Design und Konstruktion
Die Rumpflinien, der Kiel und das Ruder wurden von Sparkman & Stephens gezeichnet, während die eigene Designdirektion von Baltic Yachts für die Aufteilung im Innenraum und den Decksaufbau zuständig war. Besonders eng war die Zusammenarbeit zwischen den beiden Firmen bei den Gewichts- und Strukturberechnungen. Baltic baute den Rumpf und das Deck im Sandwichverfahren mit unidirektionalen Fasern und hielt den Innenraum recht leicht – eine Disziplin, die sich im Charakter der fertigen Yacht auszahlte. Der Innenraum war sehr detailliert, mit kaltgeformten Spanten und Oberflächen, die in alle Richtungen verliefen. Diese Herausforderung wurde vom Chefdesigner der Werft, Tor Hinders, aufs Äußerste getrieben und an die Innenausbauer zur Umsetzung weitergegeben. Mit einer Länge über alles (LOA) von 25,30 Metern, einer Wasserlinienlänge (LWL) von 20,88 Metern, einer Breite von 6,28 Metern, einem Tiefgang von 3,40 Metern, einer Verdrängung von 45.000 kg und einem Ballast von 17.000 kg hatte die Yacht reichlich Volumen, war jedoch als Performance-Cruiser und nicht als statischer Rumpf konzipiert. (1)
Rigg und Handhabung
Die Custom wurde als Performance-Fahrtenyacht mit Spatenruder gebaut. Ihr Ziel war es, Fahrtenkomfort mit guten Segeleigenschaften zu verbinden. Das Ergebnis war eine sehr komfortable Fahrtenyacht mit hervorragenden Segeleigenschaften und nicht ein entkernter Regattaboot-Anker. Der 280 PS starke Mercedes Benz-Diesel – von einer kleinen deutschen Werft mariniert – trieb einen einfachen, 3-flügeligen Faltpropeller an, dessen Flügelwinkel durch einen externen, leicht zugänglichen Flügelstopper eingestellt werden konnte. Bei der ersten Probefahrt lief die Yacht mit einem falschen Propellerdurchmesser aus, was verhinderte, dass der Motor seine volle Drehzahl erreichte. Nach Korrektur lief das Boot mit perfektem Drehmoment und weichem Lauf. Sie verließ am 1. Mai 1987 Finnland in Richtung wärmerer Reviere. (2)
Unterbringung
Das eigene Büro von Baltic Yachts gestaltete das Deck und legte den Innenraum für einen zentral-europäischen Kunden an, der sich mit der Werft in der Schweiz traf, um seine Vision zu besprechen. Die im Kaltformverfahren gefertigten, dreidimensionalen Details im Innenraum verliehen dem Boot ein maßgeschneidertes Gefühl, das selbst unter den Custom-Yachten jener Zeit ungewöhnlich war. Der Schwerpunkt lag durchgehend auf dem Fahrtenkomfort und nicht auf der Regatta-Optimierung. (2)
Bekannte Schwachstellen
Der einzige dokumentierte Mangel aus der Bauhistorie ist die oben erwähnte Fehlermeldung zur Radeigenschaften, die bei den ersten Tests festgestellt und vor dem Auslieferungsort behoben wurde. (2)
Refits und Eignerschaft
Als Einzelanfertigung mit dem Ziel des Mittelmeer-Fahrtensegelns stellte die Naos für Baltic Ende der 1980er Jahre das absolute Limit ihrer Größenklasse dar. Die Einfachheit des Faltpropellers und des externen Drehzahlstoppers deutet auf einen werftseitig sehr eignergerechten Ansatz bei der Wartung des Antriebsstrangs hin, obwohl im Quellenmaterial keine detaillierten Refit-Historien aufgeführt sind.
Das Fazit
Die Baltic 83 Custom ist eine durchdacht konstruierte Fusion aus amerikanischer Schiffskonstruktion und finnischer Handwerkskunst. Sie ist für ihre Größe leicht gebaut und mit einer seltenen Sorgfalt ausgestattet. Sie belohnt Eigner, die Hochseetauglichkeit suchen, ohne auf Segelleistung zu verzichten.
Vorteile
- Erste maßgeschneiderte Zusammenarbeit von Sparkman & Stephens für die Baltic mit enger Abstimmung der Gewichtsstruktur
- Leichte Sandwichkonstruktion mit detailreichem, im Kaltformverfahren gefertigtem Innenraum
- Komfortabler Fahrtenrumpf, der sich nach wie vor hervorragend segeln lässt
- Einfacher, wartungsfreundlicher Faltpropeller mit externer Drehzahlregulierung
Nachteile
- Fehler im Radeinschlag bei Lieferung erforderte vor der Nutzung eine Korrektur
- Einzelanfertigung bedeutet begrenzte Flottenwissen und geteilte Ersatzteile



