Konzept & Absicht
Die Hauptaufgabe der Endeavour 40 bestand darin, Wohnraum und Komfort zu maximieren, ohne auf dem Wasser ein schwer zu beherrschendes Profil zu zeigen. Bob Johnson entwarf den Rumpf mit einer Breite von 13 Fuß (ca. 3,96 m), die weit nach achtern getragen wird. Dadurch entstand ein riesiges, volumenreiches Interieur, das Eigner oft mit einer kompakten schwimmenden Wohnung vergleichen. Das Mittelcockpit wurde etwas weiter achtern positioniert als bei vergleichbaren Fahrtenyachten dieser Ära. Dies bewahrte einen trockenen, sicheren Steuerstand und vermied die klobige Ästhetik vieler anderer Mittelcockpityachten. (1, 3, 5)
Unter Deck wird die Ausrichtung auf das Fahrtensegeln sofort an den warmen, edlen Holzarbeiten und dem Innenausbau deutlich. Endeavour verwendete lackierte Teakholzschotten und strukturelle Zierleisten, ausgeglichen durch helle Deckenverkleidungen, damit der tiefe Innenraum nicht höhlenartig wirkt. Die Bodenbretter bestehen aus einem markanten Teak-Parkett im Blockmuster, das fest mit einer robusten Struktur aus Bodenwrangen verklebt ist. Die Aufteilung ist für das Segeln mit zwei Paaren oder der Familie optimiert: Eine gemütliche V-Koje im Vorschiff hat direkten Zugang zu einer halbprivaten vorderen Nasszelle und einem Kleiderschrank, während der Durchgang an Steuerbord an einer eigenen Navigationsecke mit Schalttafel vorbeiführt. An Backbord liegt eine tiefergelegte Pantry, die sicher außerhalb des Durchgangsverkehrs am Niedergang positioniert ist. Diese U-förmige Pantry bietet tiefe Doppelspülen, viel Arbeitsfläche und eine hervorragend isolierte Kühlbox. Die Eignerkabine achtern ist das Prunkstück des Layouts und bietet eine querschiffs ausgerichtete Doppelkoje im Queensize-Format, mehrere Kleiderschränke und eine eigene Nasszelle mit integrierter Dusche. (6, 7, 8)
Varianten & Konfigurationen
Während der Produktionszeit von 1981 bis 1985, in der etwa 185 Rümpfe gebaut wurden, wurde die Endeavour 40 mit drei verschiedenen Segelplänen angeboten: als Masttoppslup, Kutter oder Ketsch. Das Ketsch-Rigg ist eine hochspezialisierte Variante, die einen vielseitigen, leicht zu bedienenden geteilten Segelplan bietet, der besonders von Paaren geschätzt wird, die mit kleiner Crew segeln. Strukturell ist der Großmast als Kielstufenmast durch das Kajütdach geführt, während der Besanmast an Deck auf dem Brückendeck des Cockpits steht und von einer schweren Stütze direkt darunter getragen wird. (1, 3, 5, 6)
Neben den Rigg-Konfigurationen produzierte Endeavour zwei verschiedene Bauprofile, die auf unterschiedliche Märkte zugeschnitten waren. Das „Owners“-Modell verfügte über ein höheres Masttopp-Rigg, ein inneres Vorstag für ein Stagsegel, längere Genuaschienen und stärkere Winschen, um die Leistung am Wind und die Optionen bei Schwerwetter zu optimieren. Das „Charter“-Modell hingegen besaß ein kürzeres, vereinfachtes Rigg mit weniger Winschen, das speziell entwickelt wurde, um die Handhabung beim Segeln zu vereinfachen und den Wartungsaufwand im Bareboat-Charterbetrieb zu minimieren. Beide Modelle wurden mit einem Standard-Tiefgang von fünf Fuß (ca. 1,52 m) angeboten, ausgestattet mit einem modifizierten Flossenkiel und einem robusten, Skeg-aufgehängten Ruder, um ein sicheres Navigieren in den flachen Gewässern der Florida Keys und der Bahamas zu ermöglichen. (5)
Segeleigenschaften & Handhabung
Die physischen Gegebenheiten des Entwurfs der Endeavour 40 spiegeln sich deutlich in ihren technischen Daten wider. Bei einer Verdrängung von 25.000 Pfund (ca. 11,3 t) und einer Länge in der Wasserlinie von 32 Fuß (ca. 9,75 m) weist das Boot ein Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 340,6 auf. Damit gehört sie eindeutig in die Kategorie der schweren Verdränger. Sie ist kein Leichtwind-Renner; bei leichtem Wind unter zehn Knoten kann sie sich träge anfühlen und benötigt den Motor oder einen Leichtwind-Spinnaker, um passabel vorankommen. Sobald der Wind jedoch zulegt, ermöglicht diese schwere Verdrängung dem Rumpf, mit einer bemerkenswert weichen, stabilen Bewegung durch Gegenan- und Kabbelwasser zu gehen. (1)
