Designvorgabe & Konzept
Die Kernaufgabe des Minifish II bestand darin, ultimative Einfachheit, leichten Transport und eine zugängliche Leistung auf dem Wasser zu bieten. Im Gegensatz zum größeren Sunfish, der für bis zu zwei Erwachsene ausgelegt war, wurde der Minifish II für einen einzelnen Segler unter 300 Pfund optimiert, wobei die beste Leistung bei leichteren Skippern erzielt wird. AMF fertigte den Rumpf im GFK-Laminatverfahren mit einer gerundeten Deckskante und einem angeformten Süllrand, um die Anzahl der Bauteile zu reduzieren und die für frühere Jollen typische Scheuerleiste aus Metall überflüssig zu machen.
Im Inneren verfügt das Boot über keine traditionelle Kabine oder komplexe Holzeinbauten. Es handelt sich um ein versiegeltes, unsinkbares Boot im Ponton-Stil, das für den Auftrieb mit Polystyrol-Schaumblöcken gefüllt ist. Das Decks-Layout des Minifish II stellt eine direkte Weiterentwicklung gegenüber dem früheren Flachdeck-Sailfish und dem ursprünglichen Minifish mit flachem Deck dar. Anstatt den Segler dazu zu zwingen, komplett auf einem flachen Deck im Surfboard-Stil zu sitzen, führte die Variante „II“ eine flache, eingeformte Plicht als Fußraum ein. Diese ergonomische Verbesserung ermöglichte es dem Skipper, in einer natürlicheren Position mit angewinkelten Knien zu sitzen, was die Ermüdung erheblich verringerte und den Komfort bei längeren Segeltouren auf Seen, Buchten und geschützten Gewässern verbesserte. (1)
Varianten & Konfigurationen
Während der ursprüngliche Minifish von 1971 noch auf das traditionelle Lateinersegel setzte – ein dreieckiges Segel, das an einer Ober- und Unterrah angeschlagen und an einem einzigen Fall gesetzt wurde –, brachte der Minifish II eine radikale Abkehr in der Rigg-Architektur. Um ein leistungsorientierteres Publikum anzusprechen und das vom Laser popularisierte Catrigg mit hoher Streckung zu imitieren, wurde der Minifish II mit einem unverstagten Catrigg (auch als Una-Rigg bezeichnet) ausgestattet.
Diese Konfiguration nutzt ein lose angeschlagenes, 60 Quadratfuß (ca. 5,6 m²) großes Dacron-Segel mit einer Masttasche, die direkt über einen dreiteiligen, eloxierten Aluminiummast geschoben wird. Durch den Verzicht auf die zwei Ruten des Lateinersegels ermöglicht das Catrigg anspruchsvolle Segeltrimm-Optionen, die man auf Freizeit-Strandbooten dieser Größe selten findet, darunter ein eigener Unterliekstrecker, ein Cunningham und ein Baumniederholer. Dieses unverstagte System macht das stehende Gut komplett überflüssig, sodass es keine Wanten, Stagen oder Püttinge gibt, die eingestellt, gewartet werden müssen oder versagen könnten. (2)
Segelleistung & Segeleigenschaften
Die Segeldynamik des Minifish II wird durch sein extrem geringes Gewicht und sein beeindruckendes Verhältnis von Segelfläche zu Gewicht bestimmt. Bei einem Rumpfgewicht von nur 83 Pfund (ca. 38 kg) und einer Segelfläche von 60 Quadratfuß verfügt das Boot über ein erstaunliches Segelfläche-Verdrängungs-Verhältnis (SA/D) von 50,45. Auf dem Wasser übersetzt sich dies in eine hochreaktive, gleitfähige Plattform. Selbst bei leichtem Wind beschleunigt der Rumpf sofort und benötigt nur sehr wenig Wind, um Fahrt aufzunehmen. (2)
Diese Reaktionsfreudigkeit geht jedoch mit einer extremen Rankheit einher. Das Kenterungsverhältnis von 3,51 unterstreicht seinen Charakter als reine Jolle; das Boot verfügt über keinerlei physischen Ballast, um ein Kentern zu verhindern, und verlässt sich ganz auf die Gewichtsverlagerung der Crew und ein schnelles Fieren der Großschot. Bei Windstärken über 15 Meilen pro Stunde ist der Minifish II sehr agil und erfordert entschlossenes Ausreiten sowie ständige Aufmerksamkeit. Da der Rumpf hoch auf dem Wasser liegt und eine geringe Breite von knapp unter vier Fuß aufweist, müssen Gewichtsverlagerungen gezielt erfolgen. Sollte es dennoch zu einer Kenterung kommen, lässt sich das Boot bemerkenswert einfach aufrichten. Der versiegelte Rumpf verhindert ein Vollaufen, und der Segler kann sich einfach auf das Steckschwert stellen, den leichten Rumpf aufrichten und zurück in die Plicht klettern, um weiterzusegeln.
