PUMA 27 — Informationen, Bewertung, technische Daten

Ron Holland·1979·Puma Yachts (Nao-Glass)
PUMA 27 drawingWerftzeichnung
Rumpfart
Einrumpf · flossenkiel
Rigg
Masttoppslup
LOA
26.08' · 7.95 m
Verdr.
5.467 lbs · 2.480 kg
Erstes Baujahr
1979

Die 1979 eingeführte Puma 27 stellt einen Meilenstein in der Geschichte des spanischen Yachtbaus dar. Gebaut von der in Barcelona ansässigen Werft NaoGlass, S.A., wurde dieses Modell in einer Phase intensiven inländischen Wettbewerbs auf den Markt gebracht. Zwei der leitenden Angestellten der Werft hatten das Unternehmen kurz zuvor verlassen, um Furia Yachts zu gründen, was NaoGlass unter sofortigen Modernisierungsdruck setzte. Anstatt sich auf ihren traditionellen Hauskonstrukteur Kim Holman zu verlassen – der die klassische Puma 26 mit ihrem schmalen Heck gezeichnet hatte –, beauftragte die Werft den legendären neuseeländischen Konstrukteur Ron Holland. Holland lieferte eine schnelle, steife und moderne Regatta und Fahrtenyacht, die die tiefen, Vförmigen Spanten des Vorgängers zugunsten eines modernen, flachbodigen Rumpftyps mit einem voluminösen Heck aufgab. Das Ergebnis war ein äußerst leistungsfähiger 26FußPocketCruiser, der deutlich mehr Innenraum und Geschwindigkeit als seine Konkurrenten bot und sich schnell seinen Platz als eines der prägenden spanischen GFKSegelboote seiner Ära sicherte.

Messwerte

Abmessungen 01

Länge über alles
26,08 ft
Länge an Deck
Länge in der Wasserlinie
21,55 ft
Breite
9,19 ft
Tiefgang
4,82 ft
Maximale Stehhöhe
Durchfahrtshöhe

Bauweise & Rumpf 02

Bauweise
Glasfaser
Rumpfart
Einrumpf
Kielart
Flossenkiel
Ruder
1× Spatenruder
Ballast
2.227 lbs (Blei)
Verdrängung
5.467 lbs
Wasserkapazität
26 gal
Kraftstoffkapazität
10 gal

Rigg & Segel 03

Rigg-Art
Masttoppslup
Vorliek Großsegel
28,97 ft
Unterliek Großsegel
9,48 ft
Vorsegeldreieck Höhe
33,98 ft
Vorsegeldreieck Basis
11,32 ft
Vorstaglänge (geschätzt)
35,82 ft
Segelfläche
330 sqft

Berechnungen 04

Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis
17,01
Ballast-Verdrängungs-Verhältnis
40,74
Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L)
243,87
Komfort-Ratio
19,21
Kenterungsverhältnis
2,09
Rumpfgeschwindigkeit
6,22 kn

Designkonzept & Zielsetzung

Die Puma 27 wurde entworfen, um zwei unterschiedliche Segmente des Segelmarktes der späten 1970er und 1980er Jahre anzusprechen: die preisbewusste Familie, die eine zuverlässige Fahrtenyacht für Küstenfahrten suchte, und den Clubregattasegler, der unter den damaligen Vermessungsformeln konkurrenzfähig sein wollte. Im Vergleich zu Konkurrenten wie der Jeanneau Love Love oder der frühen Beneteau First-Serie bot die Puma 27 eine Mischung aus robuster Bauqualität und anspruchsvoller Konstruktion. Holland legte großen Wert auf die strukturelle Integrität und setzte massives, handaufgelegtes GFK für den Rumpf sowie eine Sandwichkonstruktion für das Deck ein.

