Designkonzept & Zielsetzung
Die Valiant 42 RS wurde als kompromisslose Blauwasser-Fahrtenyacht für kleine Crews – primär für segelnde Paare – konzipiert. Im Gegensatz zu den damaligen Serien-Küstenkreuzern europäischer Werften oder den stark isolierten, ultratraditionellen Langkielern aus Fernost suchte die Valiant 42 RS einen klaren Mittelweg: ein leicht zu handhabendes, hochfestes Boot, das aktives Segeln belohnt und gleichzeitig beispiellose Sicherheit bietet. Was die RS-Variante von der Standard-Valiant 42 unterschied, war ihr Raised-Salon-Konzept. Durch das Anheben des Kajütaufbaus gelang es Valiant, Pantry, Salon und Navigationsecke auf einer einzigen, erhöhten Ebene unterzubringen. Diese Designentscheidung löste ein häufiges Problem von Langzeitseglern – das Gefühl, unter Deck in einer tiefen, dunklen „Höhle“ isoliert zu sein. Riesige, halbzoll dicke Lexan-Bullaugen in Luftfahrtqualität mit schweren Aluminiumrahmen fluteten den Innenraum mit natürlichem Licht und boten einen Panoramablick auf den Horizont. So konnte die Wache unter Deck den Kurs bequem aus dem Niedergang heraus per Autopilot-Fernbedienung überwachen. (2, 3)
Der Innenausbau und die strukturelle Integrität der Kabine spiegeln die legendäre Liebe zum Detail von Valiant wider. Jedes vertikale und horizontale Möbelteil ist akribisch direkt mit Rumpf und Deck einlaminiert, wodurch die Inneneinrichtung zu strukturellen Schotten wird, die die gesamte Yacht enorm versteifen. Edler, handpolierter Kirschbaum- oder Teak-Ausbau, akzentuiert mit Esche und Pappel, prägt die Wohnbereiche. Die Handwerkskunst ist robust und absolut seetauglich, mit schweren Massivholztüren, tiefen Schlingerleisten zur Sicherung von Gegenständen auf See und hochwertigen Verschlüssen, die nicht klappern. Im Vergleich zu Konkurrenzbooten jener Zeit, wie der Island Packet 40 oder Hallberg-Rassy 42, wirkt das Interieur der Valiant weniger wie ein Serienboot, sondern vielmehr wie eine maßgeschneiderte, handgefertigte Yacht, die für die strukturellen Belastungen des offenen Ozeans gebaut wurde. (4, 5)
Varianten & Konfigurationen
Während der klassische Valiant-Rumpf über die gesamte lange Produktionszeit hinweg nahezu unverändert blieb, wurde die 42 RS mit wichtigen strukturellen und Layout-Optionen angeboten, um den spezifischen Bedürfnissen ihrer Eigner gerecht zu werden. Hauptsächlich als Kutter getakelt, nutzte die 42 RS ein robustes, maßgeschneidertes Bugspriet aus Edelstahl, das das Vorsegeldreieck vergrößerte und einen äußerst vielseitigen und leicht zu bedienenden Segelplan ermöglichte. Das Kutterrigg war Standard und verfügte über ein Stagsegel an einem abnehmbaren oder rollbaren inneren Vorstag, wodurch die Crew die Segelfläche bei Schwerwetter problemlos verkleinern konnte, ohne die Plicht verlassen zu müssen. (1, 4, 6)
Auch die Tiefgangsoptionen waren ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Der standardmäßige tiefe Flossenkiel wies einen Tiefgang von vollen sechs Fuß auf, was den Auftrieb und die Höhe am Wind maximierte. Für Segler, die flache Reviere wie die Bahamas, Florida oder den Intracoastal Waterway anvisierten, bot Valiant jedoch eine Flachkiel-Version mit einem Tiefgang von fünf Fuß und sechs Zoll an. Diese Option mit geringem Tiefgang nutzte ein modifiziertes Kiel-Design, das in Zusammenarbeit mit dem Kielsperzialisten David Vacanti entwickelt wurde. Es wies eine breitere Vorderkante und eine schmalere Hinterkante auf, um so viel hydrodynamische Effizienz und Auftrieb wie möglich zu erhalten und die üblichen Leistungseinbußen eines geringen Tiefgangs zu minimieren. (1)