Bekannte Probleme & Schadensbehebung
Das kritischste Problem, vor dem ein klassischer Minifish II heute stehen kann, ist nassgewordener Auftriebsschaum. Über Jahrzehnte der Nutzung können Haarrisse im GFK, unversiegelte Decksbeschläge oder kleinere Beschädigungen dazu führen, dass Wasser langsam in den Rumpf einsickert. Die internen Polystyrol-Schaumblöcke saugen diese Feuchtigkeit wie ein Schwamm auf. Ein gesunder Rumpf sollte exakt 83 Pfund wiegen; ein vollgesogener Rumpf kann leicht auf über 130 Pfund (ca. 59 kg) anwachsen, was den einfachen Dachtransport unmöglich macht und die lebendige Segelleistung ruiniert. Zur Schadensbehebung muss der nackte Rumpf gewogen werden. Ist er deutlich zu schwer, müssen Eigner Inspektionsluken einbauen, damit trockene Luft im Rumpf zirkulieren kann, wobei oft über mehrere Wochen Computerlüfter oder Luftentfeuchter eingesetzt werden, um die Feuchtigkeit herauszubekommen. (1)
Strukturelle Ermüdung im Bereich des Mastfusses ist ein weiteres häufiges Problem. Das unverstagte Catrigg überträgt seine gesamte Querkraft direkt in den GFK-Mastpartner auf dem Deck und die Mastfuß-Hülse am Rumpfboden. Unter hohen Windlasten kann dies zu Spannungsrissen im Gelcoat oder zu einem vollständigen strukturellen Versagen des Mastfusses führen. Weiche Stellen oder Flexen rund um das Mastloch müssen mit Epoxidharz und Glasgewebe verstärkt werden. Zudem kann die Rumpf-Deck-Verbindung, die ab Werk verklebt ist, unter einer Ablösung leiden, insbesondere im Bereich des Bugs oder des Spiegels, wo das Boot gegen Stege gestoßen sein könnte. Diese Verbindung muss inspiziert und mit Marinedichtstoff oder Glasfaserband neu versiegelt werden, um sicherzustellen, dass der Rumpf wasserdicht bleibt.
Modernisierung & Upgrades
Heutige Eigner eines Minifish II konzentrieren sich bei einem Refit häufig darauf, die einfachen Decksbeschläge aufzurüsten, um die Segelbedienung ergonomischer zu gestalten. Die ursprüngliche Großschotführung war oft nur ein einfacher, auf Reibung basierender Haken an der Plichtwand, was das Halten der Schot bei starkem Wind sehr ermüdend macht. Ein dringend empfohlenes Upgrade ist die Installation eines modernen Ratschenblocks und einer Curry-Klemme auf der Mittellinie. Da die eingeformte Plicht keinen offenen Zugang für eine Gegenplatte bietet, erfordert diese Modifikation in der Regel das Ausschneiden einer vier Zoll großen Inspektionsluke in der Nähe des Schwertkastens, damit der Eigner die neuen Beschläge mit Unterlegscheiben aus Edelstahl sicher verschrauben kann.
Auch die Effizienz beim Riggen lässt sich erheblich verbessern. Durch das Anbringen einer kleinen Klampe direkt am Aluminiummast, einige Fuß über dem Deck, kann die Fallspannung am Mast selbst belegt werden, anstatt hart gegen die Decksführung zu ziehen. Dies entlastet das GFK-Deck strukturell. Für diejenigen, die neue Segel suchen, fertigen Segelmacher weiterhin passende Ersatz-Großsegel mit Masttasche in auffälligen, klassischen Mehrfarben-Designs der damaligen Zeit an. Dabei wird modernes 3,8-Unzen-Dacron verwendet, das seine Form wesentlich besser hält als die originalen Dacron-Segel aus den 1970er-Yahren.
Das Fazit
Der AMF Alcort Minifish II ist eine geniale, leichte Strandjolle, der es gelingt, die Freude am Jollensegeln in ein Format zu packen, das fast jeder transportieren kann. Obwohl dem Boot der Innenraumkomfort oder das trockene Segeln größerer Jollen fehlt, machen seine lebendige Leistung, der einfache Transport und das anspruchsvolle Catrigg es zu einer hervorragenden Wahl für Einhandsegler, die ein pures, reaktionsschnelles und hochgradig aktives Erlebnis auf dem Wasser suchen.
Vorteile:
- Mit einem Gewicht von nur 83 Pfund ist das Boot außergewöhnlich einfach auf dem Autodach zu transportieren und einhand zu Wasser zu lassen.
- Das unverstagte Catrigg ist einfach aufzubauen, kommt ohne stehendes Gut aus und verfügt über Trimmvorrichtungen wie Cunningham und Baumniederholer für präzises Segelprofilieren.
- Die eingeformte Plicht bietet im Vergleich zu älteren Flachdeck-Booten einen weitaus besseren Beinkomfort.
- Das hohe Verhältnis von Segelfläche zu Verdrängung sorgt für aufregende, reaktionsschnelle Leistung und einfaches Gleiten bei moderatem Wind.
- Der versiegelte, schaumgefüllte Rumpf macht das Boot unsinkbar und sehr sicher für den Einhandbetrieb. (2)
Nachteile:
- Der innere Schaum neigt im Laufe der Zeit dazu, Wasser aufzusaugen, was aufwendige Trocknungsverfahren erfordert.
- Extrem rank und bei unaufmerksamem Steuern in böigen Bedingungen leicht zum Kentern zu bringen.
- Die Plicht ist sehr eng, was das Boot praktisch zu einem reinen Einpersonenboot für alle außer den kleinsten Kindern macht.
- Die hohe Belastung des unverstagten Mastfusses kann im Laufe der Zeit zu strukturellen Rissen im GFK führen.
- Ersatzbeschläge und klassenspezifische Teile sind im Vergleich zum allgegenwärtigen Sunfish schwerer zu finden. (1)