Das Lastenheft forderte zudem einen Innenraum, der sich deutlich größer anfühlen sollte, als es die Länge über alles von 26 Fuß vermuten ließ. Beim Heruntersteigen über den Niedergang zeigt sich eine hocheffiziente Kabinenaufteilung. Nao-Glass verwendete hochwertige Holzinnenausbauten – oft mit Teakfurnier und Massivholzleisten –, die dem hohen Anteil an nacktem Kunststoff bei günstigeren Serienbooten gleicher Größe weit überlegen waren. Um die Bodenfläche zu maximieren, lässt sich der zentrale Esstisch bei Nichtgebrauch ordentlich an das vordere Schott klappen. Die Aufteilung umfasst eine traditionelle V-Koje im Vorschiff, eine separate Nasszelle, einen Salon, der sich zu zwei Schlafplätzen umbauen lässt, eine Pantry an Backbord mit einem zweiflammigen Herd und einen klappbaren Kartentisch an Steuerbord, der den Zugang zu einer geräumigen Achterkoje freigibt. Mit dieser Konfiguration war das Boot offiziell für sechs Schlafplätze zugelassen – eine beachtliche Leistung für ein Boot unter 27 Fuß.

Segelleistung & Handhabung

Unter Segeln zeigt die Puma 27 eine Leistung, die weit über ihre Größenklasse hinausgeht. Mit einer Verdrängung von 5.467 Pfund besitzt sie ein moderates Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 243,87, was ihr im Vergleich zu leichteren, modernen Serienbooten ein solides, beruhigendes Verhalten in der Welle verleiht. Der entscheidende Wert für die Stabilität der Yacht ist das Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von 40,74 %. Da mehr als vierzig Prozent des Bootsgewichts in ihrem gusseisernen Flossenkiel konzentriert sind, segelt die Puma 27 bemerkenswert steif. Sie trägt ihre Segelfläche mit Souveränität, setzt Krängung späten Widerstand entgegen und ermöglicht es der Crew, die Segel noch lange voll und auf Zug zu halten, wenn leichtere Boote ähnlicher Länge bereits reffen müssen.

Das Masttoppslup-Rigg verfügt über ein Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 17,01, was dafür sorgt, dass das Boot bei leichtem bis moderatem Wind lebendig und agil bleibt. Es beschleunigt nach Wenden schnell und läuft hoch am Wind hervorragende Höhe. Der Einfluss der IOR-Formel der späten 1970er Jahre zeigt sich jedoch in den flacheren vorderen Rumpfsektionen und dem breiten Heck. Diese Kombination führt zu einem Kenterungsverhältnis von 2.09, was knapp über dem konservativen Offshore-Grenzwert von 2,0 liegt. Dies bestätigt, dass die Puma 27 zwar kurzes Kabbelwasser und Küstentörns problemlos meistert, letztlich aber als Fahrtenyacht für Küstenreviere konzipiert ist. Ihr Komfort-Ratio von 19,21 deutet auf eine lebendige, aber berechenbare Bewegung in der Welle hin. An der Pinne vermittelt das Spatenruder eine direkte und feinfühlige Rückmeldung, allerdings müssen Steuerleute das breite Heck im Auge behalten, da das Boot auf raumen Kursen unter Spinnaker bei zu viel Druck luvgierig werden und aus dem Ruder laufen kann (Sonnenschuss).

Varianten & Konfigurationen

Während Rumpfform, Flossenkiel und Spatenruder über die gesamte Produktionszeit hinweg standardisiert blieben, gab es bei der Puma 27 Variationen beim Motor und den Decksbeschlägen. Die frühesten Modelle waren häufig mit Einbaudieselmotoren von Renault Marine Couach ausgestattet, meist dem RC16D (16 PS) oder dem kleineren RC8D. Diese Motoren waren einkreisgekühlt (mit Seewasser) und, obwohl einfach aufgebaut, aufgrund der zunehmenden Teileknappheit immer schwerer zu warten. In späteren Produktionsjahren verließen einige Rümpfe die Werft mit Motoren von Volvo Penta oder Solé Diesel.

