Design und Konstruktion
Die 820 verfügt über einen massiven GFK-Rumpf und -Deck mit einem Flügelkiel und einem Ballastsystem, das Blei mit Wasser kombiniert. Der Wasserballast ist vom offenen Typ, und unter Segeln läuft der übrige Ballast ab, wodurch die Last entlastet wird, sobald das Boot auf offenem Wasser unterwegs ist (der Wasserballast lässt sich unter Segel ablassen). Dieses System sorgt dafür, dass das Boot für das Anlegen, Trockenfallen oder den Transport leicht bleibt, aber bei Bedarf eine nützliche Stabilität aufweist. Tester lobten die Mechanik und die sichtbare Liebe zum Detail und stellten fest, dass der offene Ballast, der erhöhte Motor sowie die heruntergelassenen Ruder und das Schwert innerhalb weniger Minuten von der Motoren- in die Segelkonfiguration umgebaut werden konnten. (1)
Rigg und Handhabung
Die 7/8-Slup ist mit einer Rollfock und einem in einer Masttasche verstauten Großsegel ausgestattet, sodass die Segelhandhabung keine Zeit an Deck erfordert: Man rollt die Fock ein, legt das Großsegel in seine Tasche und zieht den Reißverschluss zu. Das sorgt für minimale Exponierung im Topp oder im Vorschiff bei schlechtem Wetter. Unter Motor bringt ein 75 PS starker Honda Viertakt-Außenborder den Rumpf schnell ins Gleiten, wobei das Boot etwa 18 Knoten erreichte. Die Manövrierbarkeit wurde vom Tester als gut bewertet, vergleichbar mit vielen Motorbooten in leichtem Kabbelwasser. Das Losmachen vom Steg war einfacher als bei einem Festantrieb, obwohl bei sehr engen Kurven leichte Kavitation auftrat, was jedoch kein Problem darstellte. Unter Segeln lief das Boot bei einer Brise von 8 Knoten auf raumen Kursen 4 Knoten und verhielt sich auf allen Kursen zum Wind gut, was bewies, dass es sich nicht als träge Motoryacht entpuppte.
Unterbringung
Für ein 28-Fuß-Boot ist der Innenraum mit viel Platz gut ausgestattet, und ein Testsegler von 1,88 m Größe fand reichlich Komfort zum Stehen, Schlafen und Sitzen. Die Pantry ist funktional und stilvoll, und der Zugang zu Schränken, Stauräumen und Mechanik ist einfach und innovativ – was wichtig ist, wenn man ein Boot wartet, das gleichzeitig als Wochenendboot und Gleitjolle dient. Auf diesem Boot gibt es schlichtweg viel Raum, und die Details wirken durchdacht und nicht überladen.
Refits und Unterhalt
Die Installation des Außenborders ist erfrischend praktisch: Dem Tester wurde gezeigt, wie einfach es ist, das Boot von Bord aus mit einer Gasflasche nachzutanken – ein kleiner, aber echter Vorteil gegenüber Einbaudieseln, wenn man sich nicht in der Nähe einer Tankstelle befindet. Da es sich um einen Außenborder handelt, bleiben Wartung und Austausch unkompliziert, und das Entwässerungsverhalten des Wasserballasts unter Segel bedeutet, dass es abseits des Liegeplatzes kaum Aufwand gibt.
Das Fazit
Die Odin 820 ist ein Boot mit zweifacher Natur: ein gleitfähiges Motorboot, das sich in wenigen Minuten zu einer seetüchtigen Segelyacht umbauen lässt, kombiniert mit einem geräumigen und fein abgestimmten Innenraum, der weit über ihre Länge hinausgeht. Ihr Ballast im offenen Wasser und die Außenborder-Motorisierung machen sie leicht trailerbar und ideal für Strandtörns, während die Rollfock und das zusammengelegte Großsegel das Segelhandling sicher und übersichtlich halten.
Vorteile
- Schnelles Gleiten und ca. 18 Knoten unter einem 75 PS Außenborder mit manövrierfreudigem Verhalten wie ein Motorboot
- Minutenschneller Wechsel zwischen Motoren- und Segelbetrieb über offenen Wasserballast und Schwert
- Geräumiger, fein abgestimmter Innenraum mit einfachem Zugang zu Stauräumen und Mechanik
- Rollfock und im Mastkorb aufgehängtes Großsegel machen das Handling von Segeln an Deck überflüssig
Nachteile
- Leichte Kavitation bei sehr engen Kurven unter Motor
- Der offene Wasserballast im Schwert entleert sich während der Fahrt, wodurch die Stabilität eher lastabhängig als fest ist