Dieses komfortable Verhalten wird durch eine Komfort-Ratio von 36,89 untermauert, was auf eine langsame, sanfte Rollperiode hindeutet, die der Ermüdung der Crew auf langen Passagen vorbeugt. Ihr Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von 36,0 Prozent, resultierend aus 9.000 Pfund (ca. 4,1 t) internem Blei, das im Kiel eingegossen ist, sorgt für hervorragende Steifigkeit und ein hohes aufrichtendes Moment. Dadurch kann das Boot seine Segel noch lange ungekürzt tragen, wenn leichtere Fahrtenyachten bereits reffen müssen. Das Ketsch-Rigg verbessert das Handling weiter, bei einem Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von 15,94. Obwohl moderat, erlaubt dieses geteilte Rigg sehr vielseitige Segelkonfigurationen. Das Segeln unter Fock und Besan („Jib and Jigger“) ist eine äußerst effektive Methode, um plötzliche Böen oder Schwerwetter komfortabel zu meistern, ohne das Großsegel unter körperlicher Anstrengung reffen zu müssen. Die sichere Hochseetauglichkeit wird zudem durch ein Kenterungsverhältnis von 1,78 bestätigt, das sicher unter dem kritischen Grenzwert für Offshore-Yachten von 2,0 liegt. (1, 3)
Marktübersicht & Wirtschaftlichkeit
Auf dem Gebrauchtbootmarkt erfreut sich die Endeavour 40 Ketsch einer anhaltenden Beliebtheit und wird als wertstabile, solide Fahrtenyacht gehandelt. Ihr immenses Volumen macht sie zu einem dauerhaften Favoriten für Segler, die an Bord leben wollen, doch Käufer sollten Inserate mit analytischem Blick prüfen. Die Wirtschaftlichkeit einer Endeavour 40 hängt stark davon ab, ob die Vorbesitzer bereits die bekannten strukturellen Schwachstellen des Bootes behoben haben. (1, 9, 10)
Ein Boot ohne Refit wird zwar mit einem Abschlag gehandelt, erfordert jedoch sofort erhebliche finanzielle Investitionen in die strukturelle und mechanische Sanierung. Schiffe hingegen, bei denen bereits dokumentierte Tankaustausche, Decksbadsanierungen und Motorüberholungen durchgeführt wurden, erzielen einen deutlichen Aufpreis. Diese modernisierten Boote stellen sehr wertstabile Investitionen dar, da die Kosten für den nachträglichen Eigenaufwand dieser Refits oft den reinen Kaufpreis des Bootes erreichen oder übersteigen. (9)
Bekannte Probleme & Schadensanalyse
Jede ernsthafte Untersuchung einer Endeavour 40 muss mit ihrer bekanntesten Schwachstelle beginnen: den eingegossenen Kiel-Tanks. Der ab Werft installierte 75-Gallonen-Kraftstofftank (ca. 284 l) aus Aluminium und der achtere 93-Gallonen-Wassertank (ca. 352 l) wurden tief im hohlen Kiel platziert und mit expandierendem Polyurethan-Schaum umschäumt. Über die Jahrzehnte sickerte unweigerlich Bilgenwasser in diesen Schaum und schloss die Feuchtigkeit direkt am Aluminium ein. Dies führte zu schwerer Lochfraßkorrosion, was wiederum zu feinen Lecks führte, durch die Diesel in die Bilge entweichen oder Frischwasser kontaminiert werden konnte. Die Überprüfung dieses Problems hat oberste Priorität bei einer Besichtigung; achten Sie auf Dieselgeruch in der Kabine, einen Ölfilm in der Bilge oder stillgelegte Tanks. Der Austausch dieser Tanks ist eine extrem arbeitsintensive, strukturelle Aufgabe. In der Regel müssen dafür Teile des Teak-Parkettbodens im Hauptsalon herausgeschnitten und die alten Aluminiumtanks in kleine Stücke zersägt werden, um sie durch den Niedergang zu bergen. Einige Werften haben sich alternativ dafür entschieden, auf dem Trockenen Zugangsfenster durch den GFK-Rumpf im Kielbereich zu schneiden. (11, 9, 10)
