Konzept & Konstruktionsziel
Die Hauptaufgabe der Coaster 23 bestand darin, das Innenraumvolumen und den Platz in der Plicht bei Abmessungen zu maximieren, die ohne Sondergenehmigung trailerbar blieben. Während viele Pocket-Cruiser der frühen 1970er Jahre eng und fragil wirkten, sollte die Coaster 23 die Ästhetik einer Yacht im Kleinformat vermitteln. Im Inneren ist die Kabinenaufteilung für ein Boot mit einer Länge über alles von nur 22,58 Fuß überraschend funktional. Lindh entwarf ein offenes Layout mit einer V-Koje im Vorschiff, zwei langen Salonsofakojen, die als Schlafplätze dienen, und einer kleinen Hundekoje achtern. Obwohl das Boot ursprünglich für fünf Erwachsene vermarktet wurde, liegt die praktische Grenze für einen komfortablen Wochenendtörn bei vier Personen. (1)
Der Innenausbau spiegelt die Fertigungsphilosophie der 1970er Jahre wider. Kells verwendete eine GFK-Innenschale, um strukturelle Steifigkeit und eine saubere, pflegeleichte Optik zu erzielen. Diese cremeweiße Innenschale wird durch teakfurnierte Schotten und Holzleisten aufgewertet, was dem Boot eine wärmere Atmosphäre verleiht als vielen Konkurrenzmodellen. Da es sich jedoch um ein budgetorientiertes Boot handelte, sind die Holzarbeiten einfach gehalten, und die Käufer der damaligen Zeit akzeptierten ein schnörkelloses Finish. Im Gegensatz zum Schwestermodell, das häufig mit einem Hubdach zur Verbesserung der Stehhöhe ausgestattet war, wurde die Coaster 23 mit einem festen Kajütaufbau konstruiert. Dies begrenzt die Stehhöhe im Inneren auf eine sitzende Haltung, sorgt jedoch für einen strukturell trockeneren und steiferen Decksaufbau. Sie bot eine attraktive Alternative zur O'Day 22, die auf eine flexiblere Rumpf-Deck-Verbindung setzte, und präsentierte sich als solidere, wenn auch weniger raffinierte Option zur allgegenwärtigen Catalina 22. (1, 2)
Varianten & Konfigurationen
Der Unterschied zwischen der Standard-Kells 23 und der Coaster 23 ist entscheidend für das Verständnis der Modellgeschichte. Obwohl beide Boote dieselbe Rumpfform nutzen, sprechen sie durch ihre Kielkonfigurationen völlig unterschiedliche Segelprofile an. Die Standard-Kells 23 war mit einem gusseisernen Schwenkkiel ausgestattet, der sich vollständig in den Rumpf einziehen ließ, was einen Tiefgang von unter einem Fuß für einfaches Trailern und Slippen über Rampen ermöglichte. Im Gegensatz dazu wurde die Coaster 23 als Festkielboot mit geringem Tiefgang (Flachkiel) konzipiert. (1)
Dieser feste Flachkiel weist einen Tiefgang von nur 2,33 Fuß auf und schafft so einen feinen Spagat zwischen Segelleistung und Trailerbarkeit. Da der Ballast direkt in den Kielschuh einlaminiert wurde, eliminierte Kells die mechanische Komplexität, die Seilwinden, Bolzen und potenziellen Undichtigkeiten im Kielkasten, die bei Schwenkkiel-Modellen auftreten können. Die Coaster 23 verfügt über 750 Pfund festen Ballast (was einem Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 31,91 % entspricht), der dauerhaft tiefer positioniert ist als der eingeholte Schwenkkiel des Schwesterbootes. Diese Konstruktion sorgt für ein permanentes, zuverlässiges aufrichtendes Moment, das nicht durch mechanisches Versagen beeinträchtigt werden kann. Obwohl das Zuwasserlassen einer Coaster 23 im Vergleich zur Schwenkkiel-Version eine tiefere Rampe oder eine Anhängerkupplungsverlängerung erfordert, belohnt sie den Eigner mit einem erheblich vereinfachten Wartungsaufwand und hoher Sicherheit auf dem Wasser. (1)
Segelleistung & Seeverhalten
Unter Segeln verhält sich die Coaster 23 wie eine berechenbare Fahrtenyacht mit geringer Verdrängung. Mit einer Verdrängung von 2.350 Pfund und einem Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 126,34 fällt das Boot klar in die Kategorie der Leichtdeplacement-Boote. Auf technischer Ebene ist die Länge in der Wasserlinie (LWL) mit 20,25 Fuß spürbar länger als die 18 Fuß Wasserlinie des Schwenkkiel-Schwestermodells, was der Coaster 23 eine höhere theoretische Rumpfgeschwindigkeit und bessere Segeleigenschaften bei leichtem Wind verleiht. Sie springt bei leichtem bis mäßigem Wind gut an, reagiert schnell auf Böen und beschleunigt mit minimalem Widerstand. Ihr Masttoppslup-Rigg bietet einen vielseitigen Segelplan, der sich auch einhand oder mit kleiner Crew leicht bedienen lässt. Mit einer Komfort-Ratio von 11.18 verhält sich das Boot im Seegang jedoch recht lebhaft. Bei kabbeliger See müssen sich Crewmitglieder auf eine unruhige, bewegungsintensive Fahrt einstellen, da dem Rumpf die Verdrängung und die Masse fehlen, um weich durch steile Wellen zu schneiden. (1)
