Konzept & Einsatzzweck
Die grundlegende Mission der Nimble 24 wird durch das Konzept des „Gunkholing“ definiert – die Kunst, in flachen Gewässern zu navigieren, Gezeitenflüsse zu erkunden und an abgelegenen Sandbänken auf Grund zu laufen, wo Küstenkreuzer mit tiefem Kiel nicht mehr hinkommen. Ted Brewer entwarf den Rumpf so, dass er die Anfangsstabilität eines Knickspant-Sharpies mit flachem Boden mit der Seetüchtigkeit einer spitzgattigen Fahrtenyacht verbindet. Diese Rumpfform bietet eine enorme Formstabilität, während das Boot bei aufgeholtem Schwert mit einem Tiefgang von gerade einmal gut 30 Zentimetern (etwas über einem Fuß) extrem flache Gewässer befahren kann. (1)
Unter Deck unterscheidet sich das Interieur sofort von den typischen, von GFK-Innenschalen dominierten Serienbooten dieser Größe. Anstelle von geformten Kunststoffflächen ist die Kabine reich mit Teakholz und exotischen Sen-Holz-Arbeiten ausgestattet. Das Layout bietet sitzende Stehhöhe und eine überraschend funktionale Aufteilung für zwei Erwachsene. Eine kompakte Pantry befindet sich nahe dem Niedergang, typischerweise ausgestattet mit einer Frischwasserspüle mit Hand- oder Fußpumpe, einem zweiflammigen Herd und einem Kühlfach. Dank der breiten, flachen Bereiche unter den Kojen, die durch die Sharpie-Rumpfform entstehen, gibt es reichlich Stauraum. Belüftung und Licht sind hervorragend, wofür sechs zu öffnende Bronze-Bullaugen sorgen, die den traditionellen Charme des Bootes unterstreichen. Ein mit Zedernholz ausgekleideter Kleiderschrank und ein eigener Bereich für eine Bordtoilette oder ein Chemie-WC im Vorschiff vervollständigen einen Innenraum, der Komfort für das Wochenende und kurze Törns über den Luxus von Stehhöhe stellt. Ein wichtiger Sicherheitsaspekt: Der Rumpf wurde mit Auftriebsschaum gebaut, was dem Boot eine in dieser Ästhetikklasse seltene Unsinkbarkeit verleiht.
Varianten & Konfigurationen
Obwohl sie dieselbe Rumpfform nutzen, wurde die Nimble 24 in verschiedenen Kiel- und Rigg-Konfigurationen angeboten, um unterschiedlichen Revieren gerecht zu werden. Die beliebteste Variante ist die Version mit Hubkiel bzw. Schwert (Kielschwert), die einen flachen, langen Kielstummel besitzt, in dem ein aufholbares GFK-Schwert untergebracht ist. Bei aufgeholtem Schwert beträgt der Tiefgang lediglich 33 Zentimeter (1 Fuß, 1 Zoll), was das Trailern, das Slippen über Rampen und das Trockenfallen extrem einfach macht. Mit abgesenktem Schwert erhöht sich der Tiefgang auf über 1,20 Meter (4 Fuß), was die Leistung am Wind drastisch verbessert. Für Eigner, die ein traditionelleres Boot ohne Trailer-Fokus suchten, wurde eine Version mit festem Flachkiel gebaut. Diese hat einen Tiefgang von 76 Zentimetern (2 Fuß, 6 Zoll) und verfügt über einen massiven Bleikiel, der mit dem GFK-Kielstummel verbolzt und mit Epoxidharz verklebt ist. (1, 2, 3)
Auch die Rigg-Varianten prägen den Charakter des Bootes entscheidend. Obwohl vereinzelt als Slup getakelt, sind die allermeisten Nimble 24 als Ketsch oder Yawl ausgeführt. Unter Berücksichtigung von Bugspriet und Heckausleger (Boomkin) ergibt sich so eine Länge über alles von 28,42 Fuß. Besonders geschätzt wird die Yawl-Konfiguration. Sie verfügt über einen unverstagten, freistehenden Besanmast aus Carbon oder Aluminium, der ganz achtern am Spiegel steht. Das Besansegel wird direkt über eine Schot zum Heckausleger gefahren und rollt sich um den eigenen Mast auf. Dieses Rigg ermöglicht einen hochflexiblen, aufgeteilten Segelplan, der sich einhand hervorragend bedienen lässt. Es bietet verschiedene Segelkombinationen – wie etwa das Segeln nur unter Fock und Besan („Jib and Jigger“) –, um Schwerwetter mit minimalem Aufwand zu meistern. (1)
Zudem wurde der Hilfsantrieb elegant gelöst: Statt einer unschönen Außenborder-Halterung am Spiegel gibt es einen im Cockpit integrierten Motorschacht im Achterschiff. Dieser Schacht nimmt einen Langschaft-Außenborder mit 9,9 PS auf, schützt ihn vor Wellenschlag, reduziert Kavitation, hält das Gewicht im Boot und fungiert gleichzeitig als selbstlenzender Sumpf, sollte das Cockpit einmal Wasser übernehmen.