Unter Deck diktierte das Raised-Salon-Profil zwar eine bestimmte Höhe des Salons, doch die Eigner konnten dennoch zwischen verschiedenen Vorschiffslayouts wählen. Während einige Rümpfe eine seitlich versetzte Pullman-Koje mit angrenzender Bug-Nasszelle aufwiesen, war die bei Paaren beliebteste Konfiguration das „Center Entry Queen“-Layout. Dieses Layout bot eine großzügige Doppel-V-Koje im Vorschiff mit geräumigen Kleiderschränken, Bücherregalen und tiefem Stauraum darunter, während die primäre Nasszelle mit separater Duschkabine achtern neben dem Niedergang platziert wurde, wo sie bei rauem Seegang am besten zugänglich und stabil liegt. (1, 4)
Segelleistung & Handling
Unter Segeln verhält sich die Valiant 42 RS wie eine reinrassige Blauwasseryacht, die ihre Verdrängung mit bemerkenswerter Eleganz trägt. Ihre technischen Kennzahlen erzählen die Geschichte eines Bootes, das auf berechenbare Sicherheit und hervorragende Kursstabilität im Seegang optimiert ist. Mit einem Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 271,79 fällt die 42 RS fest in die Kategorie der moderaten bis schweren Verdränger. In der Praxis verleiht dies dem Rumpf ein enormes physikalisches Trägheitsmoment; er wird von steiler, kurzer Welle nicht so leicht gestoppt oder herumgeworfen, sondern schneidet mit einer angenehmen, seefreundlichen Bewegung durch die See, was die Ermüdung der Crew minimiert.
Dieses komfortable Seeverhalten wird durch eine hohe Komfort-Ratio von 35,44 bestätigt. Das Boot widersteht den harten, ruckartigen Beschleunigungen moderner, flachbödiger Konstruktionen und zeigt stattdessen eine langsame, sanfte Rollperiode, die es der Crew ermöglicht, unterwegs sicher zu schlafen, zu kochen und sich zu bewegen. Gepaart mit einem Kenterungsverhältnis von 1,74, das deutlich unter dem kritischen Sicherheitswert von 2,0 liegt, garantiert die 42 RS außergewöhnliche Endstabilität und Sicherheit bei schweren Querschlägern. Ein Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von 38,0 % trägt weiter zu dieser Steifigkeit bei und sorgt dafür, dass das Boot viel Wind verträgt und seine Segelfläche effizient nutzt.
Das Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 14,84 deutet auf ein konservatives, hochseeorientiertes Rigg hin. Bei leichtem Wind unter zehn Knoten ist das Boot relativ schwer und wirkt ohne die Hilfe eines speziellen Raumwindsegels wie eines asymmetrischen Spinnakers oder einer großen Genua untertakelt. Sobald der Wind jedoch über fünfzehn Knoten steigt, erwacht der Rumpf zum Leben. Das Ruder bleibt unglaublich ausgewogen, und der lange, im Vorfuß zurückgeschnittene Flossenkiel sowie das tiefe, Skeg-aufgehängte Ruder sorgen dafür, dass das Boot mit minimalem Aufwand stur Kurs hält. Eigner berichten regelmäßig, dass sich die 42 RS spielend mit einem Finger am Steuerrad steuern lässt oder stundenlang perfekt unter einer Windfahnensteuerung läuft, wodurch kleine Crews wertvollen Batteriestrom sparen und sich ausruhen können.
Marktübersicht & Wirtschaftlichkeit
Die Valiant 42 RS besetzt eine begehrte Nische auf dem Gebrauchtbootmarkt und wird als Premium-Blauwasserklassiker in geringen Stückzahlen gehandelt. Da Valiant Yachts die Produktion im Jahr 2011 eingestellt hat, sind diese Boote relativ selten. Wenn ein gut gepflegtes Exemplar auftaucht, erzielt es einen erheblichen Aufpreis gegenüber Serien-Fahrtenyachten ähnlichen Alters. Der Ruf des Bootes für seine unverwüstliche Bauweise und die Verbindung mit Bob Perrys legendärem Design schützen es vor dem raschen Wertverlust, den man bei gängigeren Marken beobachtet.
