Design und Konstruktion
Die Rumpfform von Murray Ross ist ein Musterbeispiel für kontrollierte Extreme. Der Bugbereich ist ziemlich schmal, was den Wellenwiderstand relativ gering hält und das Einsetzen in die Welle beim Kreuzen am Wind reduziert, während der Heckbereich breit und flach ist, was das Boot bei schnellen Kursen vor dem Wind leicht steuerbar macht. Diese beiden Entscheidungen passen zu einem Leichtdeplacement-Rumpf: Das Design zeichnet sich durch ein geringes Gewicht und eine moderate Segelfläche aus, mit einem Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 98 und einem Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von etwa 24. Die 420 Quadratfuß Segelfläche bei einer Wasserlinienlänge von 26,58 Fuß verleihen der 930 je nach Region ein PHRF-Rating zwischen 96 und 120. Festes GFK bildet sowohl Rumpf als auch Deck, wobei der Flossenkiel mit Blei und das Spiegelruder dahinter ausgestattet sind. (1)
Rigg und Handhabung
Das Boot ist 7/8-getakelt und verfügt über einen konventionellen Spinnakerbaum mit einem symmetrischen Spinnaker. Die ungewöhnliche Wahl des Riggs ist eine Anforderung für die Klassenregatten: Die Fock ist an einer selbstwendenden Travellerschiene gefahren, was das Arbeiten auf dem Vordeck bei Regatten auf Kurs minimiert. In ihrer Standardform ist die 930 ein Leichtwindboot, das sauberes Segeln am Wind belohnt; der schmale Vorschiffseintritt reduziert das Einsetzen in die Welle, und das breite Heck sorgt dafür, dass sie unter Spinnaker gut ausreitet, ohne dass man nervös am Ruder stehen muss.
Unterbringung
Unter Deck ist der Innenraum komfortabel gestaltet und bietet Schlafplätze für fünf Personen, einen zweiflammigen Herd, eine Pantry mit Spüle und eine Nasszelle. Die Anzahl der Kojen ist kein Zufall – die fünf Kojen sind sowohl für Regatten als auch für das Fahrtensegeln erforderlich, sodass die Unterbringung ein wesentlicher Bestandteil der Klassenzugehörigkeit ist und nicht erst als Zugeständnis für das Fahrtensegeln hinzugefügt wurde. Das Layout erfüllt den doppelten Zweck einer Wochenendyacht und eines von Crew gesegelten Regattabootes.
Bekannte Schwachstellen
Der Standardmotor ist ein Außenborder in einem Wellenschacht, und die Klassenvorschriften verlangen, dass dieses Aggregat für Regatten nicht demontiert werden darf. Einige Boote wurden stattdessen mit kleinen Einbaudieselmotoren gebaut – eine Abweichung von der Einheitsklassen-Norm, die ein Käufer im Rahmen der Historie des Rumpfes überprüfen sollte. Die bekannten Schwankungen des Entwurfs liegen in der Motorisierung und späteren Modifikationen, nicht im laminierten Rumpf oder Deck.
Refits und Eignerschaft
Um die 930 hat sich eine lebendige Modifikationskultur entwickelt. Einige Boote wurden mit einem – manchmal klappbaren – Bugspriet und Gennakern modifiziert, um die Leistung vor dem Wind zu erhöhen. Ein weiterer Trend ist die Nachrüstung einer Spinnakerfall für den Masttopp, damit auch Masttoppspinnaker und Gennaker gesetzt werden können. Um diese kraftvolleren Segel kontrollieren zu können, müssen jedoch auch schwerere und tiefere Kiele installiert werden, was auch die Leistung am Wind bei schwerem Wetter verbessert. Auch Carbonmasten sind bei modifizierten 930s immer häufiger zu finden. Mit Gennakern und den schwereren Kielen lassen sich bei entsprechender Windrichtung und Windstärke leicht über 20 Knoten Geschwindigkeit über lange Strecken halten. Für die Ross 930 Modified wird derzeit ein Box-Rule entwickelt, damit diese Boote als eigene Klasse neben der Standardflotte segeln können, da sie derzeit eher als „Outlaw-Class“ gelten.
Das Fazit
Die Ross 930 ist eine durchdachte Einheitsklasse aus den 1980er Jahren, die ihre Größe von 30 Fuß Länge übertroffen hat: Ein schmaler Bug und ein flaches Heck machen sie sowohl am Wind gutmütig als auch raumschots stabil, während die Selbstwendefock das Boot mit kleiner oder voller Crew leicht handhabbar hält. Der Modifikationspfad ist für diejenigen, die mehr wollen, gut etabliert, aber das Standardboot ist eine kohärente Regatta-/Fahrtenyacht.
Vorteile
- Der schmale Bug reduziert das Einsetzen am Wind und senkt den Wellenwiderstand
- Der Selbstwendefock-Traveller vereinfacht die Regatten der Klasse
- Die von den Klassenvorschriften geforderten fünf Kojen machen den Innenraum funktional für das Fahrtensegeln
- Starke Modifikationslandschaft mit festgelegten Upgrades für Kiel und Rigg
Nachteile
- Der standardmäßige Außenborder im Brunnen ist klassenspezifisch und für Regatten nicht abnehmbar
- Nur wenige Boote erhielten einen Einbaudiesel, was die Ersatzteilversorgung für diese Minderheit erschwert
- Modifizierte Flottensegel außerhalb der formellen Klassenzugehörigkeit, bis zur Einführung der Box-Rule








