort-Ratio von 38,8 sowie das Kenterungsverhältnis von 1,70 ordnen es fest im Bereich der stabilen, schwer belastbaren Fahrtenyachten ein und nicht im Regatta-Spektrum. (2)
Unterbringung
Unter Deck bietet die Zeehond einen geräumigen Innenraum mit einer völlig separaten Achterkabine, die sicher unter Deck zugänglich ist – eine Raumaufteilung, die sie von vielen Mittelcockpit- oder offenen 36-Fußern jener Zeit unterscheidet. Das hohe Freibord, das durch das erhöhte Überwasserschiff entsteht, erfüllt einen doppelten Zweck: Es sorgt für die Stehhöhe ohne ein hohes Kajütdach und stellt sicher, dass bei Seegang weniger Wasser an Deck spritzt. Die Stehhöhe ist unterdurchschnittlich – ein Kompromiss des Glattdeck-Ansatzes, den Käufer gegenüber der geschützten Achterkabine und dem wettergeschützten Decksbereich oben abwägen sollten.
Bekannte Schwachstellen
Die größten praktischen Einschränkungen ergeben sich aus dem Konstruktionskonzept selbst: Der tiefe Flossenkiel schränkt die Ankerplätze ein, und der leicht untertakelte Segelplan bedeutet, dass Leichtwindleistung eher Geduld als Geschwindigkeit erfordert. Die Variante mit Stahlrumpf erfordert eine wachsame Beobachtung im Hinblick auf Korrosion.
Refits und Eignerschaft
Da viele Zeehonds als von Heimwerfern oder Werften unfertig gelassene Projekte gebaut wurden, variiert der Standard bei Holzarbeiten, Kabel- und Rohrverlegung sowie Rumpfverzierungen je nach Boot stark. Die originalen Beschläge des Riggs, Fallen und die Schotdurchmesser entsprechen zwar den Spezifikationen – 12 mm Fall und 14 mm Schoten –, aber der Zustand dieser Komponenten hängt vollständig von der Ausführung der Werft und der späteren Wartung ab. Aufgrund der verschiedenen Baumaterialien unterscheiden sich auch die Refit-Strategien deutlich: Ein Stahlrumpf erfordert Schweißen und Lackieren, Holz verlangt eine feuchte Kontrolle und Aluminium benötigt Isolationspflege.
Das Fazit
Die Van de Stadt 36 Zeehond ist eine durchdachte Flushdeck-Fahrtenyacht, die eine niedrige Kajütaufbausilhouette und einen geschützten Achterkajütaufbau gegen etwas eingeschränkte Stehhöhe und einen tiefen Kiel eintauscht. Ihr schwerer Verdrängerrumpf und ihre moderate Segelfläche machen sie eher zu einer stabilen Fahrtenyacht als zu einem Leichtwindläufer. Die Vielfalt der Bauweisen sowie das Erbe des Selbstbaus machen die individuelle Geschichte zum entscheidenden Faktor bei jeder Bewertung.
Vorteile
- Echter Glattdeck mit großzügiger Decksfläche und Stehhöhe durch erhöhte Rumpfseiten
- Getrennte Achterkabine, die sicher unter Deck zugänglich ist
- In Stahl, Aluminium oder Holz für den individuellen Geschmack des Eigners erhältlich
- Hohes Freibord hält das Wasser vom Deck fern
Nachteile
- Unterdurchschnittliche Stehhöhe nach zeitgenössischen Bewertungen
- Der tiefe Flossenkiel schränkt den Hafen-Zugang ein
- Relativ geringer Tiefgang im Vergleich zu ähnlichen Segelbooten
- Selbstgebauter Booten führen zu großen Unterschieden in der Verarbeitungsqualität