Mit einem Kenterungsverhältnis von 2,36 ist die Coaster 23 statistisch anfällig für Kenterungen, wenn sie brechenden Wellen auf offener See ausgesetzt wird. Dieser Wert unterstreicht ihr Revier als Küstenkreuzer und Boot für Binnengewässer – sie ist keine Blauwasseryacht für Langstrecken. An der Pinne zeigt der geringe Tiefgang spezifische Eigenschaften. Der Festkiel sorgt für eine ordentliche Kursstabilität, bietet jedoch aufgrund des flachen Profils weniger lateralen Widerstand als ein Tiefkieler. Dadurch leidet die Leistung am Wind, und das Boot macht spürbare Abdrift, wenn man versucht, zu hoch am Wind zu kneifen. Zudem berichten Eigner aufgrund des flachen Kiels und des traditionellen, am Spiegel aufgehängten Ruders häufig von einer neutralen bis leichten Leegierigkeit bei leichtem Wind. Um die Balance zu halten, muss der Segelplan sorgfältig getrimmt werden – oft hilft eine etwas größere Genua, um den Düseneffekt effizient zu nutzen und das Boot sauber auf Am-Wind-Kursen zu halten. (1, 3)
Bekannte Schwachstellen & Sanierung
Für potenzielle Käufer und Restauratoren ist aufgrund des Alters der Coaster 23 eine gründliche Inspektion der Struktur unerlässlich. Das häufigste Problem ist Torf (Rotte) im Decks-Sandwichkern. Wie die meisten Werften dieser Ära verwendete Kells Hirnholz-Balsa als Kernmaterial, das zwischen GFK-Schichten an Deck und Kajütdach einlaminiert wurde. Über die Jahrzehnte werden die Dichtungen der Decksbeschläge – einschließlich Püttinge, Bugklampen, Relingstützen und Handläufe – unweigerlich undicht, wenn die Dichtmasse austrocknet. Wasser, das in den Balsakern eindringt, führt zu großflächiger Fäulnis, weichen Stellen im Deck und letztlich zu strukturellem Versagen unter der Zugspannung des Riggs. Zur Diagnose sollte das Deck mit einem Kunststoffhammer abgeklopft werden, um hohle Töne aufzuspüren, gefolgt von Messungen mit einem Feuchtigkeitsmesser. (2)
Eine noch tückischere Eigenheit der Kells-Konstruktion ist die großzügige Verwendung von einlaminierten Sperrholz-Unterkonstruktionen in der Kabine. Um flache Oberflächen für die Pantry, die Dinette und die Bodenbretter zu schaffen, verlegte Kells Sperrholzplatten und laminierte direkt darüber. Wenn die Fensterdichtungen oder die Niedergangsluke undicht sind, sammelt sich Wasser unter der GFK-Innenschale. Dieses Wasser kann nicht entweichen und durchfeuchtet das gekapselte Sperrholz, bis es vollständig verrottet. Mit der Zeit löst sich das GFK vom verrotteten Holz darunter, was zu nachgebenden Bodenbrettern und absackenden Schotten führt. Die Reparatur dieser Fäulnis erfordert das Aufschneiden des betroffenen GFK, das Entfernen des torfigen Holzes und den Neuaufbau der Unterkonstruktion. (2, 4)
Schließlich erfordert der eingegossene Ballast der Coaster 23 eine genaue Überprüfung. Die 750 Pfund Ballast aus Gusseisen und Beton sind in der GFK-Kieltasche versiegelt. Wenn das Boot schwere Grundberührungen hatte, kann die äußere GFK-Haut des Kiels reißen, wodurch Wasser in die Ballastkammer eindringt. In Frostgebieten dehnt sich dieses eingeschlossene Wasser aus, was den Kiel von innen heraus aufplatzen lassen kann. (4)
Modernisierung & Upgrades
Eigner, die diese klassischen Pocket-Cruiser erhalten wollen, haben bewährte Modernisierungsstrategien entwickelt. Bei der Sanierung von Deck und Kabinenboden verzichten viele DIY-Restauratoren heute vollständig auf Holz. Stattdessen nutzen sie hochdichte, geschlossenzellige Polyurethan-Schaumplatten oder Verbundstoffplatten, die resistent gegen zukünftige Feuchtigkeitsschäden sind und eine hervorragende Druckfestigkeit bieten.
