Trintella 47 — Informationen, Bewertung, technische Daten

Ron Holland·1996 – 2002·~7 hulls·Trintella Yachts
Trintella 47 drawingWerftzeichnung
Rumpfart
Einrumpf · flossenkiel
Rigg
7/8-Slup
LOA
47.25' · 14.4 m
Verdr.
33.600 lbs · 15.241 kg
Erstes Baujahr
1996

Die Trintella 47, auch bekannt als Trintella 47C, stellt einen Höhepunkt des niederländischen Yachtbaus während einer Übergangsphase der Werft Mitte der 1990er Jahre dar. Dieses außergewöhnliche Boot ist das Ergebnis einer ambitionierten Partnerschaft zwischen der renommierten Werft Jachtwerf Anne Wever und dem international bekannten Konstrukteur Ron Holland. Konzipiert, um die Grenzen des luxuriösen und leistungsstarken Fahrtensegelns neu zu definieren, debütierte das Modell 1996 und blieb bis 2002 in limitierter Stückzahl in Produktion. Durch die Verschmelzung moderner VerbundwerkstoffBauweisen mit traditioneller Handwerkskunst der Alten Welt wurde die Trintella 47 direkt nach ihrer Einführung gefeiert und gewann schließlich 1998 die Auszeichnung „Luxury Yacht of the Year“ des Magazins Cruising World. Sie gilt als Meisterklasse in Sachen Hochseetauglichkeit und designorientierter Ergonomie für das Leben an Bord.

Messwerte

Abmessungen 01

Länge über alles
47,25 ft
Länge an Deck
Länge in der Wasserlinie
37,83 ft
Breite
14,75 ft
Tiefgang
6,42 ft
Maximale Stehhöhe
Durchfahrtshöhe

Bauweise & Rumpf 02

Bauweise
Glasfaser
Rumpfart
Einrumpf
Kielart
Flossenkiel
Ruder
1× Spatenruder
Ballast
11.000 lbs (Blei)
Verdrängung
33.600 lbs
Wasserkapazität
260 gal
Kraftstoffkapazität
221 gal

Rigg & Segel 03

Rigg-Art
7/8-Slup
Vorliek Großsegel
58,33 ft
Unterliek Großsegel
18,77 ft
Vorsegeldreieck Höhe
62 ft
Vorsegeldreieck Basis
17,72 ft
Vorstaglänge (geschätzt)
64,48 ft
Segelfläche
1.075 sqft

Berechnungen 04

Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis
16,51
Ballast-Verdrängungs-Verhältnis
32,74
Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L)
277,07
Komfort-Ratio
35,47
Kenterungsverhältnis
1,83
Rumpfgeschwindigkeit
8,24 kn

Konzept & Zielsetzung

Die Kernmission der Trintella 47 war es, als kompromisslose Langstrecken-Fahrtenyacht zu dienen, die von einer kleinen Crew sicher und mühelos bedient werden kann und gleichzeitig den Gästen erstklassigen Komfort bietet. Zu einer Zeit, als die Konkurrenz Deckssalonyachten mit konventionellen Layouts entwarf, entschied sich Ron Holland für einen mutigen, unverwechselbaren Ansatz. Er leistete Pionierarbeit mit einer Zwei-Zonen-Deckskonfiguration, die das Arbeiten beim Segeln konsequent vom entspannten Verweilen an Deck trennte. (3, 4, 5)

Dieses Zwei-Zonen-Design basiert auf einer einzigartigen Aufteilung mit geteiltem Cockpit. Bei dieser Anordnung sind alle aktiven Leinen zur Segelbedienung, die Schoten und der Steuerstand in einer tiefen, sicheren achtern liegenden Plicht untergebracht, die von elektrischen Winschen umgeben ist. Vor dem Traveller der Großschot befindet sich ein separates, reines Komfort-Cockpit. Dieses Gästecockpit verfügt über eine feste, robuste Sprayhood mit integrierten Glasscheiben, die mit einer Kuchenbude komplett geschlossen werden kann. Ausgestattet mit einem großen Teak-Esstisch dient es als trockener, ruhiger und voll geschützter Außenbereich – völlig frei von gefährlichen, unter Spannung stehenden Leinen, was es für Familien oder die Freiwache extrem sicher macht. (2, 4, 5)

