Um dies zu erreichen, modifizierte das Designteam von Finot-Conq die Rumpfform der äußerst erfolgreichen, leistungsorientierten First 20. Durch die Verkleinerung des Kajütaufbaus und die Verlängerung der Plicht schuf Beneteau ein extrem ergonomisches Layout für das Tagesspringen. Im Gegensatz zu vergleichbaren Traileryachten ihrer Ära – die oft versuchten, überambitionierte, aber beengte Wohnräume auf 22 Fuß unterzubringen – setzt die First 22 klare Prioritäten bei Cockpit-Arbeitsbereich, Sicherheit und gutmütigem Handling. Der Innenraum spiegelt diesen nüchternen, pragmatischen Ansatz wider: Er ist sauber, leicht auszuspritzen und besteht aus geformten GFK-Innerschalen mit minimalem Holzdekor. Während die Stehhöhe auf 1,50 m (4 Fuß 11 Zoll) begrenzt ist, was das Stehen unmöglich macht, fungiert die Kabine perfekt als trockener Stauraum für Segel und Ausrüstung und beherbergt eine Doppel-V-Koje, zwei Längskojen (Sofakojen) und Platz für eine Chemie-Bordtoilette.
Variationen & Konfigurationen
Während viele Serienwerften bei Booten dieser Größe verschiedene Kieloptionen anbieten, ist die moderne First 22 stark standardisiert, um ihren Fokus als Einheitsklasse und Schulungsboot zu wahren. Sie verfügt über eine einzige, robuste, ballastierte Schwenkkiel-Konfiguration. Mit vollständig hochgekurbeltem, schwerem Gusseisenschwert weist das Boot einen Tiefgang von nur 0,71 m (2 Fuß 4 Zoll) auf, was das Befahren von flachen Gewässern, das Verladen auf einen Straßentrailer oder das einfache Slippen über eine Betonrampe ermöglicht. Vollständig abgesenkt reicht der Kiel bis auf beachtliche 1,80 m (5 Fuß 11 Zoll) hinab, was dem Boot das aufrichtende Moment und den Auftrieb einer weitaus größeren Sportyacht verleiht.
Der Segelplan ist als einfache, schlanke 7/8-Slup ausgelegt. Im Gegensatz zu den Masttopp-Riggs historischer 22-Fuß-Boote nutzt die moderne First 22 ein zeitgemäßes, nicht überlappendes Rollvorsegel und ein Square-Top-Großsegel. Alle wichtigen Steuerleinen, einschließlich Fallen und Reffleinen, sind nach achtern auf Stopper auf dem Kajütdach neben dem Niedergang geführt. So kann ein einzelner Ausbilder oder Einhand-Skipper das gesamte Rigg bedienen, ohne die sichere Plicht verlassen zu müssen.
Segelleistung & Handling
Die Segeldynamik der First 22 wird durch ihre sportlichen Kennzahlen und ihre sehr gutmütige Rumpfform bestimmt. Mit einem starken Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 24,82 und einer geringen Verdrängung von rund 1.100 kg (2.425 Pfund) verhält sich das Boot an der Pinne wie eine stabile, übergroße Jolle. Es beschleunigt bereits bei leichtem Hauch bereitwillig, vermittelt aber auch dann ein bemerkenswertes Sicherheitsgefühl, wenn der Wind an die 20-Knoten-Marke herankommt.
Mit einer niedrigen Komfort-Ratio von 11,73 und einem Kenterungsverhältnis von 2.43 ist der Rumpf darauf ausgelegt, dynamisch auf die Elemente zu reagieren. Das Boot krängt schnell bis zu seiner ausgeprägten Kimm (Knickspant), bevor es sich stabilisiert und hervorragend Kurs hält. Die Genialität des Entwurfs liegt in den Doppelrudern. Mit einem Außenwinkel von 15 Grad montiert, sorgen diese beiden Ruderblätter dafür, dass selbst bei starker Krängung das leeward (leeseitige) Ruder vollständig eingetaucht und vertikal bleibt. Dies verhindert ein Aufschießen oder einen Sonnenschuss. Das Ergebnis ist ein leichtes, feinfühliges Pinnengefühl, das Segelschülern die Nuancen von Winddrehern vermittelt, ohne sie mit starker Luvgierigkeit zu bestrafen.
Marktübersicht & Wirtschaftlichkeit
Da ein erheblicher Teil der First 22-Produktion direkt an ASA-Partnerschulen und SailTime-Sharing-Flotten ging, werden Käufer auf dem Gebrauchtbootmarkt feststellen, dass viele der angebotenen Rümpfe ein hartes, sehr aktives Leben hinter sich haben. Boote dieses Alters erzielen aufgrund ihrer modernen GFK-Konstruktion, der Square-Top-Riggs und der sehr begehrten Doppelruder-Anlage einen moderaten Aufpreis gegenüber älteren Pocket-Cruisern aus den 1980er Jahren.
