Granada 23 — Informationen, Bewertung, technische Daten

Elvstrøm & Kjærulff·1976 – 1981·Granada Yachts
Granada 23 drawingWerftzeichnung
Rumpfart
Einrumpf · flossenkiel
Rigg
7/8-Slup
LOA
23.03' · 7.02 m
Verdr.
3.748 lbs · 1.700 kg
Erstes Baujahr
1976

Die Granada 23, die zwischen 1976 und 1981 von der dänischen Werft Gesten Glasfiber Bådeværft gebaut wurde, ist eine klassische skandinavische KleinkreuzerYacht, die weit über ihre physischen Maße hinausragt. Konzipiert während des Booms der trailerbaren Boote und FamilienKleinkreuzer unter 25 Fuß, wurde die Yacht vom weltbekannten Konstruktionsbüro Elvstrøm & Kjærulff entworfen. Paul Elvstrøm, eine legendäre vierfache OlympiaGoldmedaille, tat sich mit dem Designer Jan Kjærulff zusammen, um eine Reihe von Yachten zu entwerfen, bei denen Sicherheit, hohe Stabilität und verfeinerte Segeleigenschaften im Vordergrund standen – ideal für das Kabbelwasser der Ostsee und des Kattegats. In einer Ära, in der viele Serienwerften auf billige Massenware setzten, baute die dänische Werft die Granada 23 nach hohen Qualitätsstandards und etablierte das Modell als robuste, seetüchtige Option sowohl für das Küstensegeln als auch für Clubregatten.

Messwerte

Abmessungen 01

Länge über alles
23,03 ft
Länge an Deck
Länge in der Wasserlinie
19,68 ft
Breite
7,55 ft
Tiefgang
4,76 ft
Maximale Stehhöhe
Durchfahrtshöhe

Bauweise & Rumpf 02

Bauweise
Glasfaser
Rumpfart
Einrumpf
Kielart
Flossenkiel
Ruder
1× Spatenruder
Ballast
1.830 lbs (Eisen)
Verdrängung
3.748 lbs
Wasserkapazität
Kraftstoffkapazität

Rigg & Segel 03

Rigg-Art
7/8-Slup
Vorliek Großsegel
30,38 ft
Unterliek Großsegel
9,51 ft
Vorsegeldreieck Höhe
28,2 ft
Vorsegeldreieck Basis
8,86 ft
Vorstaglänge (geschätzt)
29,56 ft
Segelfläche
269 sqft

Berechnungen 04

Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis
17,84
Ballast-Verdrängungs-Verhältnis
48,83
Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L)
219,52
Komfort-Ratio
18,95
Kenterungsverhältnis
1,94
Rumpfgeschwindigkeit
5,94 kn

Designkonzept & Zielsetzung

Die Granada 23 wurde für Segler gebaut, die echte Seetüchtigkeit auf kompakter Grundfläche verlangten. Im Gegensatz zu den leichten, oft minimalistischen Kleinkreuzern, die Ende der 1970er Jahre in Frankreich und Nordamerika aufkamen, konzentrierten sich die dänischen Bootsbauer auf strukturelle Integrität und Seeverhalten. Das Boot war als zuverlässiger Familien-Weekender gedacht, der plötzliche Wetterumschwünge auf offenen Küstengewässern ohne Drama meistern konnte. Es positionierte sich als Premium-Alternative zu damaligen Konkurrenten wie der schwedischen Maxi 68 oder Albin Express und hob sich durch seinen überlegenen Innenausbau und solidere Laminatstärken ab.

Beim Betreten des Innenraums zeigt sich eine Kabine, die mit edlen Teakholzfurnieren und massiven Teakholzleisten ausgestattet ist – ein Zeugnis traditioneller dänischer Handwerkskunst auf ihrem Höhepunkt. Um zu verhindern, dass der Innenraum eines 23-Fuß-Bootes klaustrophobisch wirkt, verzichteten die Konstrukteure auf ein formelles Schott zwischen dem Hauptsalon und dem Vorschiff. Stattdessen nutzten sie die Maststütze als visuelle Trennlinie, was ein offenes Raumkonzept schafft, das überraschend geräumig wirkt. Die Aufteilung bietet eine klassische V-Koje im Vorschiff, zwei gegenüberliegende Längssofas im Salon, die als Einzelkojen dienen, ein kompaktes, ausziehbares Pantry-Regal und einen vorgesehenen Platz für eine chemische Toilette unter der Vorschiffskoje. Obwohl die maximale Stehhöhe in der Kabine von etwa 1,47 Metern unter Deck nur ein Sitzen erlaubt, ist die Ergonomie des Raumes für den Komfort vor Anker oder beim Ausruhen nach einem langen Törn hervorragend optimiert.

