Design und Konstruktion
Das prägende Element der Class 6 ist ein längs verlaufender zentraler Sporn, fast ein hängender dritter Rumpf, der in die Gondel eingegossen ist. Dies macht eine vordere Quertraverse überflüssig und verleiht den schmalen Ruderrümpfen eine beeindruckende Steifigkeit. Dieser Sporn nimmt die Lasten des Mastes und des Vorstags auf, die beide direkt darauf befestigt sind, und durchschneidet größere Wellen wie die Bugsektionen, wodurch Energie abgebaut wird und Auftrieb entsteht, da Wasser unter die Gondel strömt. Das Ergebnis ist ein Rumpf, der hart am Wasser läuft und keine Tendenz hat, seine Bugsektionen in steilem Seegang zu vergraben. Axe-Bugsektionen und knickspante Rumpfwände vervollständigen das Bild, wobei letztere das Innenraumvolumen maximieren. Die Konstruktion ist als Schaumsandwich ausgeführt, im Vakuumverfahren mit Epoxidharz infundiert und in hochbelasteten sowie schlagempfindlichen Bereichen mit Kevlar verstärkt. Käufer können zwischen einem Performance-Paket mit Vinylesterharz, Carbon-Glas-Kevlar und Gelcoat sowie einem Race-Paket in Epoxidharz mit 100 % Carbon, Kevlar und Lack wählen. Das Boot wurde bewusst extrem robust konstruiert, und das Schaumsandwichkonzept wird bis hin zur Innenausstattung fortgesetzt, um das Gewicht niedrig zu halten. Die leichte Verdrängung beträgt 15 Tonnen, sinkt bei der Option mit vollständigem Carbon-Rumpf auf 13,5 Tonnen, und das Design ist für ein Gesamtgewicht von bis zu 18 Tonnen ausgelegt. (2)
Rigg und Handhabung
Da der Längsträger die Rigglasten trägt, konnten die Konstrukteure den Mast weiter hinten positionieren als es bei einem vergleichbaren Katamaran üblich ist, was die Segelfläche zentralisiert und für ein stabiles, weiches Seeverhalten sorgt. Das Boot wird mit einem drehbaren Mast und einem Carbonbaum auf einer hydraulischen Rollanlage angeboten. Das Stagsegel, die Genua und der Gennaker lassen sich alle hydraulisch einrollen; ein typisches Layout stellt Großsegel und Genua mit einem Knopfdruck bereit, wobei die Schoten zu hydraulischen Winschen am Steuerstand geführt sind. Ein selbstwendendes Stagsegel setzt sich schnell bei auffrischendem Wind durch, und ein Sturmsegel steht als Sicherheitsoption zur Verfügung. Mit Großsegel und einer 104 m² großen XL-Genua hält die Class 6 Windgeschwindigkeiten von 3 bis 10 Knoten problemlos aus. Mit einem Code Zero oder einem 280 m² großen Gennaker am Bugspriet segelt sie bei ruhigerem Wetter auf raumen Kursen schneller als der wahre Wind. Die Kiel- und Schwertoptionen reichen von festen Kielen über geschwungene asymmetrische Steckschwerter, die im abgesenkten Zustand einen Tiefgang von 3,8 m bieten, bis hin zu nur 0,9 m mit aufgeholten Schwertern, ergänzt durch Hubruder, die das Boot bei leichtem Wind am Wind anspringen helfen. Zwei 80 PS starke Yanmar-Motoren bringen sie bei 2.500 U/min auf zehn Knoten mit etwa 11 Litern Kraftstoff pro Stunde oder auf sieben Knoten mit einem einzelnen Motor.
Unterbringung
Durch das Weglassen der Querträger entsteht im Gondelbereich ein Wohnraum von 44 m², der von Rezensenten mit einem New Yorker Apartment verglichen wird. Der Salon und die Plicht zusammen bieten 475 Quadratfuß Raum sowie eine riesige Pantry. Ein Schiebefenster im hinteren Teil des Salons lässt sich vollständig öffnen, was für ein reines Innen- oder Außenraumgefühl sorgt. Unter Deck ermöglichen die Knickspante breite Inselbetten in den Achterkabinen, während die Vorschiffskojen quer zur Schiffsbewegung und höher platziert sind, um den Performance-Bug freizugeben. Die Plattform ist sehr geräumig und dennoch für hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten bei absoluter Sicherheit in jedem Seegang gebaut.
Refits und Eignerschaft
Der erste Rumpf, der mehr als ein Jahr vor Beginn der Tests in Toulon gebaut wurde, besaß einen Powercat mit einem großen Verbrennungsmotor in einem Rumpf und einem Elektromotor im anderen – erst später erhielt er eine Segelbesegelung. Dies belegt, dass die Plattform eine umfangreiche Umrüstung zulässt. Als Semi-Custom-Yacht kann sich die Class 6 nach den Wünschen des Eigners konfigurieren – von der Packhöhe über die Steuerung per Rad oder Pinne mit Sitzen bis hin zu einer Smart Hybrid-Version mit einem Diesel- und einem Elektroantrieb. Dan bezeichnet die Class 6 als den besten Katamaran, den ein Paar ohne Skipper segeln kann.
Das Fazit
Die O Yachts Class 6 ist ein wirklich ungewöhnlicher Fahrtenkatamaran, dessen zentraler Sporn das übliche Kompromiss-Problem zwischen Steifigkeit und offener Wohnfläche löst. Sie ist leicht, steif und agil, ohne übermäßig viel Wind zu fangen, und zielt unter guten Bedingungen mit einer Sicherheitsorientierung auf 300 Seemeilen am Tag als Leistungsmesslatte ab. Für eine Familie oder ein Paar mit kleiner Crew, die weit reisen und lange bleiben wollen, sprechen der Semi-Custom-Ansatz und die dokumentierte strukturelle Absicht sehr stark für dieses Boot.
Vorteile
- Der zentrale Rückgratträger entfernt die vordere Quertraverse und schafft 44 m² unbehinderte Wohnfläche
- Das auf dem Rückgrat getragene Rigg ermöglicht eine Mastplatzierung achtern für ein stabiles, weiches Seeverhalten
- Überdimensionierte Schaumsandwich-Konstruktion mit Kevlar-Schlagverstärkung
- Steckschwert- und Hubrudersysteme reduzieren den Tiefgang von 3,8 m auf 0,9 m
- Die hydraulische Rollanlage von Großsegel, Genua, Stagsegel und Gennaker erleichtert das Segeln mit kleiner Crew
Nachteile
- Die volle Leistungsfähigkeit hängt von Semi-Custom-Wahlmöglichkeiten ab, die Spezifikationen und Kosten variieren lassen
- Die Leistungsaufteilung des ersten Rumpfes zeigt, dass die Basisplattform kein festes Typengeschwister ist