Das Decks-Layout blieb als Masttoppslup konzipiert, es gibt jedoch Unterschiede bei den Winschen und dem laufenden Gut. Die meisten Boote wurden mit Lewmar 8 Fallwinschen am Mast und Lewmar 24 Genuawinschen auf den Cockpitsitzen ausgeliefert. Einige Rümpfe besaßen ein ab Werft installiertes Babystag zur Unterstützung des Masts mit einem Salingpaar, während andere auf ein traditionelleres Vorschiffs-Layout setzten.

Marktübersicht & Wirtschaftlichkeit

Jahrzehnte nach der Schließung der Werft hat die Puma 27 eine treue Fangemeinde, insbesondere in Spanien und im gesamten westlichen Mittelmeer. Auf dem Gebrauchtbootmarkt wird sie als hoch angesehenes, budgetfreundliches Einsteigerboot gehandelt. Aufgrund ihrer robusten GFK-Bauweise erzielt sie im Vergleich zu anderen spanischen Modellen derselben Ära einen leichten Aufpreis, bleibt aber sehr erschwinglich.

Bei der Bewertung einer Puma 27 müssen Kaufinteressenten den Anschaffungspreis sorgfältig gegen die Kosten für ein Refit abwägen. Viele angebotene Boote werden noch von den originalen, seewassergekühlten Renault-Motoren angetrieben. Der Austausch eines veralteten Motors durch einen modernen Diesel kann den Marktwert des gesamten Bootes schnell erreichen oder übersteigen. Ebenso sind Rümpfe, die jahrzehntelang im warmen Mittelmeerwasser lagen, typische Kandidaten für eine Osmosesanierung (Abschälen des Unterwasserschiffs). Daher stellen Käufer oft fest, dass der Aufpreis für ein segelfertiges Boot mit bereits ausgetauschtem Motor und saniertem Rumpf wirtschaftlich weitaus sinnvoller ist, als ein vernachlässigtes Projekt zu übernehmen.

Bekannte Schwachstellen & Inspektion

Wie bei jedem GFK-Segelboot aus dieser Ära ist auch bei der Puma 27 mit altersbedingtem Verschleiß zu rechnen, der bei einer Besichtigung vor dem Kauf systematisch überprüft werden sollte.

  • Osmose: Die in den späten 1970er und 1980er Jahren verwendeten Polyesterharze sind anfällig für Osmose. Beim Kranen zeigen sich häufig Blasen im Gelcoat, was ein Abschälen, Trocknen und den Neuaufbau mit einer Epoxid-Sperrschicht erfordert.
  • Undichtigkeiten an der Rumpf-Deck-Verbindung: Die Aluminium-Fußreling dient als primärer mechanischer Befestigungspunkt für die Rumpf-Deck-Verbindung. Durch jahrzehntelanges Arbeiten des Rumpfes kann die Dichtungsmasse in dieser Verbindung spröde werden, was bei starkem Regen oder beim Segeln mit viel Krängung am Wind zu hartnäckigen Lecks in der Kabine führt. Das Abdichten oder Laminieren der Verbindung von innen ist eine häufige, aber arbeitsintensive Reparatur.
  • Weiches Deck & Kompression am Mastfuß: Das Deck hat einen Balsaholzkern, der verrotten kann, wenn Wasser durch schlecht abgedichtete Decksbeschläge, Relingstützen oder den Mastfuß eindringt. Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Deck um den Mastfuß gewidmet werden, da ein feuchter Kern zur Kompression des Decks und in der Folge zu einem durchhängenden Rigg führen kann.
  • Ruderschaft und Lager: Das stark belastete Spatenruder neigt dazu, Spiel zu entwickeln. Verschleiß im Koker und den Lagern kann Vibrationen an der Pinne verursachen und im Extremfall dazu führen, dass Wasser an der Stopfbuchse vorbeisickert.
  • Veraltete Renault-Motoren: Für Boote, die noch mit dem originalen Renault RC16D laufen, ist die Beschaffung von internen Motorenteilen, Wärmetauschern oder Auspuffkrümmern extrem schwierig. Dies erfordert oft Einzelanfertigungen oder die Suche auf Bootsfriedhöfen.