Segeleigenschaften & Handhabung
Das Verhalten der Nimble 24 auf dem Wasser ist das direkte Ergebnis ihrer einzigartigen Rumpfgeometrie und der berechneten Konstruktionswerte. Mit einer extrem geringen Verdrängung von nur 1.180 kg (2.600 Pfund) weist das Boot ein Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 82,2 auf, was es fest in die Kategorie der Ultraleichtbauten einordnet. Unter Segeln bedeutet dies, dass sie sich extrem leicht ansetzen lässt, bei leichtem Wind schnell beschleunigt und minimalen Widerstand zeigt. Gepaart mit einem großzügigen Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 21,32 ist das Boot gut motorisiert und außerordentlich lebendig. Es braucht keinen Sturm, um in Fahrt zu kommen; selbst bei leichten Sommerbrisen an der Küste gleitet die Nimble 24 mit einer Eleganz dahin, die moderne Fahrtensegler überrascht.
Diese geringe Verdrängung bringt jedoch bei rauem Wetter spürbare Nachteile mit sich. Eine Komfort-Ratio von 9,5 deutet auf eine sehr unruhige, bewegungsintensive Fahrt im Seegang hin. Anders als schwere Langkieler, die sich durch das Kabbelwasser schneiden, tanzt die Nimble 24 über die Wellen hinweg. Diese schnelle Bewegung kann auf offenem Wasser ermüdend wirken. Zudem liegt ihr Kenterungsverhältnis (Capsize Screening Ratio) mit 2,4 über dem traditionellen Grenzwert für Hochseesicherheit von 2,0. Dies verdeutlicht mathematisch ihre Anfälligkeit im Falle eines Durchkenterns und unterstreicht, dass sie primär für Küsten- und Binnengewässer und nicht für die Hochsee konzipiert ist.
Dennoch wird die Stabilität durch ein solides Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von 34,62 Prozent unterstützt. Mit fast 400 kg (900 Pfund) Bleiballast tief im Kielstummel und der enormen Formstabilität des Knickspantrumpfes ist das Boot anfangs zwar etwas rank, wird aber ab einem Krängungswinkel von etwa 15 Grad schnell sehr steif. Wenn der Wind zunimmt, spielt das Yawl-Rigg seine Stärken aus. Nimmt man das Großsegel weg und segelt nur unter Fock und Besan, bleibt das Boot aufrecht, trocken und hervorragend ausbalanciert. Viele Eigner berichten, dass das Boot mit gut getrimmter Fock und Besan meilenweit von selbst am Wind steuert, wenn man die Pinne einfach festzurrt – ganz ohne elektrischen Autopiloten.
