Designkonzept & Zielsetzung
Das Hauptziel der Moody S31 war es, eine leistungsfähige, nach CE-Kategorie A zertifizierte Küsten- und Hochseeyacht zu bieten, die das Innenraumvolumen und die Segeleigenschaften maximiert, ohne die wichtige Liegeplatzgrenze von 31 Fuß zu überschreiten. Indem Dixon die Breite von 10 Fuß 10 Zoll (ca. 3,30 m) weit nach achtern trug und einen fast senkrechten Vorsteven mit einem modernen Heckspiegel mit integrierter Badeplattform (Sugar-Scoop) kombinierte, schuf er ein Kabinenvolumen im Innenraum, das problemlos mit älteren 33- bis 34-Fuß-Yachten konkurrieren konnte.
Die Aufteilung wurde für komfortables Familiensegeln konzipiert. Das prägende Merkmal im Innenraum ist die über die gesamte Breite gehende Achterkabine, die mit einer geräumigen Doppelkoje aufwartet und über eine eigene Belüftungsluke verfügt, die sich direkt in die Plicht öffnet. Weiter vorn bietet der Salon zwei gerade Salonsofakojen, die einen großen, beidseitig klappbaren Tisch mit integriertem Flaschenfach flankieren. Der Innenausbau wurde auf hohem Niveau ausgeführt, mit warmen Kirschbaum- oder Teakfurnieren auf dem für Marine Projects typischen, robusten Bootsbausperrholz und massiven Holzleisten. Vervollständigt wird die Aufteilung durch eine L-förmige Pantry an Backbord, einen nach vorn gerichteten Kartentisch an Steuerbord und eine voll abgetrennte Nasszelle mit warmem und kaltem Druckwasser.
Varianten & Konfigurationen
Um den Anforderungen unterschiedlicher Reviere gerecht zu werden, wurde die S31 mit verschiedenen Kiel- und Riggkonfigurationen angeboten.
Unter Wasser hatten Eigner die Wahl zwischen einem tiefgehenden, hydrodynamisch effizienten Flossenkiel aus Gusseisen mit 5 Fuß 6 Zoll (1,68 m) Tiefgang oder einem Zwillingskiel (Kimmkieler) mit 3 Fuß 9 Zoll (1,14 m) Tiefgang. Die Variante mit Zwillingskiel war besonders bei Seglern an der englischen Ostküste und im Ärmelkanal beliebt, die in Gezeitenrevieren und Trockenliegeplätzen trockenfallen mussten. Beide Konfigurationen nutzen ein Skeg-aufgehängtes Ruder.
Es wurden zwei primäre Segelrisse gebaut: die standardmäßige Masttoppslup und das sportlichere „Sport“-Rigg, das mit einem etwas höheren 7/8-Slup-Rigg ausgestattet war. Dieses ermöglichte eine bessere Kontrolle der Mastbiegung und nutzte ein kleineres, leichter zu wendendes Vorsegel.
Während die frühen Boote der Serie hauptsächlich mit Pinnensteuerung ausgestattet waren – die wegen ihrer direkten Rückmeldung und der maximalen Platzausnutzung in der Plicht sehr geschätzt wird –, wurde in den späten Baujahren (1997–1998) optional eine Whitlock-Steuersäule mit Steuerrad eingeführt. Diese Radsteuerung, die vor allem bei ehemaligen Charterflotten beliebt war, reduzierte die Stehhöhe im Deckenbereich der Achterkabine direkt unter dem Cockpitboden geringfügig.
Segeleigenschaften & Handhabung
Die Bewertung der technischen Daten der S31 zeigt eine ausgewogene, Vertrauen erweckende Fahrtenyacht. Mit einem moderaten Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 254,4 ist sie schwer genug, um raues Kabbelwasser an der Küste zu meistern, ohne an Fahrt zu verlieren oder hart einzusetzen – ein häufiger Kritikpunkt an ultraleichten modernen Konstruktionen. Ihr Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 13,98 deutet auf einen relativ konservativen, fahrtenorientierten Segelriss in der Standard-Masttopp-Version hin, obwohl das optionale fraktionierte „Sport“-Rigg dem Boot hilft, sich bei leichtem Wind deutlich agiler und lebendiger anzufühlen.
Ein Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von 34,38 % sorgt für reichlich Stabilität, sodass das Boot auch bei auffrischendem Wind lange voll besegelt bleiben kann, bevor das erste Bindereff im Großsegel erforderlich wird. Ihre Komfort-Ratio von 24,47 sorgt für eine berechenbare und sanfte Bewegung in der Welle. Mit einem Kenterungsverhältnis von 1,97 – das bequem unter dem konservativen Sicherheitsgrenzwert von 2,0 liegt – verfügt der Rumpf über hervorragende Auftriebsreserven und Aufrichtkräfte, was sie weitaus seetüchtiger macht als viele reine, flachbödige Küsten-Daysailer.
An der Pinne oder am Rad fühlt sich die S31 agil an und segelt sich weitaus lohnender als ältere, schwerere Moodys, behält aber dennoch die hohe Kursstabilität bei, die man von einem Rumpf aus der Feder von Bill Dixon erwartet.