Segeleigenschaften & Handhabung

Die physischen Parameter der Granada 23 übersetzen sich direkt in ein sehr sicheres, steifes und lohnendes Gefühl an der Pinne. Mit einer Verdrängung von 1.700 kg und einer Wasserlinienlänge von 6,00 Metern weist die Yacht ein Verdrängungs-Längen-Verhältnis von 219,52 auf. Dies platziert den Rumpf genau in der Kategorie der moderaten Verdränger und verleiht ihm ein solides Verhalten, das den nervösen, ermüdenden Bewegungen ultraleichter Kleinkreuzer derselben Ära widersteht.

Das prägende Merkmal des Elvstrøm & Kjærulff-Entwurfs ist das außergewöhnliche Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 48,83 %. Mit 830 kg Eisenballast in ihrem tiefgehenden Flossenkiel ist die Yacht außergewöhnlich steif. Dieses hohe aufrichtende Moment ermöglicht es dem Boot, auch bei Bedingungen, die zeitgenössische Kleinkreuzer zum Reffen zwingen würden, bequem mit vollen Segeln zu fahren. Sie steht bei steifer Brise aufrecht am Wind und hat ein Kenterungsverhältnis von 1,94, was deutlich unter dem traditionellen Sicherheitsgrenzwert von 2,0 liegt. Dies bestätigt, dass das Boot bei schweren Sonnenschüssen hervorragende physikalische Aufrichteigenschaften besitzt.

Das 7/8-Slup-Rigg verfügt über ein Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von 17,84. In der Praxis sorgt dies für lebendige Fahrleistungen bei leichtem bis mäßigem Wind, ohne eine kleine Crew bei auffrischendem Wind zu überfordern. Da es sich um ein fraktioniertes Rigg handelt, ist die Hauptantriebskraft das Großsegel, kombiniert mit relativ kleinen, leicht zu bedienenden Vorsegeln. Diese Konfiguration macht das Wenden schnell und mühelos, da die Schotlasten gering genug sind, um ohne großen Winscheneinsatz bewältigt zu werden. Die Leistung vor dem Wind bei leichtem Wind ist jedoch der größte Kompromiss des Riggs; aufgrund der moderaten Verdrängung und der kleineren Vorsegel ist das Setzen eines Spinnakers oder eines asymmetrischen Gennakers unerlässlich, um auf raumen Kursen und vor dem Wind optimale Geschwindigkeiten zu halten. Das Verhalten in der Welle ist äußerst berechenbar, unterstützt durch ein Komfort-Ratio von 18.95, das schnelles Stampfen minimiert und die Crew bei unruhigen Küstenpassagen trocken und komfortabel hält.

Varianten & Konfigurationen

Die Standardkonfiguration der Granada 23 verfügt über einen tiefen Flossenkiel mit einem Tiefgang von 1,45 Metern. Dieser tiefe Kiel sorgt für hervorragenden Auftrieb und herausragende Leistung am Wind, schränkt jedoch den Zugang zu extrem flachen Ankerplätzen ein. Die überwiegende Mehrheit dieser Boote wurde für den Antrieb mit einem Außenborder konzipiert, der an einer robusten Halterung am Spiegel montiert ist. Dieses Setup ist äußerst praktisch, da der Motor beim Segeln vollständig aus dem Wasser gekippt werden kann, um jeglichen Widerstand zu vermeiden.

Es wurde auch eine seltene „Sport“-Variante der Granada 23 produziert, die ein optimiertes Decks-Layout, verbesserte Segelkontrollen und ein etwas leistungsstärkeres Rigg-Profil bot, das für Clubregatten unter europäischen Handicap-Regeln ausgelegt war. Während Innenraum und Rumpf identisch mit der Fahrtenversion blieben, ermöglichte das Sport-Modell eine feinfühligere Kontrolle über Segelform und Trimm. Bei allen Konfigurationen stand der Aluminiummast an Deck, gestützt von einer robusten Edelstahl-Maststütze, die die Lasten direkt in die Kielsektion leitet.

Bekannte Schwachstellen & Wartung

Wie jede klassische GFK-Yacht, die sich ihrem fünften Jahrzehnt nähert, benötigt die Granada 23 gezielte Pflege, um ihre strukturelle Integrität zu erhalten. Das Hauptaugenmerk für potenzielle Käufer liegt auf Rott im Deckskern. Das Deck ist mit einem Balsaholzkern zwischen GFK-Schichten konstruiert. Über die Jahrzehnte kann Wasser in das Balsa eindringen, wenn Decksbeschläge, Relingstützen oder der Mastfuß nicht regelmäßig neu abgedichtet werden. Bleibt dies unbeachtet, führt es zu weichen Stellen und einem nachgebenden Deck. Zur Behebung muss das Deck mit einem Kunststoffhammer oder Feuchtigkeitsmesser abgetastet, der beschädigte Kern aufgebohrt und vor dem erneuten Versiegeln durch epoxidharzgetränktes Bootsbausperrholz oder geschlossenzelligen Schaumstoff ersetzt werden.