Markt & Wirtschaftlichkeit
Auf dem Gebrauchtbootmarkt genießt die Nimble 24 den Status eines seltenen Kultklassikers. Sie ist schwer zu finden, da die Produktionszahlen gering waren und Eigner ihre Boote oft über Jahrzehnte behalten. Da sie auf Bestellung von Hand aus hochwertigen Materialien gebaut wurde – einschließlich massiver GFK-Rümpfe, Divinycell- oder Klegecell-Schaumkern in Deck und Kajütaufbau sowie maßgefertigter Bronzebeschläge –, erzielt sie im Vergleich zu anderen Trailerkreuzern desselben Alters einen relativ hohen Preis. (2, 4)
Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Nimble 24 ein äußerst dankbares Boot im Unterhalt. Dank ihrer geringen Verdrängung und der trailerbaren Breite kann sie mit einem normalen SUV oder Geländewagen auf einem Doppelachstrailer gezogen werden. Dies spart die wiederkehrenden Kosten für Liegeplätze im Sommer, Clubgebühren und das Winterlager in der Werft. Zudem sind anstehende Refits aufgrund der überschaubaren Bootsgröße sehr erschwinglich – selbst das Ersetzen der gesamten Garderobe aus drei Segeln oder die Erneuerung des laufenden Guts sprengt nicht das Budget. Sie bietet einen kostengünstigen Einstieg in das Segeln eines traditionellen Charakterboots und verbindet die optische Anziehungskraft einer Holzyacht mit der Pflegeleichtigkeit von GFK.
Bekannte Schwachstellen & Wartung
Obwohl strukturell solide, gibt es bei der Nimble 24 einige modellspezifische Punkte, die eine sorgfältige Inspektion und regelmäßige Wartung erfordern. Der Schwertkasten steht dabei im Mittelpunkt. Da das Boot oft im Flachwasser gesegelt wird, neigt der Schwertkasten dazu, Sand, Kies oder Schlamm aufzunehmen, was das Schwert blockieren kann. Zudem müssen der Bolzen des Schwertgelenks und das Schwertfall (die Reep zum Aufholen des Schwerts) regelmäßig überprüft werden. Das Ersetzen eines verschlissenen oder gerissenen Schwertfalls ist eine mühsame Arbeit, für die das Boot meist vom Trailer gehoben oder bei Flut trockengelegt werden muss, um von unten heranzukommen.
Ähnliche Aufmerksamkeit sollte dem aufholbaren Ruderblatt im Ruderkoker gewidmet werden. Dieses Blatt ermöglicht das Steuern im Flachwasser, verschleißt jedoch an den Drehpunkten und kann am Bolzen verkanten. (1)
Das Stellen des Mastes ist ein weiterer Punkt für die Wartungsliste. Obwohl das Rigg dank einer Maststütze (Tabernakel) und einer Jüttvorrichtung (A-Frame oder Totmann) von zwei Personen gestellt werden kann, ist die Toleranz des Mastbolzens bei einigen Booten recht groß. Ohne gut gespannte Hilfswanten, die beim Heben als seitliche Führung dienen, kann der Mast beim Aufrichten zur Seite ausbrechen. Dies führt zu extremen Torsionskräften auf die Maststütze und kann strukturelle Schäden am Deck oder der Jüttvorrichtung verursachen.
An Deck und Kajüte neigen die klassischen, öffnenden Bronze-Bullaugen im Laufe der Zeit zu Dichtungsverschleiß. Wird dies ignoriert, führt eindringendes Wasser schnell zu unschönen Verfärbungen an den Teak-Schotten im Innenraum und kann das Sperrholz der Bodenbretter unter dem Brückendeck beschädigen. Käufer sollten die Bodenbretter nahe dem Niedergang und unter den Kojen genau auf weiche Stellen oder stehendes Wasser untersuchen. Schließlich zeigen die GFK-Fußleisten und das Gelcoat entlang der Schanzkleider oft feine Haarrisse (Spannungsrisse), die meist von zu festem Festmachen bei Sturm oder zu stark gespannten Gurten beim Trailern auf der Autobahn herrühren.