Unter Deck verzichtet die Trintella 47 auf den Trend, möglichst viele enge Kabinen in einen 47-Fuß-Rumpf zu quetschen. Stattdessen ist das Layout als großzügige Aufteilung mit zwei Kabinen und zwei Nasszellen konzipiert. Die vordere Gästekabine und die riesige Eignerkabine achtern verfügen jeweils über Doppelkojen und eigene Nasszellen mit separaten Duschkabinen. Dank einer breiten Brücke und eines erhöhten Kajütaufbaus bietet der steuerbordseitige Durchgang zur Achterkabine volle Stehhöhe – ein seltener Luxus auf Booten dieser Länge mit achterem Cockpit. Der Innenraum zeichnet sich durch eine spektakuläre, umschließende Sitzecke, eine weitläufige, seetüchtige Pantry, eine vollwertige Navigationsecke und einen begehbaren Motorraum aus. Der Innenausbau entspricht den höchsten niederländischen Werftstandards und ist oft in hellem, luftigem Eschenholz oder klassischem Premium-Teak ausgeführt, was eine warme, helle Atmosphäre schafft, die eher an eine Custom-Superyacht erinnert. (2, 4)

Variationen & Konfigurationen

Da nur sieben Einheiten der Trintella 47 gebaut wurden, handelt es sich im Grunde um eine Semi-Custom-Yacht, bei der die einzelnen Rümpfe die persönlichen Vorlieben ihrer Erstbesitzer widerspiegeln. Der grundlegende Entwurf blieb jedoch konsistent. Der Rumpf wurde mit einem moderaten Flossenkiel und einer Bleibombe mit tiefem Schwerpunkt konstruiert, was einen Standardtiefgang von 6,42 Fuß ergibt. Diese Konfiguration optimiert den Auftrieb und das aufrichtende Moment, während der Tiefgang für die wichtigsten Reviere und tiefen Marinas praxistauglich bleibt.

Beim Rigg konnten die Eigner zwischen einer hochgezogenen 7/8-Slup (7/8-Rigg) oder einer äußerst vielseitigen Kutter-Takelung wählen. Das Kutter-Rigg umfasst drei Rollanlagen – meist mit elektrischen Rollfocksystemen für die Genua und einer hochgeschnittenen Selbstwendefock oder einem Stagsegel, kombiniert mit einem Großsegel mit Volllatten. Das Großsegel wurde häufig über ein Baumfurlungssystem wie einen Leisure Furl-Baum oder ein traditionelles Bindereff mit Stack-Pack bedient. Um ein ästhetisch cleanes Deckslayout zu erhalten, werden alle Leinen vom Mast durch Edelstahlkanäle, die in den Kajütaufbau eingelassen sind und gleichzeitig als sichere Handläufe an Deck dienen, nach achtern zum Steuerstand geführt. Für den Vortrieb sorgt ein robuster Yanmar-Dieselmotor mit 88 PS, der mehr als genug Leistung bietet, um auch gegen schwere See anzukommen. (2, 3, 4, 5)

Segelleistung & Seeverhalten

Am Wind überrascht die Trintella 47 trotz ihrer Einstufung als schwerer Verdränger; sie verhält sich eher wie eine agile Renn- und Fahrtenyacht als wie ein träger Langstreckensegler. Bei einer Verdrängung von 33.600 Pfund trägt sie einen 11.000 Pfund schweren Bleibubkiel, was zu einem Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 32,74 Prozent führt. Dieser erhebliche Ballast sorgt zusammen mit der modernen Rumpfform für eine sehr hohe Stabilität. Dies spiegelt sich auch im Kenterungsverhältnis von 1,83 wider, das deutlich unter dem Hochsee-Sicherheitsgrenzwert von 2,0 liegt und eine hervorragende Rollbeständigkeit sowie ein hervorragendes aufrichtendes Moment bei extremem Seegang anzeigt. (1)