Aus wirtschaftlicher Sicht müssen Käufer einer Valiant 42 RS die Realitäten der Instandhaltung einer hochwertigen, älteren Blauwasseryacht einkalkulieren. Obwohl die Rumpf- und Decksstrukturen unglaublich robust sind, haben viele dieser Schiffe bereits zehntausende Seemeilen im Kielwasser. Ein zukünftiger Eigner sollte Budget für typische große Refit-Arbeiten einplanen, wie den Austausch des stehenden Guts, die Aktualisierung veralteter Elektronik und die Wartung oder den Austausch der Maschine. Die in diesen Booten installierten Westerbeke-Dieselmotoren sind bei ordnungsgemäßer Wartung äußerst zuverlässig, doch das Erreichen des Endes ihrer Lebensdauer kann eine erhebliche Investition in eine Remotorisierung erfordern. Da die strukturelle Integrität des Bootes jedoch praktisch zeitlos ist, gilt die Investition in ein umfassendes Refit bei einer Valiant 42 RS allgemein als wirtschaftlich sinnvoll, da das fertige Schiff seinen Marktwert problemlos behält und für die nächste Generation von Blauwasserseglern hochgradig attraktiv bleibt. (7)
Bekannte Schwachstellen & Risikobewertung
Das historisch bedeutendste Problem der Marke Valiant – die berüchtigte Osmose-Blasenbildung im Rumpf, die durch feuerhemmende Hetron-Harze verursacht wurde – ist bei der Valiant 42 RS völlig kein Thema. Diese Probleme waren strikt auf die von Uniflite gebauten Rümpfe aus den Jahren 1976 bis 1981 beschränkt. Alle Valiant 42 RS-Modelle wurden im Werk in Texas unter Verwendung hochwertiger Isophthalsäure-Polyesterharze und Gelcoats gebaut, wodurch Rumpfblasen kein Thema sind.
Wie bei jeder Yacht dieses Alters gibt es jedoch auch bei der 42 RS spezifische Bereiche, die eine sorgfältige Inspektion und vorbeugende Wartung erfordern. Der wichtigste Punkt bei der Begutachtung ist das Deck mit Balsaholzkern. Obwohl Valiant in hochbelasteten Bereichen hochdichten Schaumstoff verwendete und alle Werftbeschläge sorgfältig mit Gegenplatten durchgebolzt hat, kann nachträglich von Vorbesitzern installiertes Zubehör ohne ordnungsgemäße Abdichtung zu lokalen Feuchtigkeitsschäden führen. Besondere Aufmerksamkeit sollte den Bereichen um das massive Edelstahl-Bugspriet, die Ankerwinde und die Relingstützen gewidmet werden, wo hohe Segellasten die Dichtungsmasse im Laufe der Zeit ermüden und Wasser in den Kern sickern lassen können. (7, 8, 9)
Zudem erfordern die Püttinge eine sorgfältige Überwachung. Valiant hat die Püttinge klugerweise nicht direkt in das Rumpflaminat einlaminiert, sondern sie mit soliden, am Rumpf anlaminierten Glasfaser-Kniekonstruktionen durchgebolzt. Dies macht sie weitaus einfacher zu inspizieren als bei vielen anderen Fahrtenyachten. Dennoch müssen sie regelmäßig von der Decksseite her neu eingedichtet werden, um zu verhindern, dass Salzwasser an den Edelstahlbändern hinabsickert. Wird dies vernachlässigt, kann in der feuchten, sauerstoffarmen Umgebung, in der die Püttinge das Deck durchdringen, Spaltkorrosion entstehen, die die Integrität des Riggs gefährdet. Da der Motor zudem mit einem V-Antrieb gekoppelt ist, liegt der Zugang zur Stopfbuchse und zum Wellenlager tief unter der Koje der Achterkabine, was routinemäßige Einstellungen der Stopfbuchse oder Ausrichtungsprüfungen der Welle körperlich anstrengend macht und von nachlässigen Eignern leicht übersehen wird. (1, 9)
Modernisierung & Upgrades