Modernisierung & Upgrades
Viele engagierte Eigner der Nimble 24 haben moderne Upgrades nachgerüstet, um den Nutzen und die Handhabung des Bootes zu verbessern. Ein häufiges Upgrade ist die Installation einer modernen Talje oder einer elektrischen Winsch, um das Aufholen des schweren Schwerts zu erleichtern.
Im Bereich der Elektrik wird das ursprünglich sehr spartanische 12-Volt-System oft komplett überholt. Moderne Eigner ersetzen schwere Bleisäurebatterien durch kompakte Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LiFePO4), die sich platzsparend in den Staufächern der Pantry unterbringen lassen. In Kombination mit flachen Solarpaneelen auf dem Kajütdach oder an einem maßgefertigten Heckkorb sorgt dies für unbegrenzte Energie für Navigationsgeräte, Kühlung und LED-Beleuchtung – ganz ohne das hohe Gewicht herkömmlicher Bootsbatterien.
Ein weiterer hochinteressanter Bereich für Modernisierungen ist der Antrieb. Da der Außenborder in einem geschützten Cockpitschacht sitzt, eignet sich die Nimble 24 hervorragend für die Umrüstung auf einen Elektroantrieb. Der Einbau eines drehmomentstarken Elektro-Außenborders – wie etwa von Torqeedo oder ePropulsion – ermöglicht lautloses Motoren, eliminiert Benzingeruch und die Gefahr der Kraftstofflagerung in der engen Kabine und vereinfacht die Wartung erheblich. Aufgrund des leichten Rumpfes ist ein Elektroantrieb für Tagestouren und Hafenmanöver absolut praxistauglich.
Fazit
Die Nimble 24 ist ein Meisterwerk des Kompromisses. Sie opfert das Innenraumvolumen und die Stehhöhe moderner, breiter Pocket-Cruiser zugunsten einer wunderschönen, traditionellen Ästhetik und hervorragender Flachwassereigenschaften. Für Einhandsegler oder Paare, die den Weg als Ziel begreifen und das direkte Feedback einer perfekt ausbalancierten, leicht anspringenden Yawl schätzen, ist dieser Klassiker von Ted Brewer kaum zu schlagen. Es ist ein Boot, das für die Romantik des Gunkholings, für ruhige Ankerbuchten und müheloses Trailern gebaut wurde – und nicht für den Kampf gegen die schwere See auf offener See.
Vorteile
- Herausragende Vielseitigkeit durch geringen Tiefgang; ideal für Strände und Flachwasser.
- Einfach zu trailern, wodurch teure Liegeplatz- und Winterlagergebühren entfallen.
- Wunderschönes klassisches Design mit Bronze-Bullaugen, Kanuheck und rotbraunen Segeln (Tanbark).
- Äußerst vielseitiges und ausgewogenes Yawl- oder Ketsch-Rigg, das sich problemlos einhand bedienen lässt.
- Hohe Bauqualität mit Schaumkern-Deckskonstruktion und integriertem Auftriebsschaum (unsinkbar). (4)
Nachteile
- Sehr eingeschränkte Stehhöhe in der Kabine und enges Innenraumvolumen im Vergleich zu modernen 24-Fuß-Booten.
- Die niedrige Komfort-Ratio führt zu schnellen, unruhigen Bewegungen im Seegang auf offener See.
- Aufgrund des Capsize Screening-Wertes von 2.4 nicht für Blauwasser- und Hochseetörns geeignet.
- Schwertkasten und Schwertbolzen erfordern regelmäßige Kontrolle und neigen zu Blockaden durch Sand oder Schlamm.
- Das Stellen des Mastes ist komplex und erfordert den sorgfältigen Einsatz von Hilfswanten, um Schäden am Rigg zu vermeiden.
- Der Außenborderschacht kann unter bestimmten Windbedingungen unter schlechter Belüftung oder Abgasstau leiden. (1)









