Konzept & Absicht
Die Ohlson 36 wurde für den anspruchsvollen Segler entworfen, der eine konkurrenzfähige Regattayacht suchte, die sich ebenso in eine komfortable Familien-Fahrtenyacht verwandeln ließ. In den Vereinigten Staaten wurden die frühen Modelle vom Olympiasieger George O'Day und später von der bekannten Yachtagentur Campbell & Sheehan aus Larchmont, New York, importiert. Um sich gegen die beliebten amerikanischen Entwürfe der damaligen Zeit zu behaupten, setzte Einar Ohlson auf traditionelle skandinavische Bootsbaukunst. (1, 3)
Der Rumpf wurde hauptsächlich in Schweden von Spitzenwerften auf der Insel Orust gebaut, darunter Bröderna Gustavsson und Martinsson. Er bestand aus Karweel-beplanktem Honduras-Mahagoni auf dampfgebogenen oder laminierten Eichenspanten. Die Verarbeitung war vorbildlich und zeigte ein Niveau im Holzinnenausbau, das für amerikanische Werften unbezahlbar gewesen wäre. Unter Deck war die Aufteilung auf Sicherheit auf See optimiert. Die Kabinenaufteilung bot typischerweise vier bis sechs Kojen, tiefe Mahagoni-Schlingerleisten auf allen flachen Oberflächen und robuste Handläufe. Die Wärme des lackierten Mahagoni-Interieurs, kombiniert mit einer praktischen Aufteilung mit einer sicheren Pantry, einer eigenen Navigationsecke und einer funktionalen Nasszelle, machte die Ohlson 36 zu einem gemütlichen Zufluchtsort auf langen Seetörns. (1, 3, 4)
Varianten & Konfigurationen
Einar Ohlson entwarf die Ohlson 36 mit hoher Vielseitigkeit und bot sie sowohl als Masttoppslup als auch als Yawl an. Das Yawl-Rigg besaß einen Großmast und einen kleinen Besanmast, der achtern vom Ruderschaft positioniert war. Während die Slup für reine Leistung am Wind bevorzugt wurde, erlangte das Yawl-Rigg in den USA immense Popularität. Das Besansegel ermöglichte eine hervorragende Balance unter Segeln, vereinfachte das Segeln mit kleiner Crew (da das Großsegel geborgen werden konnte, während das Boot unter „Besan und Fock“ steuerbar blieb) und bot die Möglichkeit, für zusätzlichen Vortrieb auf raumen Kursen ein Besanstagsegel zu setzen. (1, 2, 3, 5)
Der Entwurf wurde 1964 mit der Einführung der Version Mark II einer umfassenden Überarbeitung unterzogen. Während die ursprünglichen Rümpfe eine Breite von 9,33 Fuß aufwiesen, besaß die Mark II einen leicht verbreiterten Rumpf mit einer Breite von 9,67 Fuß. Diese Änderung erhöhte die Anfangsstabilität und bot mehr Innenraumvolumen, ohne die schnittige Linie des Bootes zu beeinträchtigen. Die Mark II erhielt außerdem modifizierte Spanten, geringfügige Änderungen am Kiel und ein verbessertes Ruderprofil für ein direkteres Rudergefühl. (1, 3, 6)
Segelleistung & Handhabung
Unter Segeln zeigt die Ohlson 36 das berechenbare, gutmütige Seeverhalten, das für klassische, schwere Fahrtenyachten typisch ist. Mit einer Verdrängung von 13.800 Pfund und einer kurzen Wasserlinienlänge von 25,0 Fuß weist das Boot ein hohes Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 394,29 auf. Dieses schwere Rumpfprofil sorgt dafür, dass sie in Kabbelwasser nicht stampft oder einsetzt; stattdessen schneidet sie sauber durch die Wellen und behält ihre Fahrt im Boot. Die Komfort-Ratio von 38,48 bestätigt diese physikalische Eigenschaft und steht für ein außergewöhnlich weiches, stabiles Seeverhalten, das die Ermüdung der Crew auf langen Strecken minimiert. (1, 6)
Die Sicherheitsreserven des Bootes sind ebenso robust, mit einem Kenterungsverhältnis von 1,56, was bedeutet, dass der Rumpf eine hohe Kentersicherheit und hervorragende Aufrichtkräfte besitzt. An der Radsteuerung oder Pinne sorgt das Ballast-Verdrängungs-Verhältnis (B/D) von 36,23 Prozent für ein steifes, stabiles Gefühl. Wenn der Wind zunimmt, krängt das Boot bis zu einem angenehmen Winkel, zieht stabil seine Bahn und läuft mit minimalem Ruderdruck geradeaus.