Bekannte Schwachstellen & Inspektion
Obwohl die strukturelle Integrität der S31 generell hervorragend ist, sollten einige Bereiche bei einer Kaufuntersuchung genau inspiziert werden:
- Kielbolzen aus Baustahl: Marine Projects verwendete hochfesten Baustahl für die Kielbolzen, Gegenplatten und Muttern anstelle von Edelstahl. Dies ist zwar strukturell absolut solide, führt jedoch dazu, dass in der Bilge stehendes Salz- oder Süßwasser zu starkem Oberflächenrost an den Muttern und Gegenplatten führt. Meist ist dies nur ein optisches Problem, doch extreme Vernachlässigung kann die Bolzen schwächen. Zur Behebung müssen die Bolzen mit der Drahtbürste gereinigt, mit Rostumwandler behandelt und lackiert oder systematisch zur Inspektion gezogen werden.
- Saildrive-Manschette und galvanische Korrosion: Ausgestattet mit einem Volvo Penta MD2020 Motor und einem 120S Saildrive, hat die Gummimanschette im Rumpf ein vom Hersteller vorgeschriebenes Austauschintervall von sieben Jahren. Zudem ist das Aluminiumgehäuse des Saildrives extrem anfällig für galvanische Korrosion, wenn die Opferanoden am Antrieb vernachlässigt werden.
- Osmose und Delamination am Ruderblatt: Die schumstoffgefüllten GFK-Ruderblätter neigen im Laufe der Zeit zu Wassereintritt, was zu interner Laminatdelamination und lokaler Blasenbildung führen kann. Auch Spiel in der Ruderwelle und verschlissene Ruderlager sollten überprüft werden.
- Entwässerung des Warmwasser-Überlaufventils: Das Expansionsventil des Warmwassersystems war bei einigen Booten ab Werk so installiert, dass es direkt in die Bilge entwässerte. Mit der Zeit kann sich dieses Süßwasser unter den Bodenbrettern sammeln und den Rost an den Kielbolzenmuttern aus Baustahl beschleunigen. Das Umleiten dieser Überlaufleitung in einen separaten Behälter oder Grauwassersumpf ist die übliche Lösung der Eigner.
Modernisierung & Upgrades
Die meisten S31 auf dem Markt sind hervorragende Kandidaten für eine Modernisierung der Systeme. Langjährige Eigner führen häufig folgende Refits durch:
- Propeller-Umrüstung: Der serienmäßige feste Zweiblatt-Propeller hatte eine Gummibuchse in der Nabe, die sehr anfällig für Ablösungen war, was zu starken Vibrationen im Antriebsstrang führte. Der Einbau moderner Drehflügel- oder Faltpropeller (wie dreiblättrige Einheiten von Darglow FeatherStream oder Flexofold) reduziert den Widerstand unter Segeln drastisch, verbessert das Aufstoppverhalten im Rückwärtsgang und eliminiert Vibrationen.
- Upgrades der Elektrik und Elektronik: Die originale Schalttafel ist einfach gehalten, bietet aber kaum Kapazitäten für moderne Elektronik. Viele Eigner ersetzen die alternden Batteriebänke durch LiFePO4-Systeme, die problemlos unter den Salonsofas Platz finden, und installieren moderne NMEA 2000-Netzwerke, um neue Kartenplotter mit modernen Wind-, Tiefen- und Autopilot-Sensoren zu verbinden.
- Rigg und Decksbeschläge: Zu den Standard-Upgrades gehören der Austausch des alternden stehenden Guts und die Nachrüstung des Großsegels mit einem modernen Stack-Pack- und Lazy-Jack-System sowie der Umbau alter mechanischer Achterstagspanner auf moderne Taljen, um die Mastbiegung beim fraktionierten Sport-Rigg optimal trimmen zu können.
Fazit
Die Moody S31 ist ein außergewöhnliches Bindeglied zwischen traditioneller britischer Seetüchtigkeit und modernem Innenraumvolumen. Sie ist nach wie vor bei Fahrtenseglern sehr gefragt, die strukturelle Integrität, eine geräumige Kabinenaufteilung und ausgewogene Segeleigenschaften den schnelleren, aber leichter gebauten Alternativen derselben Ära vorziehen.
Vorteile
- Außergewöhnliches Innenraumvolumen mit einer echten, über die gesamte Breite gehenden Achterkabine und hervorragender Stehhöhe.
- Segelt deutlich besser und agiler als die älteren, traditionellen Moody 31-Modelle.
- Hochwertige Bauqualität von Marine Projects mit robustem Innenausbau.
- CE-Kategorie A (Hochsee) und ein sehr stabiles Kenterungsverhältnis.
- Erhältlich als Kimmkieler (Zwillingskiel), ideal für Tidengewässer und flache Flussmündungen.
Nachteile
- Kielbolzen und -platten aus Baustahl neigen in feuchten Bilgen zu unschönem und besorgniserregendem Oberflächenrost.
- Das Saildrive-Unterwasserteil ist hochgradig anfällig für galvanische Korrosion, wenn die Zinkanoden vernachlässigt werden.
- Versionen mit Radsteuerung schränken die Stehhöhe in der Achterkabine ein.
- Der originale feste Zweiblatt-Propeller neigt zu Nabenschäden und erzeugt spürbaren Widerstand unter Segeln.