Der Hilfsantrieb ist ein weiterer häufiger Ansatzpunkt für Upgrades. Die Coaster 23 wurde für die Nutzung eines kleinen Außenborders an einer Heckhalterung konzipiert. Während alte Zweitakt-Außenborder laut und schwer waren, steigen heutige Eigner meist auf leichte Viertaktmotoren im Bereich von 4 bis 6 PS um, die mehr als genug Schub liefern, um die Rumpfgeschwindigkeit zu erreichen. Für Reviere auf Binnenseen sind Elektro-Außenborder sehr beliebt geworden. Aufgrund der geringen Verdrängung von 2.350 Pfund bietet ein moderner Elektro-Außenborder in Kombination mit einer Lithium-Batterie einen extrem leisen, wartungsarmen Antrieb, der das Gewicht und das Handling von Benzin überflüssig macht.
Die Modernisierung der Elektrik ist dank der einfachen Systeme des Bootes ebenfalls unkompliziert. Der Austausch der spärlichen, korrodierten Original-Kupferverkabelung gegen verzinntes Marine-Kabel und der Einbau eines einfachen Schaltpanels gehören zum Standardprogramm. Mit einer einzelnen 50- bis 100-Ah-Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LiFePO4) und einem kleinen, an Deck montierten Solarpaneel können Eigner moderne LED-Kabinenbeleuchtung, Navigationslichter, ein UKW-Funkgerät und grundlegende Instrumente problemlos autark betreiben, ohne auf Landstrom oder Motorladung angewiesen zu sein.
Das Fazit
Die Kells Coaster 23 ist ein robuster, ehrlicher Pocket-Cruiser, der einen sehr günstigen Einstieg in die Welt des Segelns bietet. Auch wenn ihr das feine Finish moderner Serienboote und die Am-Wind-Leistung eines Tiefkiel-Regattabootes fehlen, gleicht sie dies durch Einfachheit, unkompliziertes Trailern und ein hochgradig funktionales Layout aus. Sie eignet sich hervorragend für Familien, preisbewusste Fahrtensegler und DIY-Enthusiasten, die Freude an der Restaurierung eines klassischen GFK-Bootes haben. Für Segler, die sich in geschützten Küstenrevieren oder auf Binnenseen bewegen, bleibt die Coaster 23 ein charmantes, ehrliches Boot, das viel Segelspaß für wenig Geld bietet. (1, 2)
Vorteile:
- Sehr zugänglicher und preiswerter Pocket-Cruiser für Einsteiger
- Fester Flachkiel eliminiert die Mechanik, Bolzen und Leckagerisiken eines Schwenkkiels
- Geringe Verdrängung ermöglicht einfaches Trailern und Slippen mit Standard-Pkw
- Großzügige Plicht und funktionale Kabinenaufteilung für diese Bootslänge
- Einfaches Masttopp-Rigg ist auch einhand leicht zu bedienen
Nachteile:
- Sehr lebhaftes und unruhiges Seeverhalten bei Welle aufgrund der niedrigen Komfort-Ratio
- Anfällig für gravierende Fäulnisschäden an Deck und Kabinenboden (Balsa- und Sperrholzkern)
- Eingeschränkte Leistung am Wind und Neigung zu Leegierigkeit durch den geringen Tiefgang
- Eingeschränkte Stehhöhe in der Kabine erlaubt nur sitzende Haltung
- Kenterungsverhältnis begrenzt den sicheren Einsatz auf geschützte Buchten und Binnengewässer










