Designkonzept & Einsatzzweck
Die Kernaufgabe der Morgan 60 bestand darin, eine hochseetüchtige Plattform für weltweite Weltumsegelungen zu bieten und gleichzeitig ein hohes Maß an Luxus zu garantieren. In einer Ära, in der Wettbewerber wie Gulfstar und Irwin Mittelcockpit-Ketsch-Fahrtenyachten mit schwankender Bauqualität bauten, wollte Morgan einen strukturell konservativeren, handaufgelegten Rumpf mit einem hochfunktionellen Segelplan anbieten.
Die Innenraumgestaltung spiegelte die doppelten Anforderungen von Privateignern und anspruchsvollem Charterbetrieb wider. Teakholz-Innenausbau prägt die Kabinen, ist jedoch meist in einem helleren, warmen Ton gehalten, damit der weitläufige Salon nicht dunkel wie eine Höhle wirkt. Eine riesige U-förmige Sitzecke und eine professionelle, seetüchtige Pantry, die für die Verpflegung von bis zu zehn Personen ausgelegt ist, dominieren den Hauptwohnbereich. Die Schränke, Schotten und Backskistenkonfigurationen sind mit hochbelastbaren Laminatwinkeln und robusten mechanischen Befestigungen eingebaut. Dies stellt sicher, dass der Innenausbau nicht knarzt oder arbeitet, wenn das Boot voll beladen ist und gegen schwere, steile See ansteuert.
Varianten & Konfigurationen
Während der limitierten Produktionszeit wurde die Morgan 60 in verschiedenen Konfigurationen angeboten, um unterschiedlichen Eignerprofilen gerecht zu werden. Das am weitesten verbreitete Layout war die „5/5“-Konfiguration, die durch Charterunternehmen wie The Moorings bekannt wurde. Diese hocheffiziente Aufteilung mit hoher Kabinendichte bietet fünf separate Kabinen – jede mit einer eigenen Nasszelle inklusive Dusche. Dies garantiert vier Gästepaaren sowie einer separaten Crewkabine absolute Privatsphäre.
Für private Langfahrtsegler ersetzte die seltene „Eignerversion“ die beiden vorderen Gästekabinen durch eine einzige, palastartige Eignersuite. Dieses Layout für Privat-Yachten konzentriert sich auf eine Doppelkoje als Inselbett auf der Mittellinie, einen großzügigen Schminktisch und deutlich vergrößerte Kleiderschränke. Unter der Wasserlinie verfügt das Boot über einen tiefen Flossenkiel mit 6,67 Fuß (ca. 2 m) Tiefgang, kombiniert mit einem robusten, Skeg-aufgehängten Ruder. Während die meisten Rümpfe als zweimastige Schoner fertiggestellt wurden, tauchen auf dem Gebrauchtmarkt gelegentlich auch einige modifizierte Kutter- und Ketsch-Rigg-Varianten auf.
Segelleistung & Seeverhalten
Mit einer Verdrängung von 60.000 Pfund und einem Ballast-Verdrängungs-Verhältnis von 31,67 % ist die Morgan 60 eine klassische schwere Fahrtenyacht. Unter Segeln zeigt sie ein ausgeprägtes, unaufhaltsames Durchlaufverhalten. Sie nimmt Kabbelwasser und schwere See mit minimalem Einsetzen und verliert auch in unruhiger See gegenan kaum an Fahrt, wo leichtere Boote schnell feststampfen würden.
Das niedrige Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis von 14,61 deutet auf einen konservativen Segelplan hin. Bei leichtem Wind unter 10 Knoten macht die enorme benetzte Fläche des 60-Fuß-Rumpfes das Boot träge, sodass häufig die Unterstützung des 130 PS starken Perkins-Dieselmotors erforderlich ist. Sobald der Wind jedoch über 15 Knoten auffrischt, kommt der Rumpf in Fahrt. Das Kenterungsverhältnis von 1,62 zeigt eine hervorragende Hochseestabilität und eine großzügige Sicherheitsmarge bei extremen Wetterbedingungen, weit unter dem Standard-Sicherheitslimit von 2,0. Zusammen mit einer Komfort-Ratio von 44,24 bietet das Boot ein unglaublich stabiles, ermüdungsfreies Seeverhalten, das es Autopiloten und Rudergängern ermöglicht, das Boot tagelang mit minimalem Kraftaufwand zu steuern. Auf Halbwind- oder raumen Kursen ist die Schoner-Konfiguration hocheffiziente, wenngleich die Winkel beim Aufkreuzen am Wind bekanntermaßen recht weit sind.