Der gusseiserne Kiel ist mit schweren Kielbolzen in der Bilge befestigt. Da der Kiel aus Eisen und nicht aus Blei besteht, sind Rost und Oxidation ständige Wartungsthemen. Wasser, das in der Bilge steht, kann an den Gewinden herabsickern und Spaltkorrosion verursachen. Eigner sollten die Kielbolzen sorgfältig inspizieren und die äußere Kiel-Rumpf-Verbindung regelmäßig abschaben, grundieren und mit einer flexiblen Marine-Dichtmasse versiegeln, um das Eindringen von Wasser zu verhindern.

Undichte Fenster sind ein weiteres häufiges Problem. Die charakteristischen, leicht eckigen Acryl-Kajütfenster neigen im Laufe der Zeit zu Haarrissen und werden an den Rahmen undicht. Da der Innenraum stark mit Teakholz verkleidet ist, ruinieren dauerhafte Fensterundichtigkeiten schnell das schöne Holzfurnier darunter. Der Austausch dieser Fenster und das Abdichten mit modernen, UV-stabilisierten Polyurethan-Klebstoffen ist ein dringend empfohlenes Präventionsprojekt.

Modernisierung & Upgrades

Da ein Boot dieser Größe keine komplexen Sanitär- oder Elektrosysteme aufweist, ist die Modernisierung der Granada 23 ein äußerst lohnendes und relativ kostengünstiges Unterfangen. Ein Schwerpunkt für heutige Eigner ist das Bordnetz. Ursprünglich mit einer sehr einfachen Verkabelung und minimaler Batteriekapazität ausgestattet, installieren viele Eigner heute leichte Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePO4). Diese Batterien bieten hocheffizienten, langlebigen Strom für LED-Innen- und Navigationsbeleuchtung, UKW-Funk und Ladeanschlüsse für tabletbasierte Navigation, ohne das unnötige Gewicht traditioneller Blei-Säure-Batterien mitzubringen.

Auch der Antrieb ist ein idealer Kandidat für Upgrades. Die schweren, lauten und anfälligen Zweitakt-Außenborder der 1970er und 1980er Jahre werden zunehmend durch moderne, saubere Elektro-Außenborder ersetzt. Da die Granada 23 leicht anspringt und nur etwa fünf PS benötigt, um in engen Häfen zu manövrieren, sind drehmomentstarke Elektro-Außenborder mit integrierten Lithium-Batterien eine perfekte Ergänzung. Sie eliminieren das Mitführen von Benzin an Bord, reduzieren die Wartung auf fast null und arbeiten nahezu geräuschlos.

Wer die Segelleistung optimieren möchte, erzielt mit einem Upgrade des laufenden Guts große Wirkung. Erfahrene Eigner ersetzen oft schwere Draht-Tau-Fallen durch moderne Dyneema-Leinen, die Reck eliminieren und die Kontrolle über das Segelprofil verbessern. Das Umlenken dieser Fallen und Reffleinen nach achtern ins Cockpit über Decksorganizer und moderne Seilklemmen erhöht die Sicherheit und erleichtert das Segeln mit kleiner Crew oder einhand erheblich.

Das Fazit

Die Granada 23 ist ein hervorragendes Beispiel für skandinavischen Kleinkreuzer-Bau. Sie verbindet erfolgreich ein hohes Ballastverhältnis, einen legendären Konstruktionshintergrund und robusten dänischen Bootsbau zu einer äußerst fähigen Fahrtenyacht. Obwohl sie wachsame Pflege in Bezug auf ihr Sandwichdeck mit Balsakern und die Kiel-Rumpf-Verbindung des Gusseisenkiels verlangt, belohnt sie ihre Eigner mit unglaublich steifer Leistung am Wind und einer gemütlichen, mit Teakholz ausgebauten Kabine, die für ein Boot dieser Größe selten ist. Sie bleibt eine außergewöhnliche Wahl für Einsteiger und Downsizer, die keine Kompromisse bei der Bauqualität oder der strukturellen Sicherheit eingehen wollen.

Vorteile

  • Hervorragende Stabilität und Steifigkeit dank eines hohen Ballast-Verdrängungs-Verhältnisses.
  • Warmer, hochwertiger dänischer Teakholz-Innenausbau, der weit über seine Größenklasse hinausragt.
  • Sicheres, berechenbares Verhalten im Kabbelwasser mit geringem Kenterrisiko.
  • Sehr leicht zu bedienendes 7/8-Rigg, perfekt für Einhandsegler oder kleine Crews.
  • Leicht zu segelnder Rumpf, der sich hervorragend für saubere Elektro-Außenborder eignet.

Nachteile

  • Die Stehhöhe in der Kabine erlaubt nur Sitzen und kann bei längeren Törns beengend wirken.
  • Das Sandwichdeck mit Balsakern ist bei Vernachlässigung äußerst anfällig für Feuchtigkeitsschäden.
  • Der Gusseisenkiel erfordert aktive Pflege, um Rost und Korrosion an der Kiel-Rumpf-Verbindung zu verhindern.
  • Ohne Spinnaker fehlt dem Boot vor dem Wind die explosive Geschwindigkeit moderner, ultraleichter Sportboote.

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