Design und Konstruktion
Der Rumpf der Aphrodite 101 ist ein handaufgelegter, glasfaserverstärkter Polyester-Rumpf mit Längsträgern, lackiert in weißem Gelcoat mit blauen Streifen entlang der Wasserlinie und des Deckssprungs sowie serienmäßig mit einem blauen Bootsdach als Anker. Die Werft Bianca Yachts in Rudkøbing, Dänemark, laminierte viele der frühen Rümpfe bis zum Bankrott der Werft im Jahr 1987. Danach setzte die Bach-Werft in Farsø die dänische Produktion fort, und schließlich ging die Form 1994 an Ott Yacht in Meersburg über. Der Kiel besteht aus geformtem Blei, das mit zehn 20-mm-Edelstahlbolzen befestigt ist, und das Spatenruder ist aus GFK und läuft auf einer 40-mm-Edelstahlwelle. Mit einem Bleikiel von 1.600 kg, was einen Ballastanteil von rund 50 % ergibt, erreicht der Entwurf eine hervorragende Gewichtsstabilität für seine Verdrängung von 2,8 Tonnen. Die elegante Rumpfform unter einem bündigen Vordeck verleiht dem Boot nicht nur eine attraktive Silhouette, sondern auch echte Geschwindigkeit. (1)
Rigg und Handhabung
Die 101 ist eine 7/8-Slup mit einem an Deck stehenden Aluminiummast, einer einzigen Serie zurückgepfeilter Salingen, inneren Fallen und einem großen Großsegel. Tests zur damaligen Zeit auf dem Bodensee zeigten bei leichtem Wind 7,4 Knoten und bewiesen, dass sie am Wind wie eine klassische Fahrtenyacht kürzte – unter 6 Knoten mit einem Wendewinkel von weniger als 80 Grad und ohne Druckanker. Eigner schätzen dieses neutrale Rudergefühl: Das Boot läuft sehr gut und hoch am Wind und ist auch einhand leicht zu handhaben. Das 150%-Vorsegel wurde mit der Produktion für den Bodensee klassenkonform gemacht, und seitdem ermöglichen Achterstagspanner eine höhere Vorstagspannung; Antonius Ott liefert neuerdings neue Boote auch ohne Achterstagspanner aus, obwohl die Beschläge weiterhin erhältlich sind und das Nachrüsten unkompliziert ist. Der Traveller ist bemerkenswert kurz, aber das Rigg lässt sich gut trimmen, und die später zugelassenen zweistufigen Winschen wurden von Eignern als lohnende Upgrades gelobt. (2)
Unterbringung
Unter Deck ist die Aphrodite 101 eher einfach und funktional als geräumig gestaltet. Die Kabinendecke misst nur 1,36 Meter über den Bodenbrettern, und es gibt keine Stehhöhe – eine direkte Folge des Glattdeck-Rumpfes, der Volumen zugunsten von Segelgewicht opfert. Die Schlafplätze sind als zwei Kojen im spitzen Bugkajüte und zwei weitere Kojen im Hauptsalon angeordnet, wo ein klappbarer Tisch vier Personen Platz bietet. Die Pantry befindet sich an Backbord mit Spüle, Herd und Stauraum; die Navigationsecke an Steuerbord verfügt über einen Kartentisch und ein Instrumentenpaneel; die Nasszelle achtern davon beherbergt eine Toilette, eine Spüle und Schränke. Ältere Boote hatten einen festen Salon-Tisch, der oft Platz raubte, während spätere Layouts den Salon zu einer breiten Doppelkoje mit zwei Einlegeplätzen erweitern konnten. Der Innenraum ist etwas spartanisch, aber die Aufteilung nutzt den verfügbaren Raum optimal aus und bietet vier Personen für Tagestouren oder kurze Törns mit angemessenem Komfort Schlafplätze.
Bekannte Schwachstellen
Rümpfe aus der Bianca-Werft weisen typischerweise Osmose auf, und ältere Baunummern haben oft Osmoseschäden, die teilweise bereits repariert wurden. Die gleichen in Dänemark gebauten Boote sind etwas leichter, haben jedoch häufig eine aufgesprühte Flockbeschichtung im Innenraum, deren Entfernung erhebliche Arbeit bedeutet. Bei älteren Booten sollten Käufer auf eventuell undichte Ruderschaftführungen sowie weiche Vordecks, Relingstützen und Vorsegelträger achten. Ein kleiner Kink des Decks ist, dass sich Wasser an der Kante des Cockpitsitzes sammelt, wenn das Boot waagerecht liegt, und dies nur durch Wenden oder Auskratzen beseitigt werden kann. Der Tiefgang von 1,70 Metern ist zudem auf dem Bodensee bei schwankender Sommerwasserlage zu einem regionalen Hindernis geworden. (2)
Refits und Eignerschaft
Die aktive Klassenvereinigung – besonders stark am Bodensee, wo sie eine alle zwei Jahre stattfindende Weltcup-Serie und Flottillentörns veranstaltet – hält das Design am Leben und sorgt für gute Unterstützung. In Dänemark bleibt die 101 eine nationale Klasse. Ott Yacht hat Bianca-Rümpfe mit wasserdichtem Epoxidharz refittet und sie in besser als neuem Zustand zurückgegeben. Zudem wurden in den letzten zehn Jahren sieben neue Boote gebaut. Der Standardmotor entwickelte sich von einem frühen Yanmar 1GM10 (18 PS) über einen Volvo MD5A Saildrive (8 PS) bis zum aktuellen Nanni 10-PS-Diesel mit Wellenantrieb und Gori-Faltpropeller, der sowohl aus der Plicht als auch aus der Kabine bedient werden kann. Für ein Paar oder eine kleine Familie mit begrenztem Budget beschreiben Eigner die 101 als sehr gutes Boot.
Das Fazit
Die Aphrodite 101 ist eine kleine Regatta-/Fahrtenyacht für Puristen: ein leichter, schneller, leicht zu handhabender 7/8-Slup mit einem steifen Rumpf aus viel Ballast und einer neutralen Ruderlage, die das Trimmen belohnt. Das Glattdeck und die Kabinenhöhe von 1,36 Metern opfern Wohnkomfort, aber der einfache Innenraum ist ehrlich und die Klassenvereinigung ist ungewöhnlich aktiv für ein 30-Fuß-Design.
Vorteile
- Außergewöhnliche Gewichtsstabilität durch ca. 50 % Ballastanteil und Blei-Flossenkiel
- Gute Geschwindigkeit bei Leichtwind und hervorragende Leistung am Wind ohne Ruderdruck
- Einhandfreundliches, leicht trimmbares 7/8-Rigg
- Aktive Klassenvereinigung mit regelmäßigen Regatten und Unterstützung
Nachteile
- Keine Stehhöhe; sehr spartanischer Unterdeck-Bereich
- Bianca-Rümpfe neigen zu Osmose und unordentlichem Flock-Innenschalenverkleidung
- Kante des Cockpitsitzes sammelt Wasser bei ungleichmäßigem Wasserstand
- Der Tiefgang von 1,70 m schränkt den Einsatz auf einige flache, schwankende Seen ein