Bekannte Schwachstellen & Wartung
Die Instandhaltung eines über vierzig Jahre alten Bootes dieser Größe erfordert eine aktive und vorbeugende Wartung.
- Rott im Balsa-Decks-Kern: Während die Massiv-GFK-Rümpfe bekanntermaßen extrem robust gebaut sind, sind die riesigen Decksflächen mit einem Balsaholzkern versehen. Wassereintritt tritt häufig im Bereich hochbelasteter Decksbeschläge auf, darunter Relingstützen, Stagsegelschienen und die Plattform der Ankerwinde. Käufer sollten ein Gutachten mit Feuchtigkeitsmessung und Abklopfprüfung des gesamten Decks in Auftrag geben.
- Schäden an integrierten Tanks: Die Originalbauten verfügten über große Kraftstoff- und Wassertanks – mit Kapazitäten von bis zu 340 Gallonen Kraftstoff und 500 Gallonen Wasser –, die entweder in die GFK-Struktur integriert oder aus Aluminium gefertigt waren. Im Laufe der Zeit können diese Tanks Spaltkorrosion oder Haarrisse entwickeln. Aufgrund der strukturellen Rahmenkonstruktion unter den Bodenbrettern ist der Austausch dieser Tanks ein Großprojekt, bei dem unter Umständen Teile der Bodenbretter herausgeschnitten werden müssen.
- Komplexität des Rigging und Püttinge: Das Schoner-Rigg verdoppelt die Menge an stehendem Gut, Wantenspannern und Püttingen im Vergleich zu einer Standard-Slup. Püttinge, die durch das Deck führen, sind sehr anfällig für Spaltkorrosion. Ein regelmäßiges neu Eindichten und eine Rissprüfung des Edelstahls der Püttinge sind vor dem Antritt von Hochseepassagen zwingend erforderlich.
- Verschleiß der Ruderlager: Die enormen Lasten, die durch den schweren Rumpf und das Skeg-Ruder entstehen, üben massiven Druck auf den Ruderschaft und den Ruderquadranten aus. Jegliches übermäßige Spiel im Steuerrad muss sofort behoben werden, was oft speziell angefertigte Ersatzbuchsen aus Bronze oder Verbundstoff erfordert.
Das Urteil
Die Morgan 60 ist ein kompromissloses, schwer gebautes Langfahrtschiff für Segler, die traditionelle, schwere Segeleigenschaften schätzen. Obwohl sie reichlich Wind braucht, um optimal zu laufen, sind ihr Komfort auf See und ihr enormes Innenraumvolumen von modernen Serienbauten unerreicht. Potenzielle Eigner müssen die Dimensionen dieses Bootes respektieren, da die mechanischen, Rigg- und Struktursysteme erfahrene Hände und ein realistisches Wartungsbudget verlangen.
Vorteile
- Äußerst komfortables und seegütiges Verhalten bei schwerem Seegang
- Solide, extrem robust handaufgelegte GFK-Rumpfkonstruktion
- Außergewöhnliches Innenraumvolumen mit privaten Kabinenaufteilungen für Gäste
- Hohe Kraftstoff- und Wasserkapazitäten für ausgedehnte Langstreckenfahrten
- Hervorragende Kursstabilität und ausgewogenes Ruderverhalten auf raumen Kursen
Nachteile
- Mäßige Am-Wind-Eigenschaften und träges Verhalten bei leichtem Wind
- Hoher Wartungsaufwand aufgrund der Größe und Komplexität des Rigging
- Erheblicher Arbeits- oder Finanzaufwand zur Sanierung gealterter Balsa-Decks-Kerne
- Großer Wendekreis und hohe Windangriffsfläche machen enge Hafenmanöver anspruchsvoll








