Design und Konstruktion
Der Rumpf der Henderson 30 ist das visuelle und leistungsorientierte Herzstück des Bootes. Er zeichnet sich durch eine sehr elegant geformte Nase mit V-förmigen Vorschiffsteilen aus, die sanft in einen geschwungenen Mittelbereich übergehen, ohne dass eine klassische Knickspant-Konstruktion mit viel Formwechsel vorliegt. Diese Geometrie, kombiniert mit einem Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 80,43, kennzeichnet das Boot als eine Konstruktion, die darauf ausgelegt ist, zu beschleunigen, nicht um viel Volumen zu bieten. Der feste Kiel ist ein sehr tiefer Flossenkiel mit Bulb, was einen Tiefgang von 7 Fuß ergibt. Das Ruder ist eine außergewöhnlich schlanke Konstruktion, die so gebaut ist, dass sie hoch- und runtergeklappt werden kann und sogar ihren Drehwinkel leicht verändert, wenn das Ruder hoch oder niedrig ist. Das Hubrudersystem und das einziehbare Außenborder-System sorgen für einen sauberen, flachen Unterwasserschiff, wenn das Boot für maximale Geschwindigkeit optimiert wird – ein Detail, das die konsequente Decksplanung unterstreicht. (1)
Rigg und Handhabung
Vorne verfügt das Rigg über ein klappbares, ausziehbares Bugspriet und einen Kohlefasermast – eine Kombination, die es dem Boot ermöglicht, einen riesigen asymmetrischen Masttopp-Gennaker zu fahren, der auf raumen Kursen zusätzliche 1.247 Quadratfuß Segelfläche bietet. Durch das Klappbare des Bugspriets kann das Boot etwa 5 Grad niedriger gesegelt werden als mit einem festen Spriet, was für ein Sportboot einen spürbaren Gewinn bei den Raumwindwinkeln bedeutet. Der Basis-Segelplan zeigt 471 Quadratfuß Segelfläche bei einem Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von 30,67. Das Deck ist im Stil der Farr 40 äußerst funktional aufgeteilt, wobei ein kurzes Brückendeck das ausziehbare Außenborder verdeckt, das im selben Stil wie beim Farr 40 angeordnet ist. Der eingebaute 9,9 PS starke Außenborder dient der Mobilität im Hafen, nicht dem Antriebskomfort. (1)
Unterbringung
Die Henderson 30 ist kein Entwurf, der primär auf Komfort ausgelegt ist. Der vorhandene Platz dient dem Regatta-Schwerpunkt; die Konstruktion mit kurzer Brücke und flachem Boden hatte Vorrang vor dem Volumen unter Deck, und in den Fachmaterialien findet sich keine Beschreibung einer Fahrtenaufteilung oder einer Pantry.
Bekannte Schwachstellen
Die beweglichen Anhänge des Entwurfs erfordern Aufmerksamkeit. Der Mechanismus zum Anheben und Neigen des Ruders sowie der Schwenkwinkel ist ein bewegliches System an einer hochbelasteten Stelle, und die Montage des ausfahrbaren Außenborders hängt von Dichtungen ab, durch deren Verschleiß Wasser in den Hohlraum des Brückendecks eindringen kann. Der Steckschwertkasten des Hubruders und die Gelenkpunkte des Bugspriets sind die beiden beweglichen Schnittstellen, die am stärksten dem Verschleiß ausgesetzt sind. Bei jeder zu begutachtenden Henderson 30 sollten diese Punkte auf Spiel und Dichtigkeit untersucht werden.
Refits und Unterhalt
Da es sich um eine Serie von nur dreißig Einheiten handelt, sind die meisten Boote in der Klasse bekannt. Der Carbonmast und der bewegliche Spritgatter sind die teuren, individuellen Bauteile bei einem Refit. Das ausfahrbare Außenborder-System ist eine eingehüllte Einheit mit 9,9 PS, sodass der Austausch moderat ist. Die flache Bodenkonstruktion bedeutet jedoch, dass jede Reparatur an der Motorbox oder dem Ruderkasten ein arbeitsintensives Projekt ist, das optisch zum Verzicht auf feine Arbeiten führt, wenn sie nicht fachgerecht ausgeführt wird. Da die Produktion im Modelljahr 2000 endete, sind Ersatzteile für die Beschläge des Hubruders eher eine spezielle Anschaffung als ein Standardartikel im Fachhandel.
Das Fazit
Die Henderson 30 ist ein reinrassiges Sportboot, dessen elegant geformter Rumpf, sehr tiefer Flossen- und Bulbkiel sowie das hocheffiziente Hubrudersystem eine leichte Gleitplattform mit einem hervorragenden Vorteil auf raumen Kursen durch den klappbaren Bugspriet bieten. Sie ist in erster Linie eine Regattayacht mit flachem Unterwasserschiff und einem Deck im Stil der Farr 40. Ihre Bauzeit von nur dreißig Booten macht sie zu einem seltenen, aber stimmigen Beispiel für den Typus des Sportboots der späten 1990er Jahre.
Vorteile
- Rundintake-Rumpf mit eleganten Spanten und geringer Verdrängung für schnelle Beschleunigung
- Der klappbare, bewegliche Bugspriet vergrößert den Winkel zum Wind um ca. 5 Grad
- Tiefer Flossenkiel mit Bulbkiel und hohes, aufholbares Ruder für Geschwindigkeit und Trailerzugang
- Kohlefasermast und ein asymmetrischer Großsegelbereich von 1.247 Quadratfuß für hervorragende Leistung auf raumen Kursen
Nachteile
- Minimaler Wohnraum; Regatta-Layout statt Komfort für das Fahrtensegeln
- Bewegliches Ruder und Außenborder erfordern ständige Aufmerksamkeit bei Dichtungen und Abdichtungen
- Kleine Produktionsstückzahl begrenzt die Breite des Ersatzteil- und Klassen-Supports