Mit einem Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 14.89 ist die Besegelung nach modernen Maßstäben konservativ, was das Boot bei Leichtwind etwas untertakelt wirken lassen kann. Die von Olympia-Entwürfen abgeleiteten Rumpflinien von Einar Ohlson weisen jedoch einen sehr feinen Vorschiffseintritt und ein elegantes Heck auf, was den Widerstand minimiert. Dadurch gleitet die Ohlson 36 selbst bei leichten Brisen überraschend gut dahin, wo andere schwere Fahrtenyachten ihrer Epoche bereits liegenbleiben würden. (1, 3, 6)
Markt & Wirtschaftlichkeit
Jahrzehnte nachdem der letzte Rumpf die Werften auf Orust verlassen hat, besetzt die Ohlson 36 eine besondere Nische auf dem Markt für klassische Boote. Da fast alle der über 140 gebauten Rümpfe in die USA exportiert wurden, sind sie gelegentlich an der Ost- und Westküste zu finden. Diese Boote werden im Vergleich zu Klassikern aus GFK zu relativ günstigen Preisen gehandelt, da der Markt bei Holzrümpfen aufgrund des laufenden Pflegeaufwands erhebliche Abschläge vornimmt. (3)
Eine Ohlson 36, die größere strukturelle Arbeiten benötigt, ist oft für einen sehr geringen Einstiegspreis zu haben. Käufer müssen jedoch bedenken, dass die Kosten für eine professionelle Restaurierung einer Holzyacht den späteren Marktwert des Bootes leicht übersteigen können. Umgekehrt erzielen gut gepflegte oder vollständig restaurierte Exemplare bei Liebhabern von Holzbooten und Seglern klassischer Yachten Spitzenpreise. Der Besitz einer Ohlson 36 ist eine Aufgabe der Denkmalpflege; wer bereit ist, Zeit und Geld in den jährlichen Lackaufbau und den Erhalt der Substanz zu investieren, besitzt ein Stück maritimer Geschichte, das in jedem Hafen die Blicke auf sich zieht. (1)
Bekannte Schwachstellen & Wartung
Potenzielle Käufer müssen sich der Konstruktion einer klassischen Holzyacht bewusst sein. Das größte technische Problem resultiert aus der speziellen Bauweise mit verleimten Karweel-Fugen. Diese Methode ermöglichte zwar extrem glatte Rümpfe, die kein traditionelles Kalfatern erforderten, birgt jedoch ein hohes strukturelles Risiko, wenn das Boot zu lange an Land austrocknet. Wenn ein ausgetrockneter Rumpf wieder zu Wasser gelassen wird, quellen die Mahagoniplanken auf. Da die flächig verleimten Fugen kaum komprimierbar sind, übertragen sich die Dehnungskräfte direkt auf die Eichenspanten, was zu gerissenen oder gebrochenen Spanten führen kann.