Heutige Eigner der Valiant 42 RS rüsten diese Schiffe aktiv auf, um den Anforderungen des autarken Langstreckensegelns gerecht zu werden. Das beliebteste Modernisierungsprojekt betrifft die elektrische Infrastruktur der Yacht. Immer mehr Segler ersetzen die ursprünglichen, schweren Blei-Säure- oder AGM-Batteriebänke durch hochkapazitive Lithium-Eisenphosphat-Systeme (LiFePO4). Der geräumige Motorraum und die speziellen Batteriekästen bieten problemlos Platz für diese Umbauten. Um die schnellen Ladeanforderungen von Lithium-Batterien zu unterstützen, installieren Eigner Hochleistungs-Lichtmaschinen (wie Balmar 120-A- oder 170-A-Einheiten) in Kombination mit externen Smart-Reglern, um den Riemenantrieb des Motors zu schützen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Integration erneuerbarer Energien. Da die 42 RS über ein klares, aufgeräumtes Deck mit minimalem Außenholz verfügt, können Eigner problemlos schwere Edelstahl-Geräteträger am Heck montieren. Diese Bügel erfüllen einen doppelten Zweck: Sie dienen als robuste Davits für das Beiboot und bieten eine erhöhte, schattenfreie Plattform für leistungsstarke Solarpaneele. In Kombination mit modernen MPPT-Solarreglern und Windgeneratoren berichten viele Eigner von vollständiger Energieautarkie. Dies ermöglicht es ihnen, moderne Annehmlichkeiten wie Wassermacher und sogar Klimaanlagen zu betreiben, ohne auf einen Dieselgenerator angewiesen zu sein. Darüber hinaus senkt der Austausch der älteren, stromhungrigen Glühlampen durch LED-Leuchten im gesamten Innenraum und an den Navigationslichtern den täglichen Strombedarf des Bootes drastisch, was den Übergang zu einer modernen, autarken Fahrtenplattform äußerst praktikabel macht. (1)
Das Fazit
Die Valiant 42 RS bleibt eine der besten in Amerika gebauten Blauwasser-Fahrtenyachten aller Zeiten und stellt den absoluten Höhepunkt von Bob Perrys Evolution des Performance-Cruisers dar. Es ist ein Boot, das für die harten Realitäten von Hochseepassagen gebaut wurde und eine außergewöhnliche Balance aus struktureller Sicherheit, angenehmer Bewegung im Seegang und berechenbarem Handling bietet. Obwohl sie keine Leichtwind-Regattayacht ist und auf dem Gebrauchtmarkt ihren Preis hat, machen ihre unverwüstliche Bauweise, die hervorragende Sicht durch den Raised Salon und ihre legendäre Ahnentafel sie zu einer erstklassigen Wahl für Paare, die mit kleiner Crew Ozeane komfortabel und sicher überqueren wollen.
Vorteile
- Außergewöhnliche Endstabilität durch ein niedriges Kenterungsverhältnis und reichlich Ballast.
- Extrem komfortables, seefreundliches Verhalten bei Schwerwetter, das die Ermüdung der Crew minimiert.
- Das Raised-Salon-Konzept bietet hervorragendes Licht und Rundumsicht von unter Deck.
- Hochfeste, handlaminierte Konstruktion, bei der alle Möbel direkt mit dem Rumpf einlaminiert sind.
- Gut zugängliche Püttinge und ein übersichtliches Systemlayout für einfache Wartung durch den Eigner.
- Völliges Fehlen der historischen Osmoseprobleme früherer Valiant-Modelle. (4, 5, 9)
Nachteile
- Der konservative Segelplan führt zu mäßiger Leistung bei leichtem Wind unter zehn Knoten.
- Hoher Anschaffungspreis und stabile Gebrauchtbootpreise erfordern eine erhebliche Investition.
- Der enge Zugang zum Wellenlager des V-Antriebs und zur Stopfbuchse erschwert routinemäßige Wartungsarbeiten.
- Decks mit Balsaholzkern erfordern akribische Inspektionen, um lokalen Wassereintritt zu verhindern.
- Das Fehlen einer modernen Badeplattform am Heck erschwert das Einsteigen aus dem Beiboot oder dem Wasser. (1, 7)