Mit einem Komfort-Ratio von 35,47 und einem Verdrängungs-Längen-Verhältnis (D/L) von 277,07 zeigt die Yacht ein weiches, angenehmes Seeverhalten beim Kreuzen gegen eine kurze, steile Welle, was die Ermüdung der Crew auf mehrtägigen Törns verringert. Das Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von 16,51 weist auf einen ausgewogenen Segelplan hin. Während das Boot eine moderate Brise benötigt, um richtig in Fahrt zu kommen, sorgen das hocheffiziente 7/8-Rigg und der hohe Mast dafür, dass die Yacht auch bei leichtem Wind gut läuft. Da sie mit einem ausbalancierten Spatenruder auf Hochleistungs-Jefa-Lagern ausgestattet ist, fühlt sich die Steuerung seidenweich und unglaublich direkt an. Der Rudergänger genießt ein echtes, direktes Feedback über die Strömung am Ruderblatt, ganz ohne das schwammige Gefühl traditioneller Radsteuerungen mit Seilzügen bei Mittelcockpityachten. (4)

Modernisierung & Upgrades

Da diese Boote nun in ihr drittes Jahrzehnt auf dem Wasser gehen, führen erfahrene Eigner umfangreiche Refit-Projekte durch, um die Yachten an moderne Standards anzupassen. Der Hauptfokus moderner Upgrades liegt auf dem Bordnetz. Die ursprünglichen Konfigurationen basierten stark auf schweren Blei-Säure-Batteriebänken, um die stromhungrigen elektrischen Winschen, elektrischen Rollanlagen und optionalen Bugstrahlruder zu versorgen. Heutige Refits beinhalten fast ausnahmslos die Umstellung auf kapazitätsstarke Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePO4). Diese Umbauten reduzieren das Gewicht drastisch, verkürzen die Ladezyklen und ermöglichen es den Eignern, große 230V-Verbraucher wie Klimaanlagen und Wassermacher über leistungsstarke Wechselrichter zu betreiben, ohne ständig den Dieselgenerator laufen lassen zu müssen. (3)

Weitere häufige strukturelle Upgrades betreffen den Austausch der ursprünglichen hydraulischen Mast- und Riggspannpaneele durch modernisierte, digitale Hydraulik-Steuereinheiten. Viele Eigner haben auch ältere elektrische Rollanlagen der ersten Generation durch moderne, hochzuverlässige Systeme von Herstellern wie Selden ersetzt. Da die Trintella 47 nach höchsten Standards gebaut wurde, haben zudem viele Exemplare optische Updates erhalten, darunter professionelle Rumpflackierungen mit Awlgrip oder Alexseal zur Auffrischung des Gelcoats sowie die Umstellung der Halogen-Innenbeleuchtung auf stromsparende, warme LED-Leuchten.

Bekannte Schwachstellen & Wartung

Trotz der hervorragenden Bauqualität weist die Trintella 47 spezifische Konstruktionsmerkmale auf, die potenzielle Käufer genau prüfen müssen. An erster Stelle steht die Konstruktion von Rumpf und Deck. Dieses Modell war eine der allerersten Serienyachten, die im hochentwickelten SCRIMP-Vakuuminfusionsverfahren hergestellt wurden. Dabei wurde Vinylesterharz mit Kevlar- und Aramidfasern für eine hohe Schlagfestigkeit kombiniert, umschlossen von einem Balsaholzkern. Obwohl das SCRIMP-Verfahren ein extrem festes, lunkerfreies Laminat erzeugt, ist jede Struktur mit Balsakern anfällig für Feuchtigkeitseintritt. Über die Jahrzehnte können vernachlässigte Decksbeschläge, Relingstützen oder nachträglich installierte Instrumentengeber undicht werden. Dringt Wasser durch das Laminat ein, verrottet der Balsakern, was zu Delaminationen führt, deren Reparatur extrem arbeitsintensiv und teuer ist. Eine gründliche Untersuchung der Decks und des Überwasserschiffs mit einem Feuchtigkeitsmessgerät und durch Abklopfen ist daher zwingend erforderlich.