Ein weiterer Bereich, der genau untersucht werden muss, sind die Befestigungen. Die Planken wurden mit Kupfernieten befestigt, die nach über sechzig Jahren harten Segelns unter Metallermüdung leiden oder sich durch weiches Holz ziehen können. Die Spantenköpfe, insbesondere im Bereich der Püttinge und der Rumpf-Deck-Verbindung, sind durch Süßwasserleckagen vom Deck her stark rotgefährdet. Zudem müssen der massive Kielbalken aus Holz, der Vorsteven und das Achtertholz gründlich auf weiche Stellen und Rotte untersucht werden, da Reparaturen am tragenden Skelett des Bootes hochqualifizierte Bootsbauerarbeit erfordern. (3)
Modernisierung & Umbauten
Die meisten noch segelnden Ohlson 36 wurden umfassend modernisiert, um heute als zuverlässige Fahrtenyachten genutzt werden zu können. Die ursprünglichen Motoren – oft einkreisgekühlte Albin- oder Graymarine-Benziner oder sogar winzige Hilfs-Zweitakter wie Vire-Motoren – sind heute durchweg veraltet. Der moderne Standard-Umbau ist ein kompletter Motorenwechsel auf einen leichten, zweikreisgekühlten Dieselmotor, wie etwa ein Aggregat von Beta Marine oder Volvo Penta mit 25 bis 30 PS. Dies verbessert nicht nur die Zuverlässigkeit und Sicherheit erheblich, sondern bringt auch wichtiges Gewicht tief in den Rumpf.
Erfahrene Eigner haben zudem die Elektrik modernisiert. Die ursprüngliche Verkabelung wird meist durch moderne, verzinnte Kupferkabel für den Marinebereich, Hochleistungs-Lichtmaschinen und zunehmend durch Lithium-Eisenphosphat-Batteriebänke ersetzt. Aufgrund des begrenzten Raums an Bord haben sich einige Eigner für Trockentrenntoiletten entschieden, um die komplexen Schlauchleitungen und Seewassereinlässe alter Bordtoiletten zu eliminieren. Mit Segeltuch bezogene Holzdecks, die oft eine Quelle für Süßwasserleckagen waren, werden häufig durch modernes, in GFK laminiertes Marinesperrholz ersetzt oder überdeckt, um das Deck dauerhaft gegen Feuchtigkeit abzudichten.
Fazit
Die Ohlson 36 bleibt eines der schönsten Beispiele schwedischen Yachtdesigns der Jahrhundertmitte und bietet eine unvergleichliche Mischung aus klassischer Schönheit, gutmütigem Seeverhalten und historischer Herkunft. Sie ist eine echte Segler-Yacht, die ihren Steuermann mit hervorragender Kursstabilität und sanften Bewegungen belohnt, wie sie moderne GFK-Boote mit flachem Boden nicht kopieren können. Sie ist jedoch kein Boot für Gelegenheitssegler. Der Besitz einer Ohlson 36 erfordert ein tiefes Engagement für die Pflege eines Holzbootes. Für den engagierten Eigner ist sie eine lohnende, hochseetüchtige Fahrtenyacht, die ihrem legendären Ruf als „The Racing Machine“ nach wie vor gerecht wird. (1, 2, 3)
Vorteile:
- Hervorragender Bewegungskomfort und Kursstabilität in schwerer See.
- Klassische, elegante Ästhetik mit hochwertigem Mahagoni-Innenausbau.
- Außergewöhnliche strukturelle Sicherheit mit sehr geringem Kenterrisiko.
- Aktive und leidenschaftliche Klassiker-Gemeinschaft für technische Unterstützung.
- Sehr vielseitige Rigg-Optionen, insbesondere die ausgewogene Yawl-Konfiguration.
Nachteile:
- Die Bauweise mit verleimten Fugen reagiert extrem empfindlich auf Austrocknung und kann zu Spantenrissen führen.
- Hoher jährlicher Pflegeaufwand und Restaurierungskosten, die mit Holzrümpfen verbunden sind.
- Anfällig für Süßwasserrotte an Spantenköpfen, Vorsteven und Decksstrukturen.
- Bei Leichtwind im Vergleich zu modernen Renn- und Fahrtenyachten untertakelt.
- Originale Hilfsmotoren und elektrische Systeme sind veraltet und erfordern teure Modernisierungen.