Ein weiteres altersbedingtes Problem ist die Delamination des Deckskerns. Das Deck und das Kajütdach sind in Sandwichbauweise mit einem Kern aus Bootsbausperrholz-Quadraten gefertigt. Obwohl diese blockartigen Kerne die Wasserausbreitung begrenzen sollten, kann durch jahrzehntelang vernachlässigte Abdichtungen von Relingstützen, Handläufen, Genuaschienen und Luken Feuchtigkeit eindringen, was zu lokal fäulnisbedingten, weichen Stellen führt. Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Bereich der Mastpartner geschenkt werden, der hohen strukturellen Belastungen ausgesetzt ist und feine Haarrisse im Gelcoat entwickeln kann, durch die Wasser in den Kern gelangt. Zudem sind die Püttinge aus Edelstahl durch Schotten aus GFK-gekapseltem Sperrholz gebolzt. Wasser, das durch vernachlässigte Dichtungen der Püttinge an Deck eindringt, wandert direkt in diese Knie, was den Sperrholzkern verrotten lässt und die strukturelle Integrität des Riggs gefährdet. Schließlich entwässert die Plicht über ein großes, quer verlaufendes Rohr („Torpedorohr“), das auf Rückschlagklappen aus Gummi setzt. Wenn diese Klappen verrottet oder verhärtet sind, kann Meerwasser zurückdrücken und die Plicht fluten, wenn das Boot mit viel Krängung gesegelt wird. (12, 3)
Modernisierung & Upgrades
Moderne Eigner der Endeavour 40 Ketsch konzentrieren ihr Refit-Budget darauf, die historischen Schwachstellen des Modells zu beheben und das Boot gleichzeitig für autarkes Fahrtensegeln auszurüsten. Der Austausch der defekten Aluminium-Kieltanks wird fast immer durch den Einbau maßgeschneiderter GFK-/Epoxidtanks gelöst, die direkt in den Kiel einlaminiert werden, oder durch den Einsatz maßgefertigter Tanks aus hochdichtem Polyethylen (HDPE), was zukünftige Korrosionssorgen dauerhaft eliminiert. (11, 10)
In mechanischer Hinsicht wird der originale Perkins 4-108 Dieselmotor – ein legendäres, aber lautes und oft leckanfälliges Arbeitstier – bei größeren Refits häufig ersetzt. Beliebte Optionen für eine Neumotorisierung sind moderne Yanmar- oder Beta Marine-Diesel im Bereich von 50 bis 60 PS, die einen wesentlich saubereren Lauf, deutlich weniger Vibrationen und einen hervorragenden Kraftstoffverbrauch bieten. (13, 5)
Fahrtensegler überholen zudem häufig die Elektrik des Bootes. Durch die Installation maßgeschneiderter Geräteträger aus Edelstahl am Heck, die gleichzeitig als robuste Davits für das Beiboot dienen, können Eigner große Solaranlagen mit einer Leistung zwischen 400 und 900 Watt montieren. Diese grüne Energie wird meist in leistungsstarke Lithium-Eisenphosphat-Verbraucherbatteriebänke eingespeist, die oft zwischen 400 und 800 Amperestunden Kapazität bieten. In Kombination mit Hochleistungslichtmaschinen, Ladereglern und modernen Wechselrichtern macht dieses Setup laute Dieselgeneratoren überflüssig und ermöglicht es, Kühlschrank, Wassermacher und sogar die Klimaanlage rein über Solarstrom zu betreiben.
Das Fazit
Die Endeavour 40 Ketsch bleibt eine der besten klassischen Fahrtenyachten für Segler, die ein Maximum an Wohnkomfort an Bord, strukturelle Steifigkeit und berechenbares Seeverhalten für ein überschaubares Budget suchen. Sie ist zwar keine Regattayacht und erfordert beim Kaufprozess ein wachsames Auge des Gutachters bezüglich der Tank- und Decksprobleme, doch ein gut gepflegtes oder fachgerecht refittetes Exemplar stellt ein äußerst seetüchtiges, komfortables Zuhause dar, das seine Crew sicher in jeden Winkel der Erde bringen kann. (1)
Vorteile:
- Immenses Innenraumvolumen mit einer sehr wohnlichen Aufteilung aus zwei Kabinen und zwei Nasszellen.
- Hervorragender Bewegungskomfort und gutmütiges Verhalten in schwerer See dank hoher Verdrängung.
- Sehr stabil und steif unter Segeln mit eingegossenem Kielballast und geringem Kenterrisiko.
- Sehr vielseitiger und leicht zu bedienender geteilter Segelplan auf dem Ketsch-Rigg für kleine Crews.
- Solide, handlaminierte GFK-Rumpfkonstruktion unter der Wasserlinie ohne verrottbaren Kern. (1, 3)
Nachteile:
- Hohe Wahrscheinlichkeit teurer, arbeitsintensiver Schäden an den im Kiel montierten Kraftstoff- und Wassertanks, sofern diese noch nicht ersetzt wurden.
- Schwache Leistung bei leichtem Wind und mäßige Höhe am Wind.
- Potenzial für unentdeckte Fäulnis in den sperrholzverstärkten Püttingschotten und im Deckskern.
- Die Plicht kann bei alternden Rückschlagventilen der Lenzrohre Meerwasser-Rückfluss aufweisen. (2, 9, 10)