Bei der Bewertung eines Gebrauchtbootes ist die Herkunft des Schiffes der wichtigste wirtschaftliche Faktor. Eine in Privatbesitz befindliche, wenig genutzte Traileryacht erzielt Spitzenpreise, während ehemalige Schulungsboote oft günstig zu erwerben sind. Allerdings müssen Käufer von Schulungsbooten ein Budget für sofortige kosmetische und technische Refits einplanen, einschließlich des Austauschs stark UV-geschädigter Segel, der Erneuerung des verschlissenen laufenden Guts und der Aufbereitung von kreidendem Gelcoat.
Bekannte Probleme & Schwachstellen
- Schwenkkiel-Drehbolzen und Hubmechanismus: Der ballastierte Schwenkkiel wird über eine manuelle Schneckengetriebe-Winsch bedient. Wenn der Kielschacht nicht regelmäßig gereinigt und der Drehbolzen vernachlässigt wird, kann Bewuchs das Schwert blockieren, und das Hubseil kann durchscheuern. Eine jährliche Inspektion des Seils und regelmäßiges Fetten des Hubmechanismus sind zwingend erforderlich.
- Ausrichtung der Doppelruder: Die Doppelruder-Anlage ist über eine interne Verbindungsstange gekoppelt. Harte Grundberührungen oder unsanfte Handhabung können dieses Gestänge verbiegen oder die Ruder aus der Spur bringen. Dies führt zu erhöhtem Widerstand, Vibrationen bei höheren Geschwindigkeiten und spürbar schlechterer Ruderwirkung.
- Gelcoat und Decksbelastung: Aufgrund der hohen Beanspruchung im Schulungsbetrieb sollte gezielt nach Haarrissen oder Spannungsrissen im Gelcoat gesucht werden, insbesondere im Bereich der Cockpitsülle, der Relingstützen-Püttinge und der Niedergangsstufe.
Modernisierung & Upgrades
- Umrüstung auf Elektro-Außenborder: Das Boot ist für den Einsatz eines kleinen Außenborders (typischerweise 5 bis 6 PS) an einer Heckhalterung ausgelegt. Aufgrund der geringen Verdrängung des Bootes rüsten viele Eigner erfolgreich auf Elektro-Außenborder (wie Torqeedo- oder ePropulsion-Einheiten) um. Dies eliminiert den Wartungsaufwand, das Gewicht und die Kraftstofflagerung kleiner Benzinmotoren.
- Lithium-Verbraucherbatterien (LiFePO4): Die ursprüngliche elektrische Anlage ab Werft war minimalistisch und primär für die Versorgung der Positionslaternen und kleiner Instrumente ausgelegt. Erfahrene Eigner ersetzen die werkseitige Blei-Säure-Batterie regelmäßig durch eine einzelne, leichte 100Ah-Lithium-Batterie, um moderne Kartenplotter, UKW-Funkgeräte und USB-Ladegeräte ohne unnötiges Gewicht im Heck zu betreiben.
- Hochleistungssegel: Der Austausch der Standard-Dacronsegel gegen Laminat- oder Radialschnittsegel verbessert die Leistung am Wind des 7/8-Riggs dramatisch und hilft dem Boot, sein volles Geschwindigkeitspotenzial in Schwachwindrevieren auszuschöpfen.
Das Fazit
Die Beneteau First 22 (2016) ist ein hervorragend umgesetztes Segelboot für Tagestouren, das Kajütvolumen gegen eine unschlagbar große Plicht und ein gutmütiges, sportliches Handling eintauscht. Sie ist die perfekte Wahl für Familien, Einhandsegler und Einsteiger, die sich ein modernes Design und das agile Ansprechverhalten einer Sportyacht wünschen, ohne sich überfordert zu fühlen.
Vorteile
- Riesige, ergonomische Plicht, die problemlos fünf Erwachsenen reichlich Platz bietet
- Außergewöhnliche Kursstabilität und hohe Sicherheit gegen Sonnenschüsse dank der doppelten Außenborder-Ruder
- Äußerst vielseitige Tiefgangsoptionen dank des ballastierten Schwenkkiels für einfaches Trailern und Trockenfallen
- Positiver Auftrieb im Rumpf sorgt für ein hohes Maß an struktureller Sicherheit und ein beruhigendes Gefühl auf dem Wasser
Nachteile
- Minimale Stehhöhe in der Kabine und fehlender Komfort machen das Boot für mehr als einfaches Wochenend-Camping ungeeignet
- Viele auf dem Markt verfügbare Gebrauchtboote weisen starke Verschleißspuren aus dem Betrieb in Segelschulflotten auf
- Die mechanische Komplexität des Schwenkkiel-Hubsystems erfordert eine sorgfältige und regelmäßige Wartung