Der zweite Bereich, der größte Aufmerksamkeit erfordert, sind die Teakdecks. Trintella verlegte ab Werft ein dickes, 12 Millimeter starkes Teakdeck auf dem Unterdeck mit Balsakern. Obwohl wunderschön, erreichen diese Decks nun das Ende ihrer natürlichen Lebensdauer. Wenn Schrauben zur Befestigung des Teaks verwendet wurden oder die Verklebung nachgelassen hat, kann Wasser in den Kern wandern. Der Austausch oder das vollflächige Neuverkleben eines Teakdecks auf einer Yacht dieser Größe ist eine enorme finanzielle Investition. (2)

Zudem birgt die Komplexität des Riggs und der mechanischen Systeme potenzielle Fehlerquellen. Das cleane Deckslayout, das durch die Führung der Leinen in Edelstahlrohren innerhalb des Kajütaufbaus erreicht wird, kann das Einziehen neuer Fallen oder Steuerleinen zu einer echten Geduldsprobe machen. Die starke Abhängigkeit von elektrischen Winschen und Hydrauliksystemen erfordert einen strengen Plan für die vorbeugende Wartung, da Ersatzteile für die älteren Hydraulikpaneele oft schwer zu beschaffen sind. (3)

Marktübersicht & Wirtschaftlichkeit

Da nur eine Handvoll Trintella 47 gebaut wurde, erfordert die Suche auf dem Gebrauchtbootmarkt viel Geduld. Diese Yachten wechseln nur selten den Besitzer, und wenn, erzielen sie im Vergleich zu in Serie gebauten GFK-Fahrtenyachten desselben Alters einen deutlichen Aufpreis. Sie gelten als Boote für Kenner und konkurrieren direkt mit europäischen Premiummarken wie Nautor's Swan, Oyster und Contest.

Der Kaufpreis einer Trintella 47 ist dabei nur der Einstieg. Potenzielle Eigner müssen das Budget für die hohen Unterhaltskosten einer Semi-Custom-Yacht einplanen. Die Kosten für den Austausch des stehenden Guts, die Wartung der Hydraulik, neue Segel für das hohe 7/8-Rigg und eine eventuelle Sanierung des Teakdecks können sich schnell summieren. Für einen Käufer, der eine exklusive, hochseetaugliche Fahrtenyacht mit unverkennbarer Eleganz und beeindruckender Präsenz im Hafen sucht, rechtfertigt die dauerhafte strukturelle Integrität und die zeitlose Ästhetik des Bootes die Refit-Kosten jedoch allemal.

Das Fazit

Die Trintella 47 ist eine spektakuläre Leistung des Yachtdesigns. Sie beweist, dass eine kompromisslose, hochseetaugliche Fahrtenyacht gleichzeitig ein elegantes Kunstwerk sein kann. Ron Hollands innovatives Cockpit-Layout mit zwei Zonen und das hocheffiziente Rigg sorgen für ein Segelerlebnis, das sowohl extrem sicher als auch unglaublich lohnend am Ruder ist. Obwohl ihre Seltenheit, die Systemkomplexität und die Sandwich-Bauweise mit Balsakern ein gründliches Kaufgutachten und ein solides Wartungsbudget erfordern, bleibt sie eine der besten Semi-Custom-Fahrtenyachten ihrer Ära. (4, 5)

Vorteile

  • Meisterhafte niederländische Bauqualität mit luxuriösem Innenausbau und voller Stehhöhe im Durchgang.
  • Innovatives Doppel-Cockpit-Design hält den Aufenthaltsbereich absolut trocken und frei von arbeitenden Leinen.
  • Äußerst direktes Rudergefühl mit einem effizienten Rigg, das hervorragende Segeleigenschaften bietet.
  • Moderner Verbundstoff-Rumpfbau im SCRIMP-Verfahren mit Kevlar- und Aramidfasern für hohe Schlagfestigkeit.
  • Außergewöhnlicher Bewegungskomfort und hohe Stabilität machen sie zur erstklassigen Wahl für weltweite Blauwasserreisen. (2, 4)

Nachteile

  • Extrem geringe Verfügbarkeit auf dem globalen Gebrauchtbootmarkt macht die Suche nach einem Modell schwierig.
  • Rumpf und Deck mit Balsakern erfordern eine sorgfältige Überwachung, um Feuchtigkeitseintritt und teure Fäulnis zu verhindern.
  • In die Jahre gekommene, handverlegte Teakdecks sind teuer im Unterhalt, in der Neuverklebung oder im Austausch.
  • Komplexe elektrische und hydraulische Systeme erfordern spezialisierte Wartung und tiefes technisches Verständnis.
  • Das Einziehen von neuem laufenden Gut ist schwierig, da die Leinen in den Kanälen des Kajütaufbaus verdeckt geführt werden. (2, 3)

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