Modernisierung & Upgrades

Heutige Eigner einer Puma 27 konzentrieren sich bei Upgrades darauf, den Komfort auf Törns zu verbessern und das Boot für das Einhandsegeln anzupassen.

  • Neuer Motor: Der Austausch des originalen Renault-Motors durch einen modernen, zweikreisgekühlten Solé Mini-17 oder Yanmar 2YM15 ist die lohnendste Investition. Diese modernen Diesel bieten eine hervorragende Kraftstoffeffizienz, weniger Vibrationen und eine zuverlässige Ersatzteilversorgung.
  • Modernisierung der Elektrik: Der Umstieg auf Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePO4) als Verbraucherbank ist weit verbreitet. Da in der Kabine der Platz für große Generatoren fehlt, montieren Eigner oft semiflexible Solarpaneele auf dem Bimini oder installieren einen Edelstahl-Geräteträger am Heck, um die Batterieladung vor Anker zu sichern.
  • Laufendes Gut und Segelhandling: Viele Eigner führen Fallen, Reffleinen und die Großschot nach achtern ins Cockpit um, indem sie Decksorganizer und Fallklemmen auf dem Kajütdach installieren. Der Austausch der alten Genuawinschen gegen moderne, selbstholende Winschen vereinfacht das Segeln mit kleiner Crew erheblich.
  • Innenraum-Refit: Der Austausch alter Polster, die Umrüstung der manuellen Bordtoilette auf ein System mit Fäkalientank und die Installation von effizienter LED-Beleuchtung in der Kabine gehören zu den üblichen optischen und funktionalen Verbesserungen.

Das Fazit

Die Puma 27 ist ein außergewöhnlicher, klassischer Pocket-Cruiser, der die legendäre Design-DNA von Ron Holland erfolgreich mit der robusten Bauqualität der goldenen Ära des spanischen GFK-Bootsbaus verbindet. Sie ist steif, schnell und für ihre Größe bemerkenswert geräumig, was sie zu einer erstklassigen Wahl für Segler macht, die eine echte Segelyacht unter dreißig Fuß suchen. Obwohl gealterte Technik und optischer Verschleiß zu erwarten sind, bietet eine gut gepflegte oder sorgfältig refittete Puma 27 Segeleigenschaften, die es mit weitaus teureren modernen Konstruktionen aufnehmen können.

Vorteile

  • Hervorragende Segelleistung mit hoher Anfangsstabilität dank eines Ballastanteils von 40,74 %.
  • Durchdachte Innenraumaufteilung, die den nutzbaren Raum maximiert, mit klappbarem Esstisch, eigener Navigationsecke und Kojen für bis zu sechs Personen.
  • Robuster, handaufgelegter GFK-Rumpf, der auch in rauem Küsten-Kabbelwasser strukturelles Vertrauen vermittelt.
  • Sehr direktes und feinfühliges Rudergefühl durch das gut ausbalancierte Spatenruder.
  • Starke, aktive Eignergemeinschaft und hoher Bekanntheitsgrad der Marke auf dem europäischen Markt.

Nachteile

  • Die originalen Renault Marine-Motoren sind veraltet, was die Ersatzteilbeschaffung schwierig und teuer macht.
  • Ältere Rümpfe aus Polyesterharz sind anfällig für Osmose und erfordern eine sorgfältige Prüfung.
  • Gefahr von Wassereinbruch und Fäulnis im Balsakern im Bereich der Decksbeschläge und der Rumpf-Deck-Verbindung.
  • Das breite, flache Heck erfordert bei viel Wind und Welle vor dem Wind ein aktives Steuern, um ein Aus dem Ruder laufen zu verhindern.
  • Eingeschränkte Stehhöhe für größere Segler (durchschnittlich ca. 1,75 m).

